Irankrieg: IEA-Chef Fatih Birol warnt vor »der größten Bedrohung für die Energiesicherheit in der Geschichte«

Datum23.04.2026 11:36

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie Blockade der Straße von Hormus durch die USA und den Iran stellt laut IEA-Chef Fatih Birol die größte Bedrohung für die Energiesicherheit dar. Tägliche Verluste von 13 Millionen Barrel Öl und ein Versorgungsengpass bei Kraftstoffen, insbesondere für Europa, sind die Folge. Europa, das 75 % seines Flugzeugkraftstoffs aus dem Nahen Osten bezieht, drohen erhebliche Schwierigkeiten. Eine Öffnung der Meerenge ist entscheidend, andernfalls könnten Einschränkungen im Flugverkehr und weitere wirtschaftliche Auswirkungen drohen, selbst nach einer Waffenruhe, da Minen geräumt werden müssen.

InhaltDie USA und Iran blockieren die Straße von Hormus. Der Chef der Internationalen Energieagentur glaubt, vor allem Europa könnte bald vor Schwierigkeiten stehen. Der Angriff der USA und Israels auf Iran hat die Welt in eine Krise gestürzt, die Blockade der Straße von Hormus führt dazu, dass weniger Öl verschifft wird. Fatih Birol, Leiter der Internationalen Energieagentur (IEA), spricht nun eine Warnung aus: "Wir stehen vor der größten Bedrohung für die Energiesicherheit in der Geschichte", sagte er dem US-Sender CNBC . Täglich passierten 2024 im Durchschnitt 20 Millionen Barrel Öl und Erdölprodukte die Straße von Hormus. Doch mittlerweile blockieren Iran und die USA die Straße, Schiffe können nicht hinein und nicht hinaus. "Bis heute haben wir 13 Millionen Barrel Öl pro Tag verloren", sagte IEA-Chef Birol: "Es gibt erhebliche Versorgungsengpässe bei lebenswichtigen Rohstoffen". Europa beziehe etwa 75 Prozent seines Kraftstoffes für Flugzeuge aus Raffinerien im Nahen Osten. "Dieser Anteil ist im Grunde genommen jetzt auf null gesunken", so Birol. Europa versuche nun, den Kraftstoff aus den USA und Nigeria zu beziehen: "Wenn wir in Europa derzeit keine zusätzlichen Importe aus diesen Ländern erhalten können, werden wir in Schwierigkeiten geraten." Birol befürchtet Konsequenzen. "Ich hoffe vor allem, dass die Meerenge wieder geöffnet wird und die Raffinerieexporte von dort aus wieder anlaufen", sagte der IEA-Chef. Sonst müsse Europa möglicherweise auch Maßnahmen ergreifen, um den Flugverkehr einzuschränken. Zwischen den USA und Iran gilt derzeit eine Waffenruhe. US-Präsident Donald Trump hatte die Waffenruhe zuletzt einseitig verlängert. Auf seiner Onlineplattform schrieb er, die Waffen sollten schweigen, bis die iranische Führung mit einem intern abgestimmten Vorschlag an den Tisch komme. Eine konkrete Frist setzte er nicht. Trump hatte eine Öffnung der Straße von Hormus durch Iran zuvor zur Bedingung für eine dauerhafte Waffenruhe gemacht. Der Schiffsverkehr durch die für den Gas- und Ölhandel wichtige Meerenge ist seit Kriegsbeginn stark eingeschränkt. Trump hatte deutlich gemacht, trotz Verlängerung der Waffenruhe an der US-Seeblockade festhalten zu wollen. Sie betrifft Schiffe, die aus iranischen Häfen kommen oder diese ansteuern. Auch falls sich die Kriegsparteien bald einigen sollten, dürfte wohl noch einige Zeit vergehen, bis eine Durchfahrt durch die wichtige Meerenge wieder sicher wäre: Wie die "Washington Post"  berichtet, könnte es sechs Monate dauern, bis die Straße von Hormus vollständig von Minen geräumt ist, die das iranische Militär verlegt hatte. Das teilte ein Pentagonvertreter am Dienstag dem Kongress mit, wie die Zeitung unter Berufung auf drei anonyme Quellen berichtet. Das würde bedeuten, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts noch weit ins laufende Jahr hinein oder sogar länger anhalten könnten.