Datum23.04.2026 16:14
Quellewww.spiegel.de
TLDRUnbekannte sollen den französischen Wetterdienst und eine Wettplattform manipuliert haben, um Zehntausende Dollar zu gewinnen. Es wird vermutet, dass Wetterstationen am Flughafen Charles de Gaulle, deren Daten auch für Online-Wetten genutzt werden, mit einem Föhn kurzzeitig erwärmt wurden. Dies führte zu ungewöhnlichen Temperaturschwankungen, die zu hohen Gewinnen führten. Der französische Wetterdienst Météo-France hat Anzeige erstattet.
InhaltIn Paris haben Unbekannte womöglich den Wetterdienst ausgetrickst: Innerhalb weniger Minuten sind die Temperaturen rasant angestiegen, sanken dann schnell wieder – und Wettaccounts machten Zehntausende Dollar Gewinn. Im Internet kann man so ziemlich auf alles wetten. Wie lang hält der Waffenstillstand zwischen den USA und Iran? Wer gewinnt die Champions League? Oder eben: Was wird heute die höchste Temperatur in Paris? Unbekannte haben im April offenbar Zehntausende Dollar mit Wetten auf ungewöhnliche Temperaturschwankungen in der französischen Hauptstadt gewonnen. Womöglich ging es dabei aber nicht mit rechten Dingen zu. Der französische Wetterdienst hegt den Verdacht, dass Unbekannte die Wettersensoren am Flughafen Charles de Gaulle manipuliert haben könnten. Unter anderem die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet nun, der Wetterdienst habe Anzeige bei der Polizei gestellt. Die Werte der Messstation am Flughafen Charles de Gaulle sind den Berichten zufolge wichtig für den Betrieb des Flughafens. Laut der Wettplattform Polymarket verwendete sie die Daten aber auch für Wetten auf die Höchsttemperatur des Tages. Am 6. April etwa wettete ein Account auf Polymarket weniger als 30 Dollar darauf, dass die Temperatur in Paris an dem Tag 21 Grad Celsius erreichen würde. Die Gewinnwahrscheinlichkeit soll den Berichten zufolge zu dem Zeitpunkt bei 0,2 Prozent gelegen haben. Am Abend stiegen die Temperaturen an der Messstation dann unerwartet um vier bis fünf Grad an. Der Account gewann 13.990 Dollar. Und am 15. April wettete ein Account 119 Dollar darauf, dass die Temperatur in Paris an diesem Tag 18 Grad überschreiten würde. Die Gewinnwahrscheinlichkeit zu dem Zeitpunkt: 0,5 Prozent. Am späten Nachmittag sollen die Temperaturen von 18,8 Grad auf 16,9 Grad gesunken sein. Dann, so sollen es Daten der Wetterstation am Flughafen Charles de Gaulle zeigen, stiegen die Temperaturen innerhalb von zwölf Minuten auf 21,9 Grad und sanken zügig wieder auf 16 Grad. Der Account gewann 21.000 Dollar. Ein Sprecher von Météo-France erklärte, Techniker hätten die Sensordaten überprüft und die Wetterstation inspiziert. Daraufhin habe der Wetterdienst bei der Flughafenpolizei Anzeige wegen Manipulation des Betriebs eines automatisierten Datenverarbeitungssystems erstattet. Zum Zeitpunkt des Temperaturanstiegs soll den Daten zufolge auch die Luftfeuchtigkeit rasant gesunken sein. Die Nachrichtenagentur Bloomberg schreibt, mögliche Täter hätten mutmaßlich einen Föhn für die Manipulation der Wetterstation verwenden können. Die mutmaßliche Manipulation hatten offenbar mehrere Personen an Météo-France gemeldet. Darunter war auch der Meteorologe Ruben Hallali, selbst Geschäftsführer eines Wetterdatenunternehmens, das mit den Aufzeichnungen vom Pariser Flughafen arbeitet. Hallali erklärte, er habe die Wetterstation des Flughafens für seine Arbeit genau im Blick. "Deshalb konnte ich sehr schnell erkennen, dass eine Datenmanipulation vorlag", sagte er. Die Wettplattform Polymarket hat sich bislang nicht zu den Berichten geäußert.