Meinung: News des Tages: Sollten wir Ramstein in Trumpstein umbenennen?

Datum22.04.2026 16:44

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie Ukraine erwägt, einen Teil des Donbass in "Donnyland" umzubenennen, um Trump wohlgesinnt zu stimmen. Verteidigungsminister Pistorius präsentierte die erste Bundeswehr-Militärstrategie mit dem Ziel, die stärkste Armee Europas zu werden. Überraschenderweise wurde das neue Frankfurter Flughafenterminal pünktlich fertiggestellt. Deutsche Behörden erhielten Listen mutmaßlicher IS-Kämpfer, darunter eine Spitznamen-Anspielung auf Philipp Lahm. Nobelpreisträgerin Nüsslein-Volhard zeigte sich unzufrieden mit ihrer Biologie-Note.

InhaltIn der Ukraine diskutieren sie, einen Donbass-Teil für Trump in "Donnyland" umzutaufen. Pistorius stellt die erste Militärstrategie der Bundeswehr vor. Und mit dem neuen Frankfurter Flughafen-Terminal wird, kein Witz, ein deutsches Großbauprojekt pünktlich fertig. Das ist die Lage am Mittwochabend. Die drei Fragezeichen heute: Den Ukrainern scheint - notgedrungen - keine Idee zu verrückt, um sie nicht wenigstens zu diskutieren. Jetzt berichtet die "New York Times" , ukrainische Regierungsvertreter hätten vorgeschlagen, einen Teil des Donbass in "Donnyland" umzubenennen, um Trump gnädig zu stimmen. Die Zeitung erinnert auch daran, dass Polen einst eine Militärbasis "Fort Trump" nennen wollte und dass ein Transit-Korridor zwischen Armenien und Aserbaidschan den Namen "Trump Route for International Peace and Prosperity" trägt (hier mehr). In diesem Dilemma stecken viele Länder: Sie lehnen Trumps Politik ab (Zölle, Grönland-Ansprüche, Iran-Krieg), sie brauchen die USA aber als Schutzmacht und Handelspartner. Das gilt auch für Deutschland. Glücklicherweise überlegt niemand ernsthaft, Ramstein umzutaufen in Trumpstein oder die Donau in Donaldau. Aber das symbolpolitische Geschleime dürfte eh wenig helfen, wenn es hart auf hart käme. Umso wichtiger ist die praktische Vorbereitung. Heute nun hat Verteidigungsminister Pistorius die erste Militärstrategie in der Geschichte der Bundeswehr vorgestellt: Er will die Truppe zur "konventionell stärksten Armee Europas" ausbauen. Meine Kollegen Matthias Gebauer und Paul-Anton Krüger berichten, dass einige Formulierungen schwammig und viele Details geheim bleiben. Die Unzuverlässigkeit von Trumps Amerika reiße der öffentlich verfügbare Teil der Militärstrategie nur an. Klar zeige sich aber: "Aufwuchs und Aufrüstung der Bundeswehr müssen deutlich schneller werden." Alle Hintergründe hier: Das steht in Pistorius' neuer Militärstrategie  Jede Bürokratie gebiert Kurioses, auch die Bürokratie des Terrors. So findet sich auf bislang geheimen Listen angeblicher Kämpfer des "Islamischen Staates" der Name "Philip Lamm" bzw. "Filib Lam" - eine Anspielung auf den ehemaligen Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft Philipp Lahm. Offenbar der Spitzname eines Deutschen namens Deniz B., der mit einer Kalaschnikow Wachdienst für den IS schob. Die Listen sind deutschen Behörden über Umwege in die Hände gefallen, wie meine Kollegen Tobias Großekemper und Wolf Wiedmann-Schmidt berichten. "Die Dokumente waren bei Antiterroreinsätzen in Syrien und im Irak erbeutet worden", so Tobias und Wolf. Jetzt sucht das BKA mithilfe der Listen nach mutmaßlichen IS-Terroristen. (Hier mehr dazu. ) "Allein in einem der arabischsprachigen Dokumente – einer Gehaltsliste des IS – stehen fast 50.000 mutmaßliche Mitglieder der Terrormiliz", sagt Wolf. "Neben Name, Kampfname und Geburtsdatum ist in der Tabelle für jeden eine zehnstellige Personalnummer vermerkt. Dazu die Höhe des monatlichen Solds, den die Terrororganisation den Männern und ihren Frauen offenbar zahlte. Plus Essenszuschlag und Kindergeld." Selbst die Zahl der Jesidinnen, die von den Terroristen als Haushalts- und Sexsklavinnen wurden, sei in manchen Dokumenten vermerkt. Ein Tabellenfeld lautet "Kinder von Sklavinnen". "Keine Terrorgruppe in der Geschichte hat so penibel Buch gehalten", sagt Wolf. "Die Bürokratie des Terrors erfasste jeden Winkel des ›Islamischen Staats'‹. Die Frankfurter eröffnen ihr drittes Flughafen-Terminal. Angeblich pünktlich. Angeblich sieht es gut aus. Angeblich sind die Kosten nicht explodiert. Da schüttelt Rest-Deutschland ungläubig den Kopf. Gerade begann das Land, sich an verspätete Züge, marode Brücken und Dauer-Bauprojekte zu gewöhnen. Als hätte sich die Berliner Republik ein Beispiel genommen an ihrer Hauptstadt, die Dysfunktionalität gern mit Charme verwechselt. Der ein kaputter Stolz innewohnt auf das Chaos. Sie erinnern sich: Den Eröffnungstermin des Haupstadtflughafens verschob Berlin lustvoll Jahr um Jahr - mussten die Zugezogenen halt den Zug nach Stuttgart nehmen. Eine Steckdose am BER sollte 36.000 Euro kosten (hier mehr ), ein Autobahnkilometer war teurer als irgendwo anders  - mussten die Bayern halt mehr Finanzausgleich überweisen. Die Hauptstadt steckt in einer nicht enden wollenden Pubertät, die abfärbte aufs ganze Land. Und jetzt kommt Frankfurt mit Pünktlichkeit und Gründlichkeit? Mein Kollege Arvid Haitsch hat eingecheckt. Gute Reise in die Neunziger! Jeden Tag erreichen unsere Redaktion viele Tausend Nachrichten. Kritische, lobende, zweifelnde, inspirierende, auch wütende. Wir freuen uns darüber, der Austausch mit Ihnen, unseren Lesern und Leserinnen, ist uns wichtig. Das ist die Regel. Mein Kollege Markus Verbeet berichtet über die Ausnahme. Über einen Mann, der uns seit Jahren mit Hass und Hetze überzieht. Der uns und andere bedroht, sich strafbar gemacht hat. Und einfach nicht aufhört. (Hier die ganze Geschichte. ) Wir haben das zum Anlass genommen, mit Ihnen über Hass und Hetze im Netz zu diskutieren. Markus hat heute mehrere Stunden mit Leserinnen und Lesern gechattet. Gut ist ihr nicht gut genug: Die deutsche Biochemikerin und Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard, 83, zeigt späte Unzufriedenheit mit ihrem Abschneiden im Biologie-Abi. Dem Bayerischen Rundfunk sagte sie: "Ach, da war ich nicht so besonders gut. Ich habe halt nur eine Zwei gekriegt, obwohl ich eigentlich so viel gemacht hatte im Unterricht, dass ich fand, ich hätte eine Eins verdient." Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel. Drei Vorschläge: Sie könnten ... Ich wünsche Ihnen einen unterhaltsamen Abend. Herzlich, Ihr Oliver Trenkamp, Blattmacher in der Chefredaktion