Datum23.04.2026 13:44
Quellewww.spiegel.de
TLDRReza Pahlavi, Sohn des gestürzten Schahs, wurde in Berlin nach einer Pressekonferenz mit Tomate beworfen. Er wirbt in Deutschland für Unterstützung gegen das iranische Regime und positioniert sich als Übergangsführer. Seine Person ist innerhalb der iranischen Opposition umstritten. Pahlavi fordert von Europa mehr Engagement für einen Wandel im Iran, kritisiert jedoch eine fortlaufende Beschwichtigungspolitik.
InhaltIn der Hauptstadt wirbt Reza Pahlavi für Unterstützung. Er will, dass Deutschland mehr Stärke gegen das Regime in Teheran zeigt. Dass seine Person umstritten ist, zeigt sich nach einer Pressekonferenz. Rote Soße auf dem Schah-Sohn: Reza Pahlavi ist auf einem Berlin-Besuch mit einer Tomate beworfen worden. Wie die Polizei mitteilt, wurde danach ein Mann festgenommen. Der Zwischenfall ereignete sich, nachdem der Sohn des 1979 gestürzten Schahs in der Bundespressekonferenz zu Gast war. Weitere Details nannte die Polizei nicht. Die soßenartige Flüssigkeit war auf der Schulter und am Hals Pahlavis zu sehen. In Berlin wirbt Pahlavi für Unterstützung. Der im US-Exil lebende Schah-Sohn hat sich als Übergangsführer in Iran ins Spiel gebracht. Innerhalb der iranischen Opposition bleibt seine Personalie jedoch hochumstritten . Das hat mehrere Gründe: Gleichzeitig haben andere Iraner auch positive Erinnerungen, denn der Schah entwickelte das Land mit großen Reformprojekten und einer engen Anbindung an den Westen. Und diese Erinnerung versucht Pahlavi offenbar zu schüren . In Berlin wird Pahlavi von Unions-Außenpolitiker Armin Laschet und Außenpolitikern anderer Bundestagsfraktionen empfangen, wenn auch Treffen mit deutschen Regierungsmitgliedern nicht geplant sind. Monarchistische Gruppen sehen ihn als politischen Anführer der iranischen Opposition. Wie viel Rückhalt er im Land tatsächlich hat, ist unklar, durch den Irankrieg und der Repressionen, unter denen die Menschen dort leben, gibt es kaum belastbare Stimmungsbilder. Mit Beginn der Massenproteste in Iran im Januar hatte Pahlavi einen Machtwechsel gefordert und rief Polizei und Armee zum Überlaufen auf. Nun rief er Deutschland und die europäischen Regierungen zu mehr Engagement für einen grundsätzlichen Wandel in Iran auf. Zugleich warnte er davor, eine Beschwichtigungspolitik ("appeasement") gegenüber dem Herrschaftssystem in Iran fortzuführen. "Meiner Ansicht nach hat Europa eine wichtige, sehr wichtige Rolle. Ich denke aber, Europa untergräbt selbst, was es tun könnte." In Berlin schwenkten viele Demonstranten Flaggen mit dem Emblem der 1979 von Islamisten gestürzten Monarchie, dem Löwen und der Sonne. Etliche Redner sollten im Tagesverlauf auf einer Bühne sprechen. Ob und wann Pahlavi selbst auftritt, war am Vormittag noch unklar. Insgesamt 800 Polizisten waren wegen der vielen Demonstrationen im Regierungsviertel im Einsatz. In einem SPIEGEL-Interview im Februar kündigte Pahlavi an, den Aufstand aus dem Inneren von Iran führen zu wollen – auch wenn er dafür sein Leben riskieren muss. Das ganze Gespräch lesen Sie hier .