Klimaschutz: Fridays for Future wirft Katherina Reiche Kungelei mit Gaslobby vor

Datum24.04.2026 08:48

Quellewww.zeit.de

TLDRFridays for Future kritisiert Wirtschaftsministerin Reiche scharf wegen angeblicher Nähe zur Gaslobby und einer "Umverteilung in die Hände fossiler Großkonzerne". Die Klimaschützer werfen ihr vor, den Ausbau erneuerbarer Energien zu behindern, während sie den Bau neuer Gaskraftwerke staatlich fördern lässt. Bundesweit sind Protestaktionen mit Tausenden Teilnehmern geplant, um gegen diese Energiepolitik zu demonstrieren. Reiche verteidigt ihre Pläne und betont die Notwendigkeit von Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit für die Energiewende.

InhaltDie Klimaschützer kritisieren die Energiepolitik der Wirtschaftsministerin als "Umverteilung in die Hände fossiler Großkonzerne". Bundesweit sind Protestaktionen geplant. Die Klimaschutzbewegung Fridays for Future hat Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) im Vorfeld bundesweit geplanter Protestaktionen Vetternwirtschaft mit der Gasindustrie vorgeworfen. "Sie betreibt als Personalunion von Bundesregierung und Gaslobby mit Vollgas eine Umverteilung in die Hände fossiler Großkonzerne", sagte die Aktivistin Carla Reemtsma gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Dabei seien der gesellschaftliche Wille und die Lösungen für einen schnellen Ausbau von sauberen Erneuerbaren und einer Abkehr vom "dreckigen Gas" längst da. Mit einem bundesweiten Aktionstag demonstriert Fridays for Future an diesem Freitag gegen die Klima- und Energiepolitik der Bundesregierung. An rund 60 Orten in ganz Deutschland soll es Aktionen geben, etwa vor Rathäusern und den Parteibüros der Regierungsparteien CDU und SPD. Nach eigenen Angaben der Bewegung werden bundesweit mehrere Tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet. Unter den geplanten Rednerinnen und Rednern ist auch die Aktivistin Luisa Neubauer. In Berlin soll eine Demonstration am Nachmittag von der CDU-Zentrale, dem Konrad-Adenauer-Haus am Tiergarten, bis zum frühen Abend zur Bundeszentrale der SPD, dem Willy-Brandt-Haus in Kreuzberg, führen. Dort soll jeweils Reiches "lange fossile Rechnung, die wir alle bezahlen müssen" auf einem 14 Meter langen Banner mit Entscheidungen, die aus Sicht der Klimaschützer kritikwürdig sind, entrollt werden. Das Wirtschaftsministerium von Reiche hatte in dieser Woche mehrere zentrale Reformvorhaben der Energiepolitik in die regierungsinterne Abstimmung gegeben. Mit einem Netzpaket strebt Reiche unter anderem an, den Zubau von Wind- und Solaranlagen besser an den hinterherhinkenden Netzausbau anzupassen. Der Bau neuer Gaskraftwerke soll staatlich gefördert werden und im Zuge des schrittweisen Kohleausstiegs die Versorgungssicherheit mit Strom gewährleisten. Die Gaskraftwerke sollen dann als Backups für erneuerbare Energien zur Stromerzeugung einspringen können in Phasen von wenig Sonne und Wind. Kritiker werfen Reiche vor, mit ihren Plänen den Ausbau der erneuerbaren Energien auszubremsen. Auch die Koalitionspartnerin SPD hat bereits Vorbehalte deutlich gemacht. Erst am vergangenen Samstag hatten mehrere Zehntausend Menschen bundesweit gegen diese Energiepolitik protestiert. Zuvor hatte ein Bündnis aus Umweltorganisationen, darunter Greenpeace, der WWF und Fridays for Future, zum Protest aufgerufen. Reiche verteidigte ihre umstrittenen Pläne für Reformen bei der Energiewende. "Gerade im Energiebereich haben wir jetzt die Chance zu zeigen, dass wir es mit echten strukturellen Reformen ernst meinen", sagte die CDU-Politikerin. "Wenn uns das gelingt, wird Energiepolitik wieder zu dem, was sie sein muss: ein verlässliches Fundament für Wachstum, Innovation und industrielle Stärke in Deutschland." Der Ausbau der erneuerbaren Energien müsse ökonomisch effizient erfolgen, so Reiche. Klimaschutz ohne Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit sei politisch und wirtschaftlich nicht tragfähig. "Wir brauchen keine Überkapazitäten, die subventioniert ins Ausland exportiert werden, während im Inland die Preise steigen."