Datum24.04.2026 04:30
Quellewww.zeit.de
TLDRAnlässlich des 40. Jahrestags von Tschernobyl fordert das Bündnis "Stopp Cattenom" die Stilllegung des französischen Atomkraftwerks Cattenom nahe der Grenze. Befürchtet wird ein unkalkulierbares Risiko, ähnlich wie bei Tschernobyl. Das AKW, das bald seine geplante 40-jährige Laufzeit erreicht hat, weist Risse und zunehmende Störfälle auf. Frankreich erlaubt zwar eine Laufzeitverlängerung auf 50 Jahre unter Auflagen, doch wird eine besondere Sicherheitsüberprüfung für den Weiterbetrieb über 40 Jahre hinaus für notwendig erachtet.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Atomkraft“. Lesen Sie jetzt „40 Jahre Tschernobyl - "Cattenom gehört endlich stillgelegt"“. Anlässlich des 40. Jahrestags der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl fordert das Bündnis "Stopp Cattenom" die Stilllegung des französischen Atomkraftwerks Cattenom. Der geplante Weiterbetrieb des Meilers nahe der deutschen Grenze drohe "ein ähnliches, unkalkulierbares Risiko für die Großregion zu werden", teilte das Aktionsbündnis mit. "Cattenom gehört endlich stillgelegt", sagte Marianne Rummel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Rheinland-Pfalz, der das Bündnis unterstützt. Am Samstag ist in Trier (11.00 Uhr) eine Mahnwache geplant. Das AKW in Cattenom ist seit 1986 am Netz. Wer an Tschernobyl erinnere, dürfe vor Cattenom nicht die Augen verschließen, sagte Markus Pflüger vom Antiatomnetz Trier. Die vier Reaktoren in Cattenom erreichten bald ihre maximale geplante Lebensdauer von 40 Jahren. "Die Anlage ist von Rissen und zunehmenden Störfällen gezeichnet." Die künftige Landesregierung müsse alles in ihrer Macht Stehende tun, um den Weiterbetrieb von Cattenom zu verhindern, forderte "Stopp Cattenom". Eine begleitende Online-Petition werde von einem Bündnis aus 44 Organisationen getragen: 22 aus Deutschland, 14 aus Frankreich, 7 aus Luxemburg und 1 aus Belgien. Nach nur wenigen Wochen zähle sie knapp 8.000 Unterschriften. Frankreichs Atomaufsicht hatte im vergangenen Jahr eine Verlängerung der Laufzeit von Reaktoren, wie sie im AKW Cattenom installiert sind, über 40 Jahre hinaus bis auf 50 Jahre erlaubt. Gekoppelt ist diese Erlaubnis aber an Verbesserungen bei der Sicherheit. Bei den betroffenen Reaktoren handelt es sich um die sogenannte 1.300-MW-Baureihe der französischen Atomkraftwerke, die hauptsächlich in den 1980er Jahren in Betrieb gingen. Einige davon erreichen demnächst eine Betriebslaufzeit von 40 Jahren. In Frankreich ist alle zehn Jahre eine periodische Sicherheitsüberprüfung der Meiler vorgeschrieben, um ihren weiteren Betrieb zu überprüfen. Die vierte regelmäßige Überprüfung ist laut Atomaufsicht von besonderer Bedeutung, da bei der Auslegung der Reaktoren von einer Betriebsdauer von 40 Jahren ausgegangen worden sei. Ein Weiterbetrieb über diesen Zeitraum hinaus erfordere eine Aktualisierung der Konzeption oder einen Austausch von Materialien. Diese vierte Überprüfung steht für den ältesten Reaktor in Cattenom 2027 an, für die übrigen dann 2028, 2031 und 2033. Anders als Deutschland setzt Frankreich für seine Energieversorgung und das Erreichen von Klimaschutzzielen weiter auf den Ausbau der Atomkraft. Die Inbetriebnahme eines ersten von zunächst geplanten sechs neuen Reaktoren wird für 2038 angestrebt. Frankreich liegt mit aktuell 57 Reaktoren hinter den USA auf Platz zwei der größten Produzenten von Atomstrom weltweit. © dpa-infocom, dpa:260424-930-986089/1