Biennale von Venedig: Weil Russland zurückkehrt, streicht EU einen Millionenzuschuss

Datum23.04.2026 17:25

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie EU streicht einen 2-Millionen-Euro-Zuschuss für die Biennale Venedig, da Russland nach 2019 wieder zugelassen wird. EU-Chefdiplomatin Kallas bezeichnet die Rückkehr Russlands als moralisch falsch. Die Biennale begründet die Zulassung mit dem Fehlen einer Ausschlussbefugnis und betont die Ablehnung von Zensur. Russland hatte die beiden vorherigen Biennalen aus Protest nicht genutzt.

InhaltRussland soll bei der Kunstbiennale von Venedig wieder willkommen sein. Das sei moralisch falsch, sagte Europas Chefdiplomatin Kallas. Die Folge: Ein Zuschuss von zwei Millionen Euro soll eingefroren werden. Die EU  streicht einen Zuschuss in Höhe von 2 Millionen Euro für die Kunstbiennale von Venedig, weil Russland an der am 9. Mai eröffnenden 61. Ausstellung für zeitgenössische Kunst teilnehmen darf. Das gab die Kommission am Donnerstag bekannt. Die Europäische Kommission hat die Stiftung der Biennale in einem Brief über den Förderentzug informiert. Die Biennale hat nun 30 Tage Zeit, ihre Entscheidung zu verteidigen, Russland erstmals seit dem Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 wieder zuzulassen, wie Sprecher Thomas Regnier am Donnerstag erklärte. Die Kommission hatte ihre Absicht dazu bereits zuvor angekündigt. "Russlands Rückkehr zur Biennale von Venedig ist moralisch falsch, und die EU beabsichtigt, ihre Finanzierung zu kürzen", hatte Chefdiplomatin Kaja Kallas am Dienstag nach einem EU-Außenministertreffen in Luxemburg gesagt. Während Russland Museen bombardiere, Kirchen zerstöre und versuche, die ukrainische Kultur auszuradieren, dürfe es nicht zugelassen werden, dass es seine eigene Kultur ausstelle. Bei den beiden vorigen Biennalen wurde der russische Pavillon von Russland nicht genutzt: 2022 zogen sich die vorgesehenen Künstler aus Protest gegen den Angriff auf das Nachbarland kurzfristig zurück. 2024 überließ Moskau das Gebäude Bolivien. Zuletzt hatte Russland 2019 an der Internationalen Kunstausstellung teilgenommen. Die Biennale erklärte in einer Stellungnahme, sie sei "nicht befugt, ein Land von der Teilnahme auszuschließen. Jedes von der Italienischen Republik anerkannte Land kann eine Teilnahme beantragen." Da Russland den 1914 in den historischen Giardini errichteten Pavillon besitzt, musste es lediglich eine Teilnahmeankündigung einreichen, so die Biennale. "La Biennale di Venezia lehnt jede Form des Ausschlusses oder der Zensur von Kultur und Kunst ab. Die Biennale ist – wie die Stadt Venedig – ein Ort des Dialogs, der Offenheit und der künstlerischen Freiheit, der Verbindungen zwischen Völkern und Kulturen fördert, in der beständigen Hoffnung auf ein Ende der Konflikte und des Leids", heißt es in der Erklärung der Biennale. Die zeitgenössische Kunstausstellung der Biennale ist die älteste und bedeutendste der Welt. Sie umfasst eine Hauptausstellung sowie nationale Pavillons, die von den teilnehmenden Ländern eigenständig bespielt werden. An dieser Ausgabe beteiligen sich 99 Nationen mit nationalen Pavillons, davon 29 in den Giardini und die übrigen im Arsenale sowie an verschiedenen Orten in der Stadt. Die Biennale hat in der Vergangenheit bereits Druck zurückgewiesen, Länder wie Iran oder Israel von der Teilnahme auszuschließen.