Sympatex-Angeklagte sollen Haftstrafen auf Bewährung bekommen

Datum15.10.2025 11:50

Quellewww.spiegel.de

TLDRIm Prozess gegen die ehemaligen Eigentümer von Sympatex, Stephan Goetz und Stefan Sanktjohanser, sowie Sanierungsberater Frank Günther, steht ein Urteil bevor. Die Staatsanwaltschaft hat einem Deal zugestimmt, wobei Haftstrafen auf Bewährung und Geldstrafen beantragt wurden. Die Angeklagten sollen Gläubiger zulasten entschuldet haben. Wichtiger Streitpunkt ist die Bewertung von Sympatex zum Zeitpunkt des Schuldenschnittes. Goetz steht nicht vor Gericht, hat jedoch auch Anklagen gegen sich. Das Urteil wird am Freitag erwartet.

InhaltIm Promi-Prozess um den Hersteller von Outdoor-Textilien soll überraschend schon an diesem Freitag ein Urteil fallen. Die Staatsanwaltschaft hat einem Deal zugestimmt. In dem Drama um Sympatex, den Münchner Hersteller von Funktionstextilien für Outdoorkleidung, steht überraschend schnell ein erstes Urteil bevor. Die früheren Eigentümer der Firma, die Unternehmensberater Stephan Goetz und Stefan Sanktjohanser, sollen Sympatex zusammen mit dem Sanierungsberater Frank Günther sowie anderen Managern zulasten der Gläubiger entschuldet haben, wovon sie als Eigentümer aus Sicht der Ermittler profitiert haben. Anfang Juli hatte der Prozess gegen vier Angeklagte begonnen, darunter Sanktjohanser, Günther und zwei weitere Männer. Das Gericht hatte zunächst Termine bis in den nächsten Sommer angesetzt, der Vorsitzende Richter Stephan Necknig machte jedoch früh deutlich, dass es einige für die Bewertung des Falls wichtige Punkte anders sehe als die Staatsanwaltschaft. Streitpunkt ist insbesondere die Schadenshöhe. Die Sympatex-Gläubiger waren im Zuge eines Schuldenschnitts mit zehn Prozent des investierten Geldes abgefunden worden. Während die Staatsanwaltschaft in der Anklage davon ausging, dass Sympatex zu dem Zeitpunkt lebensfähig und deutlich mehr wert war, argumentierten die Verteidiger, die Firma habe keine positive Fortführungsprognose gehabt – sie wäre ohne den drastischen Schnitt pleite gewesen. Das Gericht scheint zumindest den von den Anklägern angenommenen Schaden als nicht erwiesen anzusehen. Sanktjohanser hatte bereits im September ein Teilgeständnis abgelegt, nun sind offenbar auch Günther und ein weiterer Angeklagter dazu bereit. Das Verfahren gegen den vierten Angeklagten wurde bereits gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Goetz, der nicht vor Gericht steht, äußert sich nicht zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. An diesem Freitag soll das Urteil gegen die drei übrigen Angeklagten fallen. Die Strafkammer des Gerichts hat sich mit den Verteidigern auf einen Deal verständigt, dem sich nun offenbar auch die Staatsanwaltschaft weitgehend anschließt. Sie hat in der Verhandlung am vergangenen Montag Schuldsprüche wegen versuchten Betrugs und Falschaussage beziehungsweise im Fall Sanktjohanser Beihilfe zur Falschaussage beantragt. Sanktjohanser, der wegen eines früheren Vergehens vorbestraft ist, soll laut Antrag der Staatsanwaltschaft zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung sowie einer Geldstrafe verurteilt werden. Günther droht demnach eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung sowie ebenfalls eine Geldstrafe, der dritte Angeklagte soll lediglich eine Geldstrafe leisten. Da sich die Staatsanwaltschaft mit ihren Anträgen an der Verständigung zwischen Gericht und Verteidigern orientiert hat, dürfte das Urteil ähnlich ausfallen. Möglich ist, dass die Angeklagten trotz der Verständigung gegen das Urteil in Revision gehen. Offen ist zudem, was das Urteil für Sanktjohansers Geschäftspartner Stefan Goetz bedeutet. Er ist zwar auch angeklagt, die Anklage ist aber noch nicht vom Gericht zugelassen. Prozessbeobachter halten es für wenig wahrscheinlich, dass es noch zu einem Gerichtsverfahren gegen Goetz kommt. Allerdings dürfte das auch von der Urteilsbegründung am Freitag abhängen, zudem ist für den Fall Goetz eine andere Kammer zuständig. Goetz, der mit der Kunstsammlerin und Otto-Erbin Ingvild Goetz verheiratet ist, saß lange in Untersuchungshaft, diese ist nun gegen Auflagen ausgesetzt. Anders als Sanktjohanser ist Goetz auch noch immer Eigentümer von Sympatex. Die gemeinsame Firma Goetzpartners mussten die beiden wegen des Verfahrens gegen sie aufgeben, sie wird von ehemaligen Mitarbeitern unter dem Namen Fortlane fortgeführt.