Datum23.04.2026 11:26
Quellewww.zeit.de
TLDRVier Männer (21-26) wurden wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter räuberischer Erpressung angeklagt. Zwei Täter schossen einem 18-Jährigen als Strafe ins Bein. Später forderten sie Schutzgeld von einem Gastronomen und drohten mit Schüssen und einem Schuss in ein Restaurant. Die Anklage aus einer neuen Ermittlungsgruppe "Telum" resultiert aus gestiegener Waffengewalt, die in Berlin 2025 deutlich zunahm.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Organisierte Kriminalität“. Lesen Sie jetzt „Schüsse und Erpressungsversuch - vier Männer angeklagt“. Es geht um Schutzgelderpressung und lebensgefährliche Schüsse als Denkzettel: Die Staatsanwaltschaft Berlin hat vier Männer im Alter von 21 bis 26 Jahren unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter schwerer räuberischer Erpressung angeklagt. Es handelt sich um die erste Anklage der wegen einer Zunahme von Schussgewalt gegründeten Ermittlungsgruppe "Telum", wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte. Nach den Ermittlungen sollen die vier Männer in unterschiedlicher Beteiligung agiert haben. Nach einem Streit mit einem 18-Jährigen sollen zwei von ihnen (21, 25) diesen im Juli 2025 in einem Lokal in Berlin-Mitte aufgesucht haben, um ihm einen Denkzettel zu verpassen. Laut Anklage schossen sie ihm zweimal ins Bein. Der 18-Jährige kam mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus. In der Zeit von September bis Dezember vergangenen Jahres sollen die Männer dann mehrfach einen Restaurantbesitzer in Neukölln unter Druck gesetzt und Schutzgeld gefordert haben. Der 47-Jährige sollte laut Anklage Summen zwischen 3.000 und 50.000 Euro zahlen. Als sich der Mann weigerte, sollen die Männer mit Schüssen gedroht haben. Am 29. September 2025 soll der 21-Jährige in der Nacht tatsächlich durch ein Fenster des Restaurants in einen Deckenbalken geschossen haben. Zu dem Zeitpunkt befanden sich Menschen in dem Lokal, verletzt wurde aber niemand. Die Beschuldigten befinden sich laut Staatsanwaltschaft in Untersuchungshaft. Sie schweigen demnach bislang zu den Vorwürfen. Zwei von ihnen gerieten laut Staatsanwaltschaft schnell in den Fokus der Ermittler, Mitte Oktober 2025 kam der erste von ihnen in Untersuchungshaft, der letzte Anfang März. Nach einer Zunahme von Schüssen wurde bei der Polizei im November 2025 die Sondereinheit des Landeskriminalamtes "Ferrum" (lateinisch für "Eisen") eingerichtet. Die Staatsanwaltschaft zog mit der neuen Ermittlungsgruppe "Telum" (lateinisch für "Angriffswaffe") nach. Im Rahmen ihrer Arbeit entstand die aktuelle Anklage. Wann es zum Prozess vor dem Landgericht Berlin kommt, ist noch offen. Nach der polizeilichen Kriminalstatistik erfasste die Polizei im vergangenen Jahr 68 Prozent mehr Straftaten als 2024, bei denen mit Waffen gedroht oder geschossen wurde. Laut Statistik wurden 1.119 Fälle registriert, etwas mehr als die Hälfte waren Drohungen, in 515 Fällen wurde geschossen. Die Ermittler verorten viele Taten im kriminellen Milieu. Oft handelt es sich laut Polizei um Erpressungen von Geschäftsleuten sowie Revierkämpfe und Auseinandersetzungen in der organisierten Kriminalität. © dpa-infocom, dpa:260423-930-982642/1