Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Good Weed will Weile haben

Datum23.04.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDer Artikel thematisiert die teilweise Legalisierung von Cannabis in Deutschland. Ein Hamburger Anbauverein, der im Frühjahr 2024 gegründet wurde, beliefert seine Mitglieder aus Buxtehude. Trotz anfänglicher Hürden durch Auflagen läuft der Betrieb gut, und Mitglieder helfen mit ihrem Fachwissen. Mitbewerber durch Medizinalcannabis und das Werbeverbot stellen Herausforderungen dar. Der Verein erwägt eine zweite Ausgabestelle. Zudem werden weitere Hamburger Themen kurz angerissen.

InhaltDie Elbvertiefung am Donnerstag – Mit dem Umzug einer Bibliothek, Herzrasen auf dem Isemarkt, einer Paternoster-Panne und Erinnerungen an F. C. Gundlach im Frühjahr 2024 tat sich der Hamburger Konstantin Glodzinski mit Freunden in einem Cannabis-Anbauverein zusammen. Die am 1. April 2024 vom Bundestag beschlossene Teillegalisierung hatte das ermöglicht. Auf seinem Weg machten Glodzinski dann die strengen Auflagen zu schaffen. Bis zur ersten Ernte habe ich ihn damals für einen Artikel (Z+) begleitet – Glodzinski, ein entspannter Typ, der gern surft, bekam von seinem Arzt eine Beißschiene verordnet, und sagte einmal gestresst: "Ich sehe aus wie der Tod." Seit knapp einem Jahr gibt Glodzinski nun mit seinem Anbauverein das Cannabis, das sie in Buxtehude anbauen, in der Neustadt an die 370 Mitglieder aus, an drei Tagen die Woche zwischen 15 und 19 Uhr. Ich war kürzlich dort, um zu fragen: Wie läuft’s? Die Ausgabestelle befindet sich unter einem Co-Working-Space. Der Kellerraum ist grau gestrichen, an der Decke und der Wand hängen grün- und lila leuchtende Neonröhren. Schwarz-Weiß-Fotos von Cannabisblüten, zwei dicke Tresore für das Cannabis, ein Tresen mit Laptop. Alles habe sich gut eingespielt, sagt Glodzinski, ein wenig gewachsen sei der Verein auch, Mitglieder brächten sich ein, etwa ein Klimaanlagen-Techniker, dessen Wissen beim Anbau helfe. "Ich höre aber auch, dass andere Vereine Probleme haben. Wegen des Werbeverbots wird man im Internet schlecht gefunden, zudem gibt es Konkurrenz durch Anbieter von Medizinalcannabis", sagt Glodzinski. Ein Kunde tritt ein und holt sich fünf Gramm Cannabis ab. Vorher, sagt er, habe er es illegal über verschiedene Dealer bezogen. Bei denen sei das Cannabis oft gestreckt, was potenziell gesundheitsschädlich sei, "zudem will ich niemanden unterstützen, der auch andere Drogen wie Kokain verkauft", sagt er. Auch Glodzinski sagt: "Ich kenne keinen, der noch Cannabis auf dem Schwarzmarkt kauft" – ein Trend, den die neuste Evaluierung der Legalisierung bestätigt. Insgesamt ist Glodzinski zufrieden. Sein Verein überlegt, eine zweite Ausgabestelle aufzumachen. Und seine Beißschiene braucht er auch nicht mehr. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Yannick Ramsel Der vermutlich älteste Paternoster der Welt im Flüggerhaus am Rödingsmarkt ist ohne Genehmigung des Denkmalschutzamts ausgebaut worden. Der Aufzug war 2018 von einem Kunsthistoriker wiederentdeckt und aufwendig saniert worden. Die Behörden prüfen nun rechtliche Schritte. Die Bibliothek des Hamburger Instituts für Sozialforschung zieht nach Italien: Nach der geplanten Institutsschließung im Juni 2028 wechseln die Bücher ans Deutsche Historische Institut in Rom. Das Archiv geht nach Koblenz ans Bundesarchiv, der Verlag Hamburger Edition nach Göttingen zum Wallstein Verlag. An der Reeperbahn haben die Behörden wegen unhaltbarer Zustände zwei Wohnunterkünfte geschlossen. Mitarbeitende verschiedener Behörden hatten bei einer Kontrolle in den Unterkünften teils offene Stromleitungen, eine deutliche Überbelegung und fehlenden Brandschutz festgestellt. 37 Menschen, darunter 13 Kinder, haben die Objekte bewohnt. Gut fünf Wochen vor dem Referendum hat die Hamburger Bürgerschaft das zweite Mal in Folge über die vom Senat gewünschte Olympiabewerbung debattiert. Während Linke und AfD erneut vor den Risiken einer Austragung der Spiele warnten, warfen ihnen SPD, Grüne und CDU vor, Hamburg Chancen zu verweigern. Aus Rücksicht auf die länger dauernde Korridorsanierung Hamburg–Berlin wird laut Deutscher Bahn auf der Strecke Hamburg–Hannover vorerst nur das Notwendigste repariert. Die Strecke wird ab dem 1. Mai abschnittweise, ab dem 14. Juni komplett gesperrt. Dieses Jahr würde der Fotograf, Galerist und Sammler F. C. Gundlach hundert werden. Doch Gundlach starb 2021 im Alter von 95 Jahren, deshalb muss Hamburg ohne ihn feiern. Um die Erinnerung wachzuhalten, sind im Sommer zwei Ausstellungen geplant: You'll Never Watch Alone im Bucerius Kunst Forum fokussiert ab 8. Mai Gundlach als stilprägenden Modefotografen. Cocktail Prolongé in den Deichtorhallen nimmt ihn ab 5. Juni als Sammler zeitgenössischer Fotografie in den Blick und verspricht neue Einblicke in sein Interesse an Körperlichkeit und Queerness. Zudem wurde gestern bekannt, dass die Stadt, die Deichtorhallen und die Stiftung F.C. Gundlach ihre Zusammenarbeit ausbauen: Gundlachs Sammlung soll zwanzig weitere Jahre als Leihgabe in Hamburg bleiben und von 9.000 auf 14.000 Werke aufgestockt werden. Sie umfasst Modefotografie im weitesten Sinne: Die ältesten Bilder stammen aus den 1840er-Jahren, einen Schwerpunkt bildet klassische Modefotografie, etwa von Edward Steichen sowie Streetfotografie von Diane Arbus bis Martin Parr. Die Heimat der Sammlung bleibt das Haus der Photographie in den Deichtorhallen, das eng mit Gundlach verknüpft ist: Er war der Gründungsdirektor und erster künstlerischer Leiter. Seit einigen Jahren wird das Haus umfangreich saniert, nach der Wiedereröffnung 2028 sollen hier dauerhaft auch Präsentationen aus der Sammlung von F. C. Gundlach zu sehen sein. Auch ein Schaudepot mit Tausenden ungerahmten Fotos soll für das Publikum zugänglich sein. Oskar Piegsa Auf dem Isemarkt in Hamburg gibt es jeden Morgen ein seltsames Spektakel: Tagesbewerber konkurrieren um freie Plätze. Wer leer ausgeht, dessen Ware landet teils im Müll. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT-Autorin Lena Frings. Um kurz vor acht Uhr morgens steigt die Anspannung auf dem Isemarkt, dem bekanntesten und wohl auch lukrativsten Wochenmarkt in Hamburg. "Ich habe Herzrasen", sagt Franziska Miller. Die 35-Jährige hat sich mit einem Foodtruck für Kaiserschmarrn selbstständig gemacht. Heute ist sie früh aufgestanden, hat Teig für rund 200 Portionen zubereitet und ist damit zum Markt gefahren. Nun steht sie neben rund 80 anderen Händlerinnen und Händlern. Sie alle konkurrieren darum, einen der wenigen freien Stellplätze zu ergattern. Zur gleichen Zeit besprüht Malte Jahn, 42 Jahre alt, ganz entspannt seinen Bärlauch mit Wasser. Die Wassertropfen perlen in der Morgensonne. Alles steht bereit: Seine Angestellten warten in beigen Jacken, die Kräuter liegen schön drapiert unter der grün-weißen Markise, das Logo hängt gut sichtbar am Stand. Ein älterer Herr gibt eine der ersten Bestellungen des Tages auf. Jahn konnte bereits vor Stunden in Ruhe aufbauen, er hat hier einen festen Platz. Rund 130 der etwa 200 Stände auf dem Isemarkt, der sich unter der Hochbahntrasse zwischen Hoheluftbrücke und Eppendorfer Baum entlang zieht, sind fest vergeben. Das heißt, ihren Eigentümern ist der immer gleiche Platz garantiert. Wenn sie krank oder im Urlaub sind, entstehen vorübergehend Lücken. Diese werden spontan von sogenannten Tagesbewerbern wie Franziska Miller gefüllt. Wie die Tagesbewerber ausgewählt werden und welches Los Franziska Miller an dem Tag zog, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Nach dem tiefen Fall zurück auf dem Thron: Ein Kinofilm feiert Michael Jackson wieder als "King of Pop". Wie konnte das gelingen? Das fragt ZEIT-Autor Jens Balzer und wirft dabei auch einen Seitenblick auf das Hamburger Musical "MJ". → Zum Artikel (Z+) Ein experimenteller Konzertabend in der Locke im Pudel: Ein Erlebnis zwischen Sound, Sprache und Konzeptkunst, von Frau Kraushaar und Stefanie Schrank gestaltet. Frau Kraushaar stellt ihr Kunstpophörstück Gurke Kartoffel Ahnung vor. Stefanie Schrank präsentiert Songs aus ihrem aktuellen Album Forma. "Gurke Kartoffel Ahnung", 24.4., ab 18 Uhr; Locke/Pudel, St. Pauli Fischmarkt 27 Ich bin mit meiner sechsjährigen Tochter im Urlaub. Eine Halterung im Bad ist abgefallen und ich sage zu ihr, dass deswegen später der Hausmeister kommt. Daraufhin sie: "Präparieren, Mama." Ich: "Bei kaputten Dingen sagt man reparieren. Präpariert sind die Tiere im zoologischen Museum." Meine Tochter: "Mama, wenn du stirbst, wirst du auch präpariert und kommst ins Menschenmuseum." Gehört von Julia von Iljin Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.