Kyjiw entlässt Kommandeure – sie sollen Lageberichte geschönt haben

Datum24.04.2026 14:21

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer ukrainische Generalstab hat zwei Kommandeure wegen der Verschleierung der Lage und verfälschter Berichte aus dem Frontgebiet bei Kupjansk entlassen. Stellungen gingen verloren und die Versorgung der Soldaten war mangelhaft. Diese Maßnahme folgt auf Berichte über hungernde Soldaten, die durch Luftangriffe auf die Versorgungslinien erschwert wird. Die Ermittlung gegen die entlassenen Offiziere laufen.

InhaltHungernde Soldaten, verlorene Stellungen – doch offiziell erschien die Lage besser. Zwei Kommendeure sollen Lageberichte aus dem hart umkämpften Osten der Ukraine gefälscht haben. Nun reagiert der Generalstab. Der ukrainische Generalstab in Kyjiw hat zwei hochrangige Offiziere wegen verfälschter Lageberichte aus dem Frontgebiet in der Region Charkiw ihres Postens enthoben. Das bisherige Kommando habe "die reale Lage verschleiert, eine Reihe von Stellungen ging verloren und es wurden Fehler bei der Versorgung von Soldaten begangen", teilte der Generalstab in sozialen Netzwerken mit. Ausgewechselt wurde neben dem Kommandeur der 14. mechanisierten Sonderbrigade auch der Chef des übergeordneten 10. Armeekorps. Den Angaben zufolge handelt es sich um Frontabschnitte östlich des Flusses Oskil bei der Stadt Kupjansk. Mit Booten und Transportdrohnen werde dort die Versorgung der ukrainischen Einheiten sichergestellt, die durch "systematische Luft- und Raketenangriffe des Gegners" auf die Flussübergänge erschwert sei. Gegen die ehemalige Führung der 14. Sonderbrigade seien dienstliche Ermittlungen eingeleitet worden. Tags zuvor hatte die Tochter eines Militärangehörigen mit der Veröffentlichung von Bildern ausgemergelter Soldaten auf die erschwerte Versorgungslage aufmerksam gemacht. "Die Jungs sind ohne Essen und Wasser! Die Kämpfer werden vor Hunger ohnmächtig, trinken Regenwasser", schrieb sie bei Threads. Das Verteidigungsministerium in Kyjiw reagierte umgehend. Das Gebiet um die Städte Kupjansk und der über den Oskil liegenden Nachbarstadt Kupjansk-Wuslowyj ist seit Monaten hart umkämpft. Der Kreml hatte bereits die Eroberung von Kupjansk für sich beansprucht, was unter anderem durch Aufnahmen von Präsident Wolodymyr Selenskyj am Ortseingang widerlegt wurde. Immer wieder zurückgewiesen wurde auch die Moskauer Behauptung, dass ukrainische Truppenteile auf dem Ostufer des Oskil faktisch eingeschlossen seien und nicht mehr versorgt werden könnten. Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen die russische Invasion.