Kanadische Gaspipeline wird für Exporte nach Asien ausgebaut

Datum25.04.2026 04:24

Quellewww.spiegel.de

TLDRKanada baut seine Westküsten-Gaspipeline für Milliarden Dollar aus, um mehr nach Asien zu exportieren. Diese "Strategie der Handelsdiversifizierung" soll die Handelsbeziehungen zu den USA ausgleichen und Kanadas Verhandlungsposition in Handelsabkommen stärken. Der Ausbau, der bis 2028 abgeschlossen sein soll, erhöht die Kapazität der Enbridge-Pipeline. Internationale LNG-Märkte werden kurzfristig nicht entlastet, aber Kanadas Lieferungen könnten geopolitisch vorteilhaft sein.

InhaltKanadas Energieriese Enbridge erweitert seine Erdgasleitungen für Milliarden Dollar. Dahinter steckt eine Doppelstrategie, die Trump im Handelsstreit unter Druck setzen soll. Die kanadische Regierung hat den Ausbau einer Erdgas-Pipeline an der Westküste für mehr Exporte nach Asien gebilligt. Der Ausbau der Pipeline mit mehreren Milliarden Dollar sei Teil von Kanadas "Strategie der Handelsdiversifizierung", erklärte das Ministerium für natürliche Ressourcen am Freitag in Ottawa. Laut Premierminister Mark Carney könnten mehr Exporte von Erdöl und Erdgas nach Asien der "Energie-Supermacht" Kanada dabei helfen, die sich verschlechternden Handelsbeziehungen zum Nachbarland USA auszugleichen. Die Pipeline könnte jedoch auch den Verkauf von Flüssiggas (LNG) an die USA erleichtern und damit Kanadas Position bei den bevorstehenden Verhandlungen mit der Regierung von US-Präsident Donald Trump über ein neues nordamerikanisches Handelsabkommen verbessern. Die Pipeline in der Provinz British Columbia, die dem kanadischen Energieriesen Enbridge gehört, soll ab dem Sommer für vier Milliarden kanadische Dollar (2,5 Milliarden Euro) ausgebaut werden. Die Gaspipelines von Enbridge erstrecken sich über 2900 Kilometer vom Nordosten British Columbias bis zur kanadisch-amerikanischen Grenze und haben derzeit eine Gesamtkapazität von 100 Millionen Kubikmetern pro Tag. Mit dem Ausbau soll sich die Kapazität um rund 8,5 Millionen Kubikmeter pro Tag erhöhen. Die Erweiterung beinhaltet den Bau neuer Pipelineabschnitte entlang des bestehenden Systems, zusätzliche Erdgasverdichtungskapazitäten sowie Modernisierungen und Umbauten bestehender Anlagen. Die Arbeiten sollen bis Ende 2028 abgeschlossen sei. Für den internationalen LNG-Markt, der durch den gegenwärtigen Krieg der USA und Israels gegen Iran stark unter Druck geraten ist, bedeutet das Projekt somit keine baldige Entlastung. Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) sind allerdings längerfristige Auswirkungen des Irankriegs auf die LNG-Versorgung zu befürchten. Kanada könnte damit punkten, dass seine Lieferungen fossiler Energieträger nach Asien nicht die Konfliktregion passieren müssen.