Datum22.04.2026 08:14
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer taiwanische Präsident William Lai musste eine Reise nach Eswatini absagen, nachdem die Seychellen, Mauritius und Madagaskar ihm den Überflug verweigerten. Taiwan wirft China vor, diese Länder unter Druck gesetzt zu haben, um Lais Reise zu blockieren. China lobte die Länder für ihre Haltung im Einklang mit dem "Ein-China-Prinzip". Dies ist die erste Absage einer Auslandsreise eines taiwanesischen Präsidenten wegen verweigerter Luftraumnutzung, was Chinas wachsenden Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent unterstreicht.
InhaltDer taiwanische Präsident William Lai musste eine Reise nach Eswatini streichen, nachdem mehrere afrikanische Länder ihm den Überflug verweigert hatten – laut Taipeh "auf Druck Chinas". China hat drei afrikanische Länder gelobt, nachdem diese dem Flugzeug von Taiwans Präsident William Lai Überflugrechte verweigert hatten. Lai musste deswegen eine geplante Reise nach Eswatini absagen. Nach Angaben aus Taiwan ist es das erste Mal, dass ein taiwanischer Präsident eine Auslandsreise wegen verweigerter Luftraumnutzung absagen oder verschieben musste. Normalerweise sei es für taiwanische Spitzenpolitiker trotz fehlender diplomatischer Beziehungen zu vielen Staaten kein Hindernis, deren Luftraum zu überqueren. Lai wollte in das kleine Königreich Eswatini im südlichen Afrika reisen. Das Land hieß bis 2018 offiziell Swasiland und ist ein Binnenstaat, der an Südafrika und Mosambik grenzt. Eswatini ist einer von nur zwölf Staaten, die offizielle diplomatische Beziehungen zu dem von China beanspruchten Taiwan unterhalten. In der Nacht vor dem geplanten Abflug erklärte Taiwan jedoch, der Besuch müsse verschoben werden. Lais Büro beschuldigte China, die Seychellen, Mauritius und Madagaskar unter Druck gesetzt zu haben, zuvor erteilte Genehmigungen zum Überflug ihrer Hoheitsgebiete zurückzunehmen. In Peking wies das Büro für Taiwan-Angelegenheiten den Vorwurf zurück, China habe wirtschaftlichen "Zwang" ausgeübt, um den Flug zu blockieren. Sprecherin Zhang Han lobte stattdessen die Haltung der drei afrikanischen Staaten, am sogenannten Ein-China-Prinzip festzuhalten. Damit rechtfertigt Peking seinen Anspruch auf den unabhängig regierten Inselstaat. Chinas Außenministerium erklärte, es sei klar, dass es "in der Welt keinen sogenannten Präsidenten der Republik China mehr" gebe – in Anspielung auf Taiwans offiziellen Staatsnamen. "Wer diesen falschen Titel trägt, handelt gegen die Geschichte und wird sich nur selbst Schande einhandeln", hieß es. Die Seychellen und Madagaskar begründeten ihre Entscheidung damit, dass sie Taiwan nicht anerkennen. Die Volksrepublik China betrachtet das demokratisch regierte Taiwan als sein eigenes Territorium und strebt eine "Wiedervereinigung" an, notfalls mit einer Invasion. Peking bezeichnet William Lai regelmäßig als "Separatisten". Der taiwanische Präsident weist Chinas Souveränitätsansprüche zurück und betont, Taiwan habe das Recht, mit der internationalen Gemeinschaft in Kontakt zu treten. Taiwan verurteilte Chinas Vorgehen. Das Außenministerium in Taipeh erklