Datum23.04.2026 11:09
Quellewww.zeit.de
TLDRBundesfinanzminister Klingbeil fordert eine Einkommensteuerreform ab 2027, die kleine und mittlere Einkommen spürbar entlasten soll. Zur Gegenfinanzierung schlägt er eine höhere Beteiligung von Spitzenverdienern vor. Die Union plant eine Entlastung um 25-30 Milliarden Euro jährlich durch Einsparungen, ohne die Steuern für Reiche zu erhöhen, und sieht einen späteren Beginn des Spitzensteuersatzes sowie den Wegfall des Solidaritätszuschlags vor.
InhaltBundesfinanzminister Klingbeil dringt auf eine Steuerentlastung für Beschäftigte mit mittlerem Einkommen. Im Gegenzug sollen Spitzenverdiener mehr beitragen. Bei der von CDU, CSU und SPD geplanten Einkommensteuerreform hat Bundesfinanzminister Lars Klingbeil eine spürbare Entlastung für kleine und mittlere Einkommen angemahnt. "Ich rede vor allem von Menschen, die 2.500 oder 3.000 Euro brutto verdienen und mehr Geld im Portemonnaie haben sollen", sagte der SPD-Co-Vorsitzende der Wirtschaftswoche. Die Reform soll laut Klingbeil zum 1. Januar 2027 in Kraft treten und "haushaltsschonend" ausfallen. Zur Gegenfinanzierung strebt Klingbeil einen höheren Beitrag von Spitzenverdienern an. "Menschen mit sehr hohen Einkommen und Vermögen müssen ihren Teil beitragen, dass Ungleichheiten in unserer Gesellschaft nicht noch wachsen", sagte er. "Für mich ist klar, dass breitere Schultern auch mehr tragen können." Konkrete Zahlen zur Höhe einer möglichen Anhebung nannte der Minister nicht. Große Teile von CDU und CSU lehnen eine Anhebung des Spitzensteuersatzes ab. Klingbeil verwies darauf, dass jede Seite eigene Vorschläge zur Gegenfinanzierung habe; diese müssten nun "übereinandergelegt" werden. Sein Ziel sei ein gerechtes Reformpaket, das in der Mitte der Gesellschaft ankomme. Ein großes Paket gelinge nur, wenn alle Seiten sich aufeinander zubewegten. Die Unions-Finanzpolitiker Yannick Bury (CDU) und Florian Dorn (CSU) hatten ein eigenes Konzept vorgelegt, das ohne höhere Steuern auf hohe Einkommen oder Erbschaften auskommen soll. Steuerzahler sollen demnach um insgesamt 25 bis 30 Milliarden Euro im Jahr entlastet werden, schreiben Bury und Dorn in einem Gastbeitrag im Handelsblatt. Gegenfinanziert werden soll die Reform vor allem durch Einsparungen: Die Finanzhilfen des Bundes sollen laut dem Vorschlag jährlich um 15 Prozent sinken, was den Haushalt bis 2029 um 22 Milliarden Euro entlasten würde. Einsparungen bei nicht sicherheitsrelevanten Verwaltungsausgaben sollten weitere knapp acht Milliarden Euro im Jahr bringen. Der Grundfreibetrag soll um mindestens 1.000 Euro steigen, der Spitzensteuersatz von 42 Prozent erst ab einem zu versteuernden Einkommen von 85.000 Euro statt wie bislang rund 70.000 Euro greifen. Der Solidaritätszuschlag soll vollständig entfallen.