Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Persische Restaurants in Hamburg – schön und traurig zugleich

Datum24.04.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDer Hamburger Marathon und diverse Straßensperrungen prägen das Wochenende. Die Elbphilharmonie wird international als Symbol für schwindende Kontroversen gewürdigt. Das neue persische Restaurant "Alma Vera" in Eppendorf bietet ambitionierte Küche und eine herzliche Atmosphäre. Ein Einbrecher wurde mit Souvenirs im Wert von 1.300 Euro festgenommen. Ein Urteil wird im Fall eines Tötungsdelikts in Altona erwartet. Ein Pacemaker teilt seine Erfahrungen beim bevorstehenden Hamburg-Marathon.

InhaltDie Elbvertiefung am Freitag – mit etlichen Straßensperrungen, einem Mann, der beim Hamburg-Marathon das Tempo vorgibt und der absurden Verschwörung um Timmy, dem Wal es gibt in Hamburg laut Branchenbuch 15 persische Restaurants; und sicher kommen in den nächsten Jahren noch ein paar hinzu. Das ist schön und zugleich traurig, denn die meisten Betreiber sind bestimmt nicht bei uns und in der Branche, weil das schon immer ihr Traum war. Das Alma Vera steht noch gar nicht auf dieser Liste. Es hat Anfang März eröffnet, als der Krieg gegen den Iran gerade in vollem Gang war. Ein ambitioniertes Lokal in prominenter Lage, nur ein paar Schritte vom Eppendorfer Marktplatz entfernt. Das Persien, das einem hier auf den Tellern begegnet, ist ein gesegnetes Land. Da scheint alles zu gedeihen: Granatäpfel und Walnüsse, Sauerkirschen und Berberitzen, Safran und Pistazien, Trauben und Oliven. Bei manchem der teils blumig benannten Gerichte ("Hähnchen im Sonnenuntergang") hatte ich den Eindruck, dass die Küche aromatisch fast zu sehr aus dem Vollen schöpft. Aber das ist allemal interessanter als die übervorsichtige Würzung, die man von den meisten der hiesigen orientalischen Gaststätten kennt. Und obwohl man die Zutaten aus den Mittelmeerküchen kennt, sind sie hier doch so kombiniert, dass ganz neue Speisen entstehen – beim Lammragout mit sieben Kräutern und Kidneybohnen oder beim Tachin, der keine nordafrikanische Tajine ist, sondern ein üppig geschmückter Knusperkuchen aus Safranreis, gefüllt mit Aubergine und Hühnerfleisch. Das Alma Vera ist ein Projekt von Quereinsteigern. Die Chefin war früher Journalistin, die beiden Kinder studieren und helfen, wie der Ehemann, für den Anfang im Service mit. Das erklärt, warum hier noch nicht alles wie am Schnürchen läuft. Es schafft aber auch eine Wärme, in der man sich wohlfühlen kann. Und so wenig ein Restaurantbesuch zur Weltverbesserung taugt – er ist kein übler Weg, sich einem Land zu nähern, das so bald wohl kaum ein Deutscher mehr besuchen kann. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Michael Allmaier PS: Heute erscheint keine neue Folge unseres Podcasts – Sie werden bald auf andere Weise mehr vom Team der Elbvertiefung sehen und hören. Wie und wo, erfahren Sie hier in diesem Newsletter. Und so viel heute schon: Das nächste Mal können wir uns auf der Langen Nacht der ZEIT begegnen – am 6. Juni auf dem Campus der Uni Hamburg. Unser Podcast-Archiv finden Sie weiterhin hier auf zeit.de. Am Wochenende kommt es in Hamburg zu mehreren Straßensperrungen. Neben dem Abriss der Berlinertordammbrücke sind mehrere Demos angemeldet, am Freitag etwa protestiert Fridays for Future. Am Sonntag steht der Haspa-Marathon an, bereits am Samstag gibt es mehrere Läufe für Kinder und Jugendliche. Zudem spielt der HSV am Samstag im Volksparkstadion gegen die TSG Hoffenheim und nebenan steigt in der Barclays Arena eine Schlagernacht. In einem Ranking der Tageszeitung "New York Times" zu den umstrittensten Gebäuden der Welt ist die Elbphilharmonie auf Platz 8 gelandet – allerdings aufgrund eines positiven Effektes. Das Konzerthaus spiegele wider, "wie Kontroversen mit der Zeit an Bedeutung verlieren", sagte die Architektin Toshiko Mori mit Blick auf heftige Debatten während der fast zehnjährigen Bauzeit. "Ich fand’s eine lustige Liste", kommentierte gestern Intendant Christoph Lieben-Seutter. "Gut, dass über die Elbphilharmonie geredet wird!" Und apropos Elbphilharmonie: Im kommenden Januar feiert sie ihr zehnjähriges Bestehen. Die neue Spielzeit steht aber zunächst im Zeichen eines anderen Jubiläums: Anlässlich des 250. Jahrestags der USA kommen sieben amerikanische Orchester für Konzerte nach Hamburg. Zudem stehen Werke des US-Komponisten John Adams und seiner Kollegin Missy Mazzoli auf dem Programm, mehrere Banjo-Abende mit Rhiannon Giddens und Jazz von John und Alice Coltrane. In einem Post auf seinem X-Account hat der frühere US-Präsident Barack Obama das Engagement der Aktivistin Luisa Neubauer für den Klimaschutz gelobt. Die 30-jährige gebürtige Hamburgerin gehöre zu den jungen Leuten, die ihm Hoffnung gäben. Neubauer hatte 2020 das