Libanon: USA rät Amerikanern trotz Waffenruhe zur Ausreise

Datum22.04.2026 22:53

Quellewww.spiegel.de

TLDRTrotz einer Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon rät die US-Botschaft Amerikanern zur Ausreise. Die Sicherheitslage im Libanon wird als komplex und sich schnell ändernd eingeschätzt. Es gibt Berichte über Verstöße und eine Hisbollah-Abgeordnete erklärte, die Organisation sei der Waffenruhe nicht mehr verpflichtet. Die Waffenruhe war nach wochenlangen Kämpfen in Kraft getreten.

InhaltIsrael und der Libanon werfen einander vor, gegen die Waffenruhe zu verstoßen. Auch die US-Botschaft im Libanon sieht offenbar weiter Gefahr: Sie empfiehlt ihren Bürgern, das Land zu verlassen. Trotz der Waffenruhe zwischen dem Libanon und Israel legt die US-Botschaft in Beirut Amerikanerinnen und Amerikanern dringend nahe, den Libanon zu verlassen. "Die Sicherheitslage ist weiterhin komplex und kann sich schnell ändern", teilte die Botschaft in einer Sicherheitswarnung mit. US-Bürger sollten ausreisen, solange es noch kommerzielle Flugverbindungen gebe. Wer im Libanon bleibe, sollte Pläne für Notfallsituationen erstellen und die aktuellen Entwicklungen verfolgen, hieß es. Es gibt Hinweise darauf, dass die Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon wackelt. Ein Abgeordneter der libanesischen Hisbollah-Miliz, Hussein Hadsch Hassan, sagte einem libanesischen TV-Sender, die Organisation sei der Waffenruhe nicht mehr verpflichtet. Zuvor hatten Israel und die proiranische Hisbollah sich mehrfach Verstöße gegen die zehntägige Waffenruhe  vorgeworfen, die nach wochenlangen Kämpfen in der Nacht auf Freitag in Kraft getreten war. US-Präsident Donald Trump hatte die Waffenruhe nach Gesprächen mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun angekündigt. Die Hisbollah war daran nicht beteiligt. Am Donnerstag sind in Washington weitere Gespräche auf Botschafterebene zwischen beiden Ländern geplant. Kurz nach Beginn des Irankriegs Ende Februar hatten sich die von Iran unterstützte Hisbollah und das israelische Militär schwere Kämpfe geliefert. Als Reaktion auf die Tötung des iranischen Obersten Führers Ajatollah Ali Khamenei feuerte die Hisbollah seit Anfang März erneut Raketen in Richtung Israel. Die israelische Luftwaffe reagierte seitdem mit massiven Luftangriffen. Das israelische Militär rückte in einer Bodenoffensive zudem weiter in den Süden des Nachbarlandes vor und lieferte sich im Grenzgebiet Bodenkämpfe mit der Hisbollah. Die libanesische Regierung ist keine aktive Konfliktpartei und bemüht sich um Deeskalation. Die Regierung hatte lange wenig bis gar keinen Einfluss auf die Aktivitäten der Hisbollah-Miliz, hat den Druck unter Führung von Präsident Aoun aber erhöht. Wie geht es weiter im Nervenkrieg zwischen Iran und den USA? Lesen Sie hier  das Interview mit der Nahostexpertin Diba Mirzaei.