Sonderausstellung: Germanische Moorfunde aus dem Norden in Kalkriese zu sehen

Datum24.04.2026 04:30

Quellewww.zeit.de

TLDRDas Varusschlacht-Museum in Kalkriese zeigt bis November 2027 „Verlorene Krieger - Germanen zwischen Macht & Mythos“. Die Sonderausstellung präsentiert rund 1.200 germanische Waffen, Alltagsgegenstände und Textilien aus dem 2. bis 5. Jahrhundert, darunter Funde aus dem Thorsberger und Nydamer Moor. Diese Objekte, erstmals außerhalb Schleswig-Holsteins ausgestellt, geben Einblicke in germanische Rituale und den Einfluss des Römischen Reiches.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Sonderausstellung“. Lesen Sie jetzt „Germanische Moorfunde aus dem Norden in Kalkriese zu sehen“. Speere, Schwerter, Schilde, aber auch germanische Alltagsgegenstände - rund 1.200 Objekte aus der Zeit zwischen dem 2. und 5. Jahrhundert zeigt von diesem Wochenende an das Museum zur historischen Varusschlacht zwischen Römern und Germanen in Kalkriese bei Osnabrück.  Die Exponate der Sonderausstellung "Verlorene Krieger - Germanen zwischen Macht & Mythos" stammen aus dem Landesmuseum für Archäologie auf Schloss Gottorf in Schleswig-Holstein, das derzeit wegen Sanierungsarbeiten geschlossen ist. Erstmals seien sie außerhalb Schleswig-Holsteins zu sehen, hieß es. Die Sonderausstellung läuft bis zum 7. November 2027. Die Objekte stammen aus dem Thorsberger und Nydamer Moor, die heute im Grenzgebiet von Deutschland und Dänemark liegen. Mitte des 19. Jahrhunderts erforschte der dänische Altertumsforscher Conrad Engelhardt, der damals als Lehrer in Flensburg arbeitete, die Moore. Dort habe er zahlreiche Waffen und Ausrüstungsteile entdeckt, sagte der Geschäftsführer des Varusschlacht-Museums, Stefan Burmeister. Engelhardt habe schon früh erkannt, dass die dort entdeckten Objekte nicht zufällig dorthin gelangt waren. Er sei überzeugt gewesen, dass sie bewusst zerstört und in damalige Seen - den heutigen Mooren - versenkt wurden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Zentrums für Baltische und Skandinavische Archäologie in Schleswig (heute Leibniz-Zentrum für Archäologie, Standort Schleswig) haben sich mit den Funden Engelhardts befasst und analysiert. Zum Beispiel wurden zwei Dutzend Pferdegeschirre gefunden, die allerdings nicht intakt waren, sondern in kleine Teile gehackt. Das sei nicht in blinder Wut geschehen, sondern gezielt und nach festen Mustern, sagte Burmeister. Wahrscheinlich habe es sich um rituelle Handlungen gehandelt. Die germanischen Krieger trugen nicht nur einheimische Ausrüstung, sondern auch Stücke aus dem römischen Reich. Das konnten originale Ausrüstungsstücke sein, aber auch Nachahmungen. Ein berühmtes Beispiel dafür ist die "Thorsberger Maske". Eine solche Maske sei für die germanische Welt einzigartig, hieß es. Ihre Vorbilder seien die Parademasken der römischen Armee. Aber zu erkennen sei eben auch, dass es keine römischen Masken sind, sondern Nachahmungen der Germanen, erklärte Burmeister. Thorsberg ist ein Hochmoor, Nydam ein Niedermoor - das habe Einfluss darauf gehabt, welche Gegenstände erhalten wurden und welche nicht, erläuterte Burmeister. In Thorsberg fanden sich Buntmetalle, aber kein Eisen. In Nydam wurden Holz- und Eisenobjekte gefunden. Auch Textilien wurden erhalten: Eine germanische Reiterhose und eine germanische Tunika (Hemd), beide sind etwa 1.500 Jahre alt. Eine andere Vitrine zeigt Pfeil und Bogen, daneben sind zwei große Holzschilde und unterschiedliche Schwertgriffe zu sehen. Auch persönliche Dinge wie Armreifen und Fingerringe blieben erhalten.  Da es keine schriftlichen Überlieferungen von den Germanen selbst gibt, kann man über die Hintergründe der Funde nur mutmaßen. Die Forscher gehen davon aus, dass die niedergelegten Objekte besiegten Germanen gehörten. Warum die Sieger - die wahrscheinlich an den beiden Fundorten lebten - die Gegenstände systematisch zerstörten und in die Seen warfen, gibt noch Rätsel auf. Denkbar, dass es rituelle Handlungen waren, etwa als symbolische Entmachtung der Krieger. "Das sind Reichtümer, das sind große Werte - warum schmeißt der Sieger das einfach alles weg?", fragte Burmeister. © dpa-infocom, dpa:260424-930-986113/1