Datum24.04.2026 08:02
Quellewww.zeit.de
TLDRJoschka Fischer blickt in einer Sonderfolge des Podcasts "Alles gesagt?" auf seine politische Karriere zurück. Vom Taxifahrer und Sponti zum bekannten "Turnschuh-Minister" und Vizekanzler, prägte er die deutsche Politik maßgeblich. Fischer thematisiert seine Skepsis gegenüber Autoritäten, den aufkommenden Nationalismus und die Notwendigkeit deutscher Machtpolitik in einer neuen Weltordnung. Er erläutert sein frühes Misstrauen gegenüber Putin und spricht über Herausforderungen für Europa.
InhaltIm Taxi wurde er zum politischen Realisten, in Turnschuhen zum Umweltminister. Joschka Fischer hat die deutsche Politik geprägt. Heute blickt er mit Skepsis auf die Welt. Er wurde weltweit bekannt als der "Turnschuh-Minister" und prägte als Vizekanzler und Außenminister die deutsche Politik. Jetzt ist Joschka Fischer zu Gast in einer Sonderfolge des unendlichen Podcasts "Alles gesagt?" – (Fast) "Alles gesagt?", live aufgenommen im Rahmen des 80. Geburtstags der ZEIT im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Im Gespräch blickt Fischer auf die "schönste Tellerwäscher-Vita der deutschen Nachkriegspolitik" (Süddeutsche Zeitung) zurück – vom Sponti und Taxifahrer bis ins Auswärtige Amt. Er berichtet von den Straßenschlachten in Frankfurt, seiner grundsätzlichen Skepsis gegenüber Autoritäten und dem Moment, als er den USA ein deutliches "I’m not convinced" entgegenhielt. Fischer analysiert die heutige Gefahr durch den erstarkenden Nationalismus und erklärt, warum Deutschland angesichts einer neuen Weltordnung wieder lernen muss, Machtpolitik zu betreiben. Außerdem erzählt er, warum er heute skeptischer auf die Welt blickt als früher und warum er dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, anders als sein damaliger Kanzler Gerhard Schröder, schon früh misstraute. Er spricht über seine emotionale Bindung zu Ungarn, seine Zeit als "letzter Rock ›n‹ Roller" der Politik und sein im Mai 2026 erscheinendes Buch Wer sind wir?, in dem er die Führungsfrage für Europa stellt. Josef Martin Fischer wurde 1948 in Gerabronn geboren. Seine Eltern kamen als Heimatvertriebene aus Ungarn nach Deutschland; der Familie gehörte eine Metzgerei. Die Schule brach er vorzeitig ab, da er das starre System und Lehrer ohne echte Autorität verachtete. Nach Jahren als Taxifahrer in Frankfurt, in denen er nach eigenen Worten zum politischen Realisten wurde, wurde er 1985 in weißen Nikes – die heute im Ledermuseum in Offenbach stehen – als erster grüner Umweltminister Hessens vereidigt. Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an allesgesagt@zeit.de.