Leaders Program der Obama-Stiftung absolviert. Mit mehr als 300 Souvenirs im Wert von fast 1.300 Euro – darunter Feuerzeuge, Rucksäcke und Sonnenbrillen – hat die Polizei einen alkoholisierten Einbrecher am Hauptbahnhof festgenommen. Der 39-Jährige ist schon wegen Eigentumsdelikten bekannt. Eineinhalb Jahre nach dem Fund einer toten Frau in Altona wird das Hamburger Landgericht heute das Urteil für ihren ehemaligen Lebensgefährten verkünden – wir berichteten über den Prozess (Z+). Der 37-Jährige soll die Frau im November 2024 im Streit getötet haben. Ihre Leiche war erst zwei Wochen später in ihrer Wohnung gefunden worden, Nachbarn hatten einen unangenehmen Geruch bemerkt und die Polizei gerufen. Das Landgericht hatte ihm zu Beginn seines Prozesses eine Höchststrafe von achteinhalb Jahren in Aussicht gestellt, falls er umfassend gestehen würde. Die Staatsanwältin hat in ihrem Plädoyer elfeinhalb Jahre Gefängnis für den Mann verlangt. Elke Spanner Am Sonntag laufen in Hamburg wieder mehr als 20.000 Menschen beim Marathon durch die Stadt. Mit dabei ist Michael Strelow – als Tempoläufer. Im Interview erzählt Strelow, was er dabei können muss – und wie er andere motiviert, weiterzulaufen. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Interview von ZEIT-Autor Söhnke Callsen: Hauptsache, durchkommen! Das ist das Motto für viele Läuferinnen und Läufer am Sonntag beim Hamburg-Marathon. Michael Strelow hilft anderen, nicht aufzugeben und in einer bestimmten Zeit ins Ziel zu kommen. Der 51-Jährige ist einer der offiziellen Pacemaker, auch Tempoläufer genannt. Er hat rund 40 Marathons absolviert und weiß genau, worauf es ankommt. DIE ZEIT: Herr Strelow, wie erkennt man Sie am Sonntag beim Hamburg-Marathon? Michael Strelow: Ich habe einen Rucksack auf dem Rücken, mit einer riesigen Fahne dran. Darauf stehen die Zahlen: 05:00. Wer mit mir die Strecke läuft, kann sich darauf verlassen, dass er den Marathon in knapp unter fünf Stunden läuft. Außerdem wird man mich vermutlich an dem großen Pulk von Läufern erkennen, die mit mir laufen. ZEIT: Wie kriegen Sie es hin, exakt in der vorgegebenen Zeit ins Ziel zu kommen? Strelow: Ich bin ungefähr 40 Marathons gelaufen, auch einige Ultraläufe von 100 bis 150 Kilometern. Ich habe das Tempo inzwischen im Gefühl. Zur Kontrolle habe ich aber meine Laufuhr dabei, die die Geschwindigkeit misst. Da ich normalerweise etwas schneller laufe, muss ich mich als Pacemaker eher bremsen. Das fällt besonders beim Hamburg-Marathon auf den letzten Kilometern Richtung Ziel schwer, wenn man von den Zuschauern noch mal richtig gepusht wird. ZEIT: Einen Marathon zu laufen, ist ja schon anstrengend genug. Warum machen Sie sich noch den Stress, das Tempo vorzugeben? Strelow: Ich mag es, Menschen dabei zu unterstützen, ihre Ziele zu erreichen. Besonders die Stimmung im hinteren Bereich des Teilnehmerfeldes ist toll. Da sind zum Beispiel Leute, die zum ersten Mal einen Marathon laufen, oder Ältere, die sich nichts mehr beweisen müssen. Auch Menschen, die sich nach einer Verletzung zurückgekämpft haben. Dieser Mix ist einzigartig. ZEIT: Und was bekommen Sie für Ihren Job als Pacemaker? Strelow: Wir bekommen das Startgeld bezahlt, machen das ansonsten aber ehrenamtlich. Für mich ist die Dankbarkeit der Läuferinnen und Läufer das Schönste. Oft fallen einem die Leute im Ziel in die Arme und sagen: Ohne dich hätte ich das nie geschafft! Das Tempo vorzugeben, ist nur eine von vielen Aufgaben als Pacemaker. Man ist Animateur, Coach oder manchmal auch ein bisschen Psychologe. Welche Herausforderungen einem als Pacemaker begegnen, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung des Interviews. → Zum Artikel (Z+) Ein Rechtsextremist, ein Esoteriker und ein Ex-Rocker mit einer besonderen "Aura" sollen nun den Wal retten. Und die Politik duldet das. Wie konnte es so weit kommen? Dieser Frage gehen Tom Kroll und Christoph Heinemann nach. → Zum Artikel (Z+) Wie konnte das Preppen zu einem Massenphänomen werden? Und wie verhält es sich zu den Notvorrats-Empfehlungen der Behörden? Diesen und weiteren Fragen widmen sich Julian Genner, Kulturwissenschaftler der Uni Basel und Mischa Luy, Sozialwissenschaftler aus Berlin, im Gespräch mit Jürgen Staub bei der Diskussionsveranstaltung "Vor der Apokalypse? – Preppen in der Mitte der Gesellschaft" am Hamburger Institut für Sozialforschung am kommenden Montag. "Vor der Apokalypse? – Preppen in der Mitte der Gesellschaft", 27.4., 19 Uhr; Hamburger Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36 Touristen bummeln in aller Herrgottsfrühe über den Fischmarkt und beißen beherzt in ihre norddeutschen Brötchen; einer von ihnen stellt überrascht fest: "Die Remoulade hier oben schmeckt irgendwie anders, frischer!" Gehört von Katja Zickur Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.