Datum25.04.2026 03:01
Quellewww.zeit.de
TLDREin Buckelwal vor Poel, "Timmy", soll gerettet werden. Behörden beanstanden das private Rettungskonzept, da Fragen offen sind. Eine Rinne soll den Wal zu einem Kahn leiten, der ihn Richtung Nordsee transportieren soll. Die Rettung ist für Sonntag oder Montag geplant. Die Überlebenschancen des geschwächten Wals sind offen, aber ein steigender Wasserstand könnte helfen. Zusätzliche Sandsäcke sollen eine weitere Strandung verhindern.
InhaltDas private Team, das den in der Ostsee gestrandeten Wal Timmy retten will, muss den Behörden weitere Fragen beantworten. Die Rettung ist für Sonntag oder Montag geplant. Die Helfer des vor der Ostseeinsel Poel gestrandeten Buckelwals stehen unter zunehmendem Druck. Die Behörden stimmten ihrem neuen Rettungskonzept für den Meeressäuger am Freitagabend nicht zu. Es seien noch immer einige Fragen zu beantworten, sagte ein Sprecher von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) der Nachrichtenagentur dpa. Die letzten offenen Punkte sollten nun möglichst am Samstag geklärt werden. Dem beauftragten Baggerunternehmer Fred Babbel zufolge soll heute auch die mehr als 100 Meter lange Rinne vom Liegeplatz des Wals zum tiefen Fahrwasser fertig werden. Möglichst am Sonntag oder Montag soll nach seinen Worten das rund zwölf Meter lange und zwölf Tonnen schwere Tier aus seiner Notlage befreit werden. Im Fahrwasser soll ein 50 mal 30 Meter großer, mit Wasser gefüllter Lastkahn warten, der den Meeressäuger – wenn alles gelingt – in Richtung Nordsee schippern wird. Ob das klappen kann, ist jedoch unklar. Die Tierärztin der privaten Rettungsinitiative, Kirsten Tönnies, räumte ein, dass der Transportkahn verspätet vor Poel eintreffen werde. Einen Zeitpunkt nannte sie nicht. Durch eine geöffnete Klappe am Heck soll das Tier entweder selbstständig in den Kahn schwimmen oder behutsam hineinbugsiert werden. "Notfalls müssen wir diese Hilfsmittel, diese weichen Schlingen, mit dazunehmen, vielleicht kriegen wir's auch so hin", sagte Tönnies. Den Wal mithilfe von Gurten zu bewegen, hatten die Behörden in der Vergangenheit als zu belastend für das Tier abgelehnt. Für die Bucht mit dem gestrandeten Wal wird für Sonntagmittag ein deutlich steigender Wasserstand vorhergesagt. Die Situation werde ähnlich sein wie am Montag, als das Tier nach rund drei Wochen Liegezeit von selbst losschwamm, sagte Backhaus. "Es kann auch genauso gut sein, dass der Wal sich wieder losmacht." Um zu verhindern, dass er sich dann noch weiter in das Flachwassergebiet hineinbewegt, sollen hinter ihm große Sandsäcke, sogenannte Big Bags, als Barriere im Wasser platziert werden. Zwei Lkw-Ladungen wurden am Freitag in den Hafen von Kirchdorf auf Poel geliefert. Nach rund drei Wochen an derselben Stelle in der Kirchsee – einem Teil der Wismarbucht – war der Wal Anfang der Woche nach einem Anstieg des Wasserpegels freigekommen und losgeschwommen. Wenig später saß er wieder fest am Übergang der Kirchsee zum Rest der Wismarbucht, durch die der Weg in die Ostsee führen würde. Inzwischen ist das Tier insgesamt fünf- bis sechsmal gestrandet, wenn man seine Bewegungen am Montag berücksichtige, sagte Backhaus. Ob der Buckelwal die Rettungsversuche überlebt, ist offen. Experten zufolge ist er stark geschwächt. Backhaus hatte auf Anraten von Experten zunächst entschieden, dass eine Rettung aussichtslos sei. Nach massiven Protesten erlaubte er jedoch einer privaten Rettungsinitiative, Versuche zu unternehmen. Das Vorhaben ist umstritten.