Datum22.04.2026 08:44
Quellewww.spiegel.de
TLDRNobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard äußerte sich überrascht über ihre Abiturnote in Biologie (eine Zwei) und kritisiert die geringe Wertschätzung naturwissenschaftlicher Fächer in Deutschland. Sie beobachtet eine gesellschaftliche Tradition, die geisteswissenschaftliche Fähigkeiten höher einstuft. Nüsslein-Volhard, bekannt für ihre Forschungen zur Genetik der frühen Entwicklung, erhielt 1995 den Nobelpreis für Medizin. Sie bemängelt, dass diese Haltung bereits bei Kindern zu beobachten sei.
InhaltChristiane Nüsslein-Volhard ist bis heute erstaunt über ihre Abiturnote im Fach Biologie. Und: Aus Sicht der Nobelpreisträgerin werden Naturwissenschaften in Deutschland zu wenig wertgeschätzt. Deutschlands erste und bislang einzige Wissenschaftlerin, die einen Nobelpreis in Medizin erhielt, ist mit ihrem Abschneiden bei der Abiturprüfung im Fach Biologie nicht wirklich zufrieden. "Ach, da war ich nicht so besonders gut. Ich habe halt nur eine Zwei gekriegt, obwohl ich eigentlich so viel gemacht hatte im Unterricht, dass ich fand, ich hätte eine Eins verdient", sagte Christiane Nüsslein-Volhard, 83, dem Bayerischen Rundfunk. Mit dem Fach Biologie startet heute der erste Jahrgang des neuen neunjährigen Gymnasiums (G9) in Bayern in die Abiturprüfungen. Nach Ansicht der Biochemikerin werden naturwissenschaftliche Fächer zu wenig wertgeschätzt. "Das war schon immer so, dass das von der Gesellschaft aus nicht besonders hochwertig angesehen wird." Es sei Tradition in Deutschland, "dass man eigentlich eher auf die geisteswissenschaftlichen Fertigkeiten der Leute hinweist, dass sie Latein können oder Griechisch, aber in Mathe haben sie dann gerne eine Fünf", sagte die emeritierte Direktorin am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen. Diese Haltung beginne ihrer Einschätzung nach früh: "Auch bei Kindern zählt es ja viel mehr, wenn die die Autos unterscheiden können, aber die Pflanzen im Vorgarten, die können sie nicht auseinanderhalten." Die Forscherin, die 1942 in Magdeburg geboren wurde, verdankt der Taufliege Drosophila melanogaster viel von ihrem Ruhm. Zusammen mit zwei amerikanischen Entwicklungsbiologen fand Nüsslein-Volhard heraus, welche genetischen Mechanismen die frühe Entwicklung der Fliegenembryos steuern. Das Stockholmer Komitee ehrte die drei dafür 1995 mit dem Medizin-Nobelpreis.