Datum22.04.2026 15:54
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer vermutlich älteste Paternoster der Welt wurde heimlich aus dem denkmalgeschützten Hamburger Flüggerhaus ausgebaut, ohne Genehmigung der Denkmalbehörde. Der Investor schweigt. Nach über 40 Jahren stillgelegt und monatelang sanierter Anlage ist dies ein geschichtlicher Verlust, der rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Der Vorfall löste Empörung bei Denkmalschützern aus.
InhaltMehr als 40 Jahre war er versteckt, die Sanierung dauerte Monate. Jetzt ist der historische Aufzug im Flüggerhaus verschwunden. Der Investor des Gebäudes schweigt. Aus einem Hamburger Gebäude ist der vermutlich älteste Paternoster der Welt ausgebaut worden – ohne Genehmigung des Denkmalschutzamts. Es sei umgehend ein Baustopp verhängt worden, teilte die Kulturbehörde der Hansestadt mit. Der zuständige Restaurator Patric Wagner sprach gegenüber dem NDR von einem "Schlag ins Gesicht". Die Anlage war Ende der Siebzigerjahre stillgelegt worden. Nachdem ein Kunsthistoriker sie 2018 wiederentdeckt hatte, hatten Wagner und sein Team sie eigenen Angaben zufolge über mehr als 2500 Stunden saniert. Was nun mit dem Aufzug passiert ist, ist unklar. "Der Eigentümer ist ein erfahrener Immobilienbesitzer, und er wusste ganz genau, was er da tat", sagte Kristina Sassenscheidt vom Hamburger Denkmalverein dem NDR. "Das ist an Skrupellosigkeit nicht zu überbieten." So etwas habe der Verein in seiner Geschichte "noch nicht erlebt". Das mehr als 100 Jahre alte Flüggerhaus, in dem sich der Paternoster befand, gehörte bis vor wenigen Jahren dem Signa-Konzern von Unternehmer René Benko. Nach dessen Pleite wurde das Gebäude verkauft, laut NDR an den Hamburger Investor Harm Müller-Spreer. Dieser äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall. Ein Sprecher des Denkmalschutzamts sagte, man werde sich nun einen "Überblick über den entstandenen Schaden verschaffen und die weiteren rechtlichen Schritte klären". Nach dem Hamburgischen Denkmalschutzgesetz könnten Eigentümer verpflichtet werden, ein beschädigtes Denkmal auf eigene Kosten wiederherzustellen. Auch Ordnungsgelder sind möglich. Karla Schilde engagiert sich im "Verein zur Rettung der letzten Personenumlaufaufzüge". Hier spricht die Paternoster-Enthusiastin über den Kampf gegen die Aufzuglobby .