Wal in der Ostsee: Diese Personen sind in dem Fall besonders präsent

Datum22.04.2026 16:31

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer gestrandete Wal in der Ostsee „Hope“ entwickelte sich zum Mittelpunkt einer heterogenen Gruppe: Umweltminister Till Backhaus förderte eine private Rettungsinitiative trotz wissenschaftlicher Prognosen, finanziert von Unternehmern wie Walter Gunz. Ein peruanischer Schriftsteller ohne Wal-Expertise und ein Influencer mit fragwürdigen Verbindungen mischten sich ebenfalls ein. Eine Tierärztin aus Hawaii verließ das Team frustriert. Eine Frau namens Monika Bubel startete Gesangsaktionen, während KI-generierte Clips viral gingen. Tierschützer Robert Marc Lehmann gab zunächst resigniert auf, bevor er abgereist sei.

InhaltRund um den Wal in der Ostsee scharen sich Helfer und solche, die sich dafür halten, von einem omnipräsenten Minister bis hin zu einer frustrierten Tierärztin. Wer ist wer in diesem Kosmos? Der Überblick. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Fans im Internet nennen den in der Ostsee gestrandeten Wal Hope – Hoffnung. Sie hoffen sie weiterhin, dass das Tier einen Weg zurück ins offene Meer und den Atlantik findet. Andere wiederum hoffen, man möge das Tier einfach in Ruhe lassen. Kurz vor Ostern hatten Fachleute in Zusammenarbeit mit den Behörden bekannt gegeben, dass der Wal im Sterben liege, eine Rettung sei nicht möglich, Zurückhaltung sei geboten. Aber daraus wurde nichts, immer wieder kamen Akteure auf den Plan, die die Hoffnung auf Rettung befeuerten. Der Wal solle lebend in die Nordsee verfrachtet werden können, hieß es – ganz entgegen den wissenschaftlichen Prognosen. Statt die Wissenschaft entscheiden zu lassen, duldete Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) schließlich, dass sich eine private Initiative an der Rettung des Buckelwals versucht (mehr zu der merkwürdigen Truppe lesen Sie hier , die aktuellen Entwicklungen finden Sie hier). Inzwischen ist die Zahl der Leute, die in dem Fall im Fokus stehen, ziemlich gewachsen. Der Überblick. Name: Till Backhaus Normaler Job: Umweltminister Mecklenburg-Vorpommern Rolle im Wal-Drama: Politischer Fürsprecher und Walversteher Backhaus geht beim Wal all in – mindestens emotional. Bei einer Pressekonferenz, in der alle Hoffnung aufgegeben wurde, war er den Tränen nahe. "Ich bin evangelisch erzogen", sagt Backhaus. "Und Sie wissen, was Ostern ist. Da ist man in Gottes Hand. Und was mit Jesus passiert ist, wissen wir." Auch der Wal habe ein Kreuz zu tragen. Einige Tage später berichtete Backhaus, er habe die Nacht im Boot neben dem Wal verbracht. Schon davor war er dem Wal nach eigener Aussage sehr nah gekommen: Vor Reporterinnen und Reportern vor Ort behauptete er, er habe dem Wal "in die Augen geschaut" und mit ihm "kommuniziert". Das Tier habe "geantwortet" und ihm "das Gefühl gegeben, dass er mich akzeptiert hat". Genauere Angaben zu der menschlich-tierischen Zwiesprache unterblieben. In Mecklenburg-Vorpommern wird im Herbst ein neuer Landtag gewählt; man kann Backhaus’ Agieren in der Sache auch als Buhlen um Aufmerksamkeit verstehen . Die kann seine Partei, die SPD, nicht nur in dem Bundesland gut gebrauchen. Name: Walter Gunz und Karin Walter-Mommert Normaler Job: Media-Markt-Gründer und Pferdeunternehmerin Rolle im Wal-Drama: Finanziers der jüngsten Rettungsaktion Die beiden wollen die Walrettung aus eigener Tasche finanzieren. Geld haben die beiden Unternehmer offenbar genug. So sagte Gunz der Nachrichtenagentur dpa: "Die Leute denken immer zu viel an Geld. Man darf sich da nicht verkrampfen. Geld ist eine Energie und man muss sorgfältig damit umgehen." Über das Ergebnis der Aktion macht sich Gunz anscheinend nicht so viele Sorgen: "Mehr als einmal sterben kann er ja nicht". Der Plan der privaten Initiative, mit Luftkissen und einer Plane das Tier anzuheben und aufs offene Meer zu schleppen, schlägt bislang fehl, der Wal schwomm sich nur selbst kurzzeitig frei, ohne weit zu kommen. Walter-Mommert scheint jeder Fortschritt genug. Sie sagte: "Wenn er zehn Züge macht und dann nicht mehr kann, dann ist das ein Gehen eines Tieres in seinem Habitat und würdevoll." Mehr über die Geldgeberin lesen Sie hier . Name: Sergio Bambarén Normaler Job: Schriftsteller Rolle im Wal-Drama: Selbst ernannter Walflüsterer Bambarén ist ein peruanischer Schriftsteller, der im Selbstverlag ein Buch mit dem Titel "Der träumende Delphin" veröffentlicht hat. Im NDR behauptete er , Techniken zu kennen, um das Tier zu beruhigen. Wissenschaftliche Expertise zu Walen hat er nicht. Name: Danny Hilse Normaler Job: Influencer Rolle im Wal-Drama: Nah dran und im Bild sein, Demonstrationen organisieren Der Mann mit dem großen Gesichtstattoo koordinierte in Wismar offenbar Demonstrationen für den Wal. Auch wenn er kein Fachwissen zu Buckelwalen vorweisen kann, drängt sich Hilse bei der Rettungsaktion in den Vordergrund. Er sitzt vorn, wenn die DLRG-Schlauchboote aufbrechen. Eine Kamerafrau berichtete, er sei barsch dazwischen gegangen, als sie auf einer Bank gesessen und mit einem DLRG-Mann geplaudert habe. Immer wieder postet Hilse Videos des Wals, ruft zu Demos auf. Auf TikTok teilt er Beiträge von Xavier Naidoo, postet Videos mit dem Logo des Protestbündnisses "Gemeinsam für Deutschland" (GfD). An GfD-Aktionen beteiligen sich immer wieder Rechtsextremisten und AfD-Mitglieder. Nach Recherchen der  "Ostsee-Zeitung" soll Hilse in der rechten Szene verankert sein, war offenbar früher bei den "Hells Angels" aktiv. Name: Jenna Wallace Normaler Job: Tierärztin in Hawaii Rolle im Wal-Drama: Expertise beisteuern Die Tierärztin aus Hawaii war nach Deutschland eingeflogen worden. Hier hat sie keine Approbation, trotzdem mischte sie im Ringen um den Wal mit, bekam eine vorübergehende Erlaubnis, den tierärztlichen Beruf auszuüben. Auf Instagram schleuderte sie dem Meeresmuseum Stralsund ein "großes, fettes F@ck You" entgegen, es sei nur auf das Skelett des Wals aus. Aber auch mit einigen der selbst ernannten Retter ist sie zerstritten: In einem Statement auf Facebook  wirft sie Bambarén und Influencer Hilse vor, als der Wal sich kurzzeitig freigeschwommen habe, hätten sie "seine erste echte Chance auf Freiheit direkt vor meinen Augen zunichtegemacht". Im Interview mit dem NDR  sagte Wallace, sie und ihr Boot hätten immer wieder Fehler korrigieren müssen, die Hilse gemacht habe. Sie verließ das Team nach nur zwei Tagen. Sie habe erfahren, dass sie für Fehlentscheidungen strafrechtlich belangt werden könnte und ihre Approbation als Tierärztin in den USA riskiere. Wallace ist übrigens nicht zu verwechseln mit der Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert, die auf einem Boot beim Wal war und wegen eines medizinischen Notfalls per Helikopter ins Krankenhaus gebracht wurde. Name: Monika Bubel, auch bekannt als @diewalbotschafterin Normaler Job: Wal-Botschafterin und Mentorin Rolle im Wal-Drama: Singen für den Buckelwal Auf Social Media rief Bubel dazu auf , ein Lied für den Wal zu singen, um ihm Kraft zu geben. Sie erzählt von "HeJaWa", einem Heilsong der indigenen Australier. Das Lied solle den Gewässern helfen, "energetische Löcher zu stopfen", sagt sie. Sie selbst stehe an einem See von Köln – dann singt sie los. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Auf Social Media gehen außerdem offensichtlich KI-generierte Clips zu dem gestrandeten Wal viral, die ebenfalls zur Rettung aufrufen. Die Bilder zeigen den Wal in der Rettungsaktion; andere Tiere, die mit ihm unter Wasser sprechen und viele Helfer – im Hintergrund kitschiger Sonnenuntergang über dem Meer. "Da liegst du dort am Strand, HOPE hat man dich genannt. Geisternetz im Schlund, wir hoffen du bist gesund. Schmerzen, Leid und Qual, du bist ein Buckelwal." Das sind die Lyrics, die diese Bilder begleiten. Name: Robert Marc Lehmann Normaler Job: Tierschützer Rolle im Wal-Drama: Walflüsterer bei Rettungsversuchen der Behörden Erst war er beim Wal ein willkommener Experte, wurde als Held gefeiert. Robert Marc Lehmann hat mehr als eine Million Follower auf YouTube, er gilt dort als einer der bekanntesten Tierschützer des Landes. "Man muss nicht jeden Wal retten", sagte Lehmann anfangs auf seinem YouTube-Livestream. "Dieser Wal wird sterben." Mit dem Schlauchboot fuhr er Ende März zum Wal, fasste das Tier an, filmte sich mit einem Selfiestick. Später wurde ihm angelastet, er stelle seine Selbstinszenierung auf Social Media über das Wohl des Wals. Lehmann reiste wütend ab. Später meldet sich Lehmann mit einer Instagram-Story zu Wort. Er sagt, er habe viel geweint. Aber es sei zu unwahrscheinlich geworden, den Wal zu retten. "Mein Leben muss auch mal weitergehen."