Datum25.04.2026 07:54
Quellewww.spiegel.de
TLDRFernseher werden nach der Markteinführung meist deutlich günstiger. Geringe Preisabschläge sind normal, aber auch Halbierungen sind keine Seltenheit, besonders bei OLED-Modellen. Chinesische Hersteller wie TCL und Hisense üben starken Preisdruck auf etablierte Marken aus. Für durchschnittliche Nutzer reichen Vorjahresmodelle meist aus, da sichtbare Verbesserungen oft erst nach mehreren Generationen eintreten. Geduld zahlt sich aus, denn die besten Preise gibt es oft im Sommer, insbesondere zur Fußball-WM.
InhaltIm Frühsommer kommen neue TV-Geräte in den Handel. Die sind meist teurer als die Vorjahresmodelle der gleichen Serie. Aber: lohnt sich die Mehrausgabe eigentlich? Dieser Text enthält mit dem Hinweis "Anzeige" gekennzeichnete Affiliate-Links, über die der Verlag, aber nie der Autor individuell, bei Verkäufen eine geringe Provision vom Händler erhält. LG machte in diesem Jahr den Auftakt und stellte in Frankfurt neue TV-Modelle vor. Äußerlich unterscheiden sich die Geräte wenig von den bisherigen Modellen des Herstellers, es gibt neue Fernseher mit Micro-RGB-LEDs im Backlight und natürlich jede Menge OLEDs, darunter ein super dünnes zum An-die-Wand-Hängen. Sieht man von solchen Neuerungen ab, hat LG an den OLED-Panels selbst wenig verändert. Über die Displayansteuerung konnte der Hersteller dennoch einige Verbesserungen bei der Bildqualität erzielen (mehr dazu in unserem Hands-on ). Ausgabe 08/2026 Lesen: Testangebot von "c't" Weiterführende Links: Quantencomputing unter Druck c’t uplink – Der Podcast aus Nerdistan Es stellt sich allerdings die Frage, ob die Verbesserungen als Grund reichen, um eines der kommenden Modelle zu kaufen. Oder anders gefragt: Sind die neuen Fernseher, nicht nur bei LG, so viel besser als die deutlich günstigeren Geräte aus dem Vorjahr? Um das zu klären, werfen wir einen genaueren Blick auf die Preisentwicklung bei den großen TV-Herstellern und wägen ab, für wen sich die Mehrausgabe lohnt und wer beruhigt zu einem weniger teuren Vorjahresmodell greifen kann. Anders als bei Speichern ist der Preisverfall bei Fernsehern beträchtlich. Ein Grund: Die hierzulande vertretenen TV-Hersteller LG, Samsung, Philips, Panasonic und Sony stehen unter dem Preisdruck der chinesischen Hersteller Hisense und TCL. Insbesondere TCL hat im abgelaufenen Jahr Smart-TVs in ordentlicher Qualität zu niedrigen Preisen in den Handel gedrückt. Die LC-Displays konnten zwar trotz ausgezeichnetem Dimming des Mini-LED-Backlights nicht mit der Qualität der High-End-TVs von LG, Samsung und Co. mithalten, aber bei vielen Käufern hat der günstigere Preis die bessere Bildqualität ausgestochen. Darauf mussten Hersteller und Händler zwangsläufig reagieren. Aktuell bekommt man einen 65-zölligen OLED-Fernseher mit 1,65 Meter Diagonale aus LGs C5-Serie für unter 1500 Euro, sogar LG selbst bietet das Gerät in seinem Shop für 1500 Euro an. Dabei lag die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) des Herstellers zum Verkaufsstart im vergangenen Jahr noch bei 3200 Euro. Man kann zwar auf die UVPs allgemein nicht allzu viel geben, denn fast alle Geräte werden kurz nach der Markteinführung günstiger gehandelt. Aber dass die Geräte nach nicht einmal einem Jahr für weniger als die Hälfte verkauft werden, zumal vom Hersteller selbst, ist eher ungewöhnlich. Gleiches gilt für die Topmodelle aus LGs G-Serie. So ist der 65-zöllige OLED65G59LS im vergangenen Jahr mit einem UVP von 4000 Euro gestartet und im März 2026 im Onlinehandel und bei LG für unter 1800 Euro zu haben. Bei einem ersten Test der neuen G-Serie, die im Frühsommer in den Handel kommt, stellten wir fest, dass LG die OLED-TVs bei der Leuchtdichte und der Wiedergabe von feinen Farbverläufen merklich verbessert hat. Für etliche Nutzer könnte das als Grund aber nicht ausreichen, um deutlich mehr für die brandneuen Modelle auszugeben. Bei Samsung findet sich eine vergleichbare Preisentwicklung. Ein 65-zölliger Fernseher mit QD-OLED-Panel ist dort von zunächst 3200 Euro auf inzwischen 1800 Euro gefallen, die 77-Zoll-Variante von 5600 auf nun 2600 Euro. Ein Samsung-Fernseher mit OLED-Panel von LG mit 1,65 Meter Diagonale (65 Zoll) kostet aktuell 1100 Euro, gestartet ist er vor einem Jahr bei über 2800 Euro. Die Reduktion bei den großen OLED-TVs, die in starker Konkurrenz zu LCD-TVs stehen, ist auch hier besonders krass: Samsungs zunächst für über 4400 Euro angebotener 77-Zöller GQ77S85F kostet derzeit etwa 1450 Euro; das besser ausgestattete Modell 90F fiel im selben Zeitraum von 4600 Euro auf 1800 Euro. Die Preiskurve für die LCD-Modelle des Herstellers verläuft indes ähnlich. So fiel der GQ75QN90F im Samsung-Shop innerhalb eines Jahres von 4400 Euro auf etwa 2000 Euro, die 65-Zoll-Variante von 3000 auf 1600 Euro. Im herstellereigenen Vertriebskanal und bei Amazon sogar auf 1200 Euro. Auch Philips-TVs werden schnell billiger, wenn auch nicht ganz so drastisch wie bei LG und Samsung. So startete das 65-zöllige LCD-TV-Modell 65MLED910 mit dimmbarem LED-Backlight mit einem UVP von 1600 Euro und kostet aktuell weniger als 900 Euro. Das gleich große OLED-Topmodell 65OLED950 verbilligte sich von 3660 Euro auf nunmehr 2260 Euro. Die Fernseher von Sony bleiben recht stabil. Das Topmodell mit QD-OLEDs von Samsung (Bravia 8 II K-65XR8M2) bekommt man statt für einst 3300 Euro inzwischen für 2500 Euro. Mit einem OLED-Panel von LG (Bravia 8A K-65XR8A) sind es statt 2200 Euro derzeit 2000 Euro. Allerdings war das Gerät zwischenzeitlich für 1350 Euro zu haben. Auch bei Panasonic hält sich der Preisverfall in Grenzen. Das Topmodell TV-65Z90BE7 mit OLED-Panel von LG kostet statt 2900 Euro UVP aktuell 2250 Euro. Beide japanischen Hersteller haben deshalb oder auch trotzdem Probleme mit ihrer TV-Sparte. Die Folgen: Bei Sony steigt künftig TCL ein und übernimmt Vertrieb und Marketing der TVs, bei Panasonic ist es der chinesische Hersteller Skyworth. Beim Blick auf die chinesischen Hersteller ändert sich das Bild ein wenig. Hisense startete im Frühjahr 2025 bereits mit moderaten Preisen. Das letztjährige LCD-Topmodell 65U8Q kostete in 65 Zoll seinerzeit 1600 Euro und fiel im Laufe des Jahres auf 1150 Euro. Der gleich große 65U7Q mit Mini-LEDs im mäßig dimmbaren Backlight fiel innerhalb von drei Tagen von 1600 Euro auf 1100 Euro, der hohe UVP und die auf dem Fuß folgende Reduktion waren offenbar als reine Werbemaßnahme gedacht. Inzwischen kostet das Gerät 650 Euro. TCL ist mit seinen QD-Mini LED-TVs gleich zu Beginn niedrig eingestiegen und hat dadurch weniger stark verloren. So ist der 65C7K mit einem UVP von 1000 Euro gestartet während die aktuellen Preise zwischen 700 und 1000 Euro mäandern. Bei anderen Modellen des Herstellers verhält es sich ähnlich, OLEDs hat TCL nicht im Programm. 1 innerhalb von 3 Tagen 500 € unter UVPTabelle: Leia Marie Göbser / heise medienQuelle: Ulrike Kuhlmann / heise medien Für wen reichen die Geräte aus dem Vorjahr, und wer sollte für die bessere Bildqualität der brandneuen Modelle mehr Geld ausgeben? Für Sparfüchse lässt sich die Frage schnell beantworten: Das Vorjahresgerät reicht! Die Verbesserungen von einer Generation zur nächsten bemerkt man oft nur im direkten Vergleich. Wenn Sie also ein Gerät von 2025 im Wohnzimmer stehen haben, werden Sie den Unterschied zum 2026er-Modell kaum bemerken. Erfahrungsgemäß sieht man die Qualitätssprünge mit bloßem Auge erst nach mindestens zwei Generationen und manchmal auch erst nach der vierten. Wer die beste Bildqualität möchte und möglichst langen Support vom Hersteller, sollte auf die neuen Geräte warten. Support meint hier Ersatzteile, Firmware-Updates und Updates des jeweiligen Betriebssystems. Das bieten die Hersteller für zwei bis sieben Generationen an, wer also die neueste Generation kauft, bekommt länger neue Versionen eingespielt. Gerade im Bereich der Nachhaltigkeit hat sich dank neuer EU-Regeln für die Kunden einiges zum Guten gewendet. Aber: Auch wenn Sie sich für ein aktuelles Modell entscheiden, kaufen Sie besser nicht sofort, wenn die TVs in den Handel kommen. Die Preise fallen üblicherweise schon in den ersten Wochen. Üben Sie sich also in Geduld. Statistiken zeigen: Am günstigsten werden die Fernseher im Sommer. Da in diesem Jahr die Fußball-WM hinzukommt, dürften die Hersteller ziemlich sicher einige Angebote raushauen. Insbesondere große Bildschirme ab 75 Zoll, also 1,90 Meter Diagonale, dürften dann besonders preiswert zu haben sein.