Datum22.04.2026 22:00
Quellewww.spiegel.de
TLDRCarolin Kebekus kritisiert Kürzungsmaßnahmen bei Psychotherapien. Sie befürchtet, dass diese dadurch unzugänglich und teuer werden, was zu einer Zweiklassenmedizin führen könnte. Kebekus kritisiert auch die Diskriminierung von Therapeuten bei der Verbeamtung. Die Honorarkürzungen um 4,5 Prozent ab April werden von vielen Psychotherapeutenverbänden ebenfalls scharf kritisiert.
InhaltPsychotherapie könnte bald nur noch für einen kleinen Patientenkreis verfügbar sein – das befürchtet die Moderatorin Kebekus. Sie fordert, die Behandlung für alle zugänglicher und bezahlbarer zu machen. Die Komikerin und Moderatorin Carolin Kebekus, 45, glaubt, dass Psychotherapie für viele Menschen immer noch ein Tabu ist. "Wenn wir ein körperliches Problem haben, dann ist es klar, dass wir damit zum Arzt gehen." Wer unter Depressionen oder Ängsten leide, traue sich vielleicht trotzdem nicht, sich Hilfe zu suchen, sagte Kebekus der Deutschen Presse-Agentur. "Ich glaube, dass wir als Gesellschaft sehr viel davon hätten, wenn Psychotherapie zugänglicher und bezahlbarer wäre." Vor diesem Hintergrund sei die Absenkung der Vergütung psychotherapeutischer Leistungen um 4,5 Prozent völlig kontraproduktiv. Die Versorgungslage für Kassenpatienten werde dadurch noch schlechter werden. "Meine Befürchtung ist, dass sich viele Psychotherapeuten dann auf Privatpatienten konzentrieren werden, weil sie mit denen mehr verdienen können. Dann wird Psychotherapie ein Eliten-Ding." Absurd sei auch, wenn Menschen, die Therapie in Anspruch genommen hätten, als Lehrerin oder Lehrer nicht mehr verbeamtet würden. "Anstatt es anzuerkennen, dass sie etwas für ihre mentale Gesundheit getan haben, werden sie bestraft", kritisierte Kebekus. "Dabei wäre es doch schön, wenn man psychisch gesunde Lehrerinnen und Lehrer hätte." Nach Angaben des Lehrerverbands hängt eine Verbeamtung unter anderem von einer Untersuchung durch den Amtsarzt ab. Ob und inwieweit eine psychotherapeutische Behandlung ein Ausschlusskriterium für die Verbeamtung sei, hänge immer vom Einzelfall ab. Der Amtsarzt beurteile, ob die Person mit großer Wahrscheinlichkeit bis zur gesetzlichen Regelaltersgrenze den Beruf ausüben könne, so der Lehrerverband. Die Honorare von ambulanten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten wurden ab dem 1. April um 4,5 Prozent gekürzt. Das hatte kurzfristig ein gemeinsamer Ausschuss der Krankenkassen als Geldgeber und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) als Interessenvertretung der Ärzte und Psychotherapeuten festgelegt. Die KBV selbst kritisiert die Entscheidung allerdings scharf – genauso wie zahlreiche Interessenvertretungen von Psychotherapeuten. Viele Menschen in Deutschland suchen nach psychologischer Hilfe, aber finden keinen Behandlungsplatz. Wie man schneller Unterstützung bekommen kann, lesen Sie hier .