Krieg im Nahen Osten: Marine-Staatssekretär verlässt US-Regierung, Trump will Waffenruhe offenbar nur um wenige Tage verlängern

Datum23.04.2026 05:14

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer US-Staatssekretär für die Marine, John Phelan, verlässt die Regierung inmitten von Spannungen über die Seeblockade. Donald Trump verlängert die Waffenruhe mit Iran um wenige Tage, um Vorschläge für Verhandlungen zu erhalten. Ungeachtet dessen will die US-Marine an der Blockade der Straße von Hormus festhalten. Eine vollständige Minenräumung der Meerenge könnte bis zu sechs Monate dauern, was die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts verlängern würde.

InhaltDie USA tauschen ihren für die Marine zuständigen Staatssekretär aus – mitten im Streit über die Seeblockade der Straße von Hormus. Dort könnte eine Minenräumung einem Bericht zufolge bis zu sechs Monate dauern. Der Überblick. Die Seeblockade der Straße von Hormus ist nach wie vor einer der wichtigsten Verhandlungspunkte zwischen den Kriegsparteien USA und Iran. Aus Sicht Washingtons übernimmt die US-Marine bei der Blockade eine zentrale Rolle – nun wechselt die Regierung ihren für die Marine zuständigen Staatssekretär aus. John Phelan werde die Regierung mit sofortiger Wirkung verlassen, teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bei X mit . Unterstaatssekretär Hung Cao solle die Geschäfte bis auf Weiteres übernehmen. Zu den Gründen des Wechsels machte das Ministerium keine Angaben. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Der Milliardär Phelan war früher Investmentbanker und trat den Posten im März vergangenen Jahres an. Der Schwerpunkt seiner Arbeit lag unter anderem bei der Stärkung des Schiffbaus sowie der maritimen Industrie. Ihm werden enge Verbindungen zu US-Präsident Donald ​Trump nachgesagt. Wie die "New York Times"  unter Berufung auf ungenannte Quellen berichtete, schwelten seit Monaten Spannungen zwischen Phelan und seinen beiden Vorgesetzten, Verteidigungsminister Pete Hegseth und dessen Stellvertreter Stephen Feinberg. Besonders Feinberg sei demnach zunehmend unzufrieden damit gewesen, wie Phelan die neue Schiffbauinitiative der Marine umsetzte. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert ebenfalls zwei mit dem Vorgang vertraute Personen: Demnach sei Phelan unter anderem entlassen worden, weil er Reformen zur Beschleunigung des Schiffbaus zu ​langsam umgesetzt habe. Auch Reuters berichtet von Verwerfungen zwischen Phelan und seinen beiden Vorgesetzten. Erst vor rund drei Wochen hatte Verteidigungsminister Hegseth den Stabschef des US-Heeres zum Rücktritt gedrängt. General Randy George trete mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurück, hieß es damals. Im Krieg zwischen den USA und Iran hatte Trump am Dienstag (Ortszeit) die Waffenruhe einseitig verlängert. Auf seiner Onlineplattform schrieb er, die Waffen sollten schweigen, bis die iranische Führung mit einem geeinten Vorschlag an den Tisch komme. Eine konkrete Frist setzte er nicht (mehr zu Trumps Kapitulation vor den Mullahs erfahren Sie hier ). Das Nachrichtenportal "Axios"  und der Sender Fox News berichten nun übereinstimmend, dass es sich nur um wenige Tage handeln soll. Trump sei bereit, die Waffenruhe um drei bis fünf Tage zu verlängern, heißt es in den Berichten unter Berufung auf eine US-Quelle beziehungsweise einen Beamten aus dem Weißen Haus. Auch der Sender CNN berichtet, dass Trump plane, den Iranern ein begrenztes Zeitfenster zu geben, um einen geeinten Vorschlag für neue Verhandlungen zu erarbeiten und den diplomatischen Prozess so wieder in Gang zu bringen. Es sei unklar, ob dies den Iranern übermittelt worden sei. CNN beruft sich auf zwei mit den internen Gesprächen vertraute Quellen. Trumps Sprecherin Karoline Leavitt sagte am Mittwochnachmittag vor Journalistinnen und Journalisten, dass der Präsident keine feste Frist für die Übermittlung eines iranischen Vorschlags gesetzt habe. Gleichzeitig betonte sie, dass es letztlich Trump sei, der den Zeitplan vorgeben werde. Leavitt spielte zudem die Bedeutung der iranischen Angriffe auf Frachter in der Straße von Hormus herunter (mehr dazu hier): Die Medien würden das Thema aufbauschen, um die erfolgreiche Zerstörung der iranischen Marine durch das US-Militär zu hinterfragen, sagte sie gegenüber Fox News. Einen Verstoß gegen die Waffenruhe sehe sie nicht, weil die Schiffe weder unter US- noch unter israelischer Flagge gefahren seien. Leavitt sagte, die Frachter seien von Schnellbooten attackiert worden. "Iran hat sich von der tödlichsten Marine im Nahen Osten zu einer Bande von Piraten gewandelt." Eine Kontrolle über die Straße von Hormus habe Teheran nicht. In der Straße von Hormus war zuvor ein Containerschiff unter Beschuss durch die iranischen Revolutionswächter gekommen und schwer beschädigt worden, wie die britische Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt mitteilte. Wenig später meldete die Behörde erneut einen Vorfall. Trump hatte eine Öffnung der Straße von Hormus durch Iran zuvor zur Bedingung für eine dauerhafte Waffenruhe gemacht. Der Schiffsverkehr durch die für den Gas- und Ölhandel wichtige Meerenge ist seit Kriegsbeginn stark eingeschränkt. Trump hatte deutlich gemacht, trotz Verlängerung der Waffenruhe an der US-Seeblockade festhalten zu wollen. Sie betrifft Schiffe, die aus iranischen Häfen kommen oder diese ansteuern. Auch falls sich die Kriegsparteien bald einigen sollten, dürfte wohl noch einige Zeit vergehen, bis eine Durchfahrt durch die wichtige Meerenge wieder sicher wäre: Wie die "Washington Post"  berichtet, könnte es sechs Monate dauern, bis die Straße von Hormus vollständig von Minen geräumt ist, die das iranische Militär verlegt hatte. Das teilte ein Pentagonvertreter am Dienstag dem Kongress mit, wie die Zeitung unter Berufung auf drei anonyme Quellen berichtet. Das würde bedeuten, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts noch weit ins laufende Jahr hinein oder sogar länger anhalten könnten.