Wirtschaftswachstum: Bundesregierung senkt Wachstumsprognose für das laufende Jahr deutlich

Datum22.04.2026 15:31

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 0,5 Prozent halbiert, gegenüber 1,0 Prozent im Januar. Der Krieg im Iran treibt Energie- und Rohstoffpreise in die Höhe, was private Haushalte und die Wirtschaft belastet sowie externe geopolitische Schocks verursacht. Die Inflationsrate wird auf 2,7 Prozent geschätzt. Geringeres Wachstum führt zu niedrigeren Steuereinnahmen und erhöhtem Spardruck. Die Regierung plant Strukturreformen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit durch Senkung von Steuern und Abgaben, Reduzierung der Energiekosten und Bürokratieabbau.

InhaltDie Bundesregierung hat ihre Aussichten für das Wirtschaftswachstum im Vergleich zum Januar halbiert. Damals hatte sie noch mit einem Plus von 1,0 Prozent gerechnet. Die Bundesregierung rechnet für das laufende Jahr nur noch mit 0,5 Prozent Wirtschaftswachstum. Das teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Im Januar hatte sie noch mit 1,0 Prozent Wachstum gerechnet, Anfang Oktober mit 1,3 Prozent. "Der Krieg im Iran treibt die Preise für Energie und Rohstoffe in die Höhe", sagte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). "Das belastet die privaten Haushalte und erhöht die Kosten für die deutsche Wirtschaft." Die für dieses Jahr erwartete wirtschaftliche Erholung werde durch "externe geopolitische Schocks" ausgebremst. Zudem rechnet die Bundesregierung in diesem Jahr mit einer Inflationsrate von 2,7 Prozent. Im kommenden Jahr 2027 sollen es sogar 2,8 Prozent sein. Im März hatten die Folgen des Irankriegs die Verbraucherpreise bereits auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren getrieben. Die Inflationsrate lag bei 2,7 Prozent, nach 1,9 Prozent im Februar. Die Frühjahrsprojektion bildet die Grundlage für die nächste Steuerschätzung Anfang Mai. Ein geringeres Wirtschaftswachstum wird voraussichtlich zu geringeren Steuereinnahmen führen als bisher erwartet. Das wird den Spardruck auf die Bundesregierung wohl noch einmal erhöhen. Am kommenden Mittwoch will das Kabinett den Kernhaushalt 2027 sowie die Finanzplanung der kommenden Jahre beschließen. Es klaffen Milliardenlücken im Etat. Laut Frühjahrsprojektion gibt es ohne Reformen auch in den kommenden Jahren nur schwache Wachstumsaussichten. Ziel der Bundesregierung ist es daher, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu verbessern. Reiche kündigte tiefgreifende Strukturreformen an. "Wir müssen die im internationalen Vergleich viel zu hohe Steuer- und Abgabenlast angehen, die Energiekosten senken und Bürokratie abbauen", forderte sie. Deutschland war 2025 nur knapp am dritten Jahr ohne Wirtschaftswachstum vorbeigeschrammt – das BIP wuchs um 0,2 Prozent. In diesem Jahr sollte es eigentlich wieder merklich bergauf gehen, getragen vor allem durch staatliche Milliardenausgaben zur Modernisierung der Infrastruktur und für Verteidigung. Doch Anfang April hatten bereits die führenden Wirtschaftsinstitute ihre Erwartungen für 2026 wegen des Irankriegs mehr als halbiert. Auf ihrer Prognose basiert auch die Projektion der Bundesregierung. Der Anstieg der Kraftstoffpreise aufgrund der Sperrung der Straße von Hormus und der Zerstörung von Energieinfrastruktur in den Golfstaaten durch den Iran machen der deutschen Wirtschaft zu schaffen. Die weitere Entwicklung und jegliche Prognosen sind angesichts der instabilen Lage in Nahost zudem mit großer Unsicherheit behaftet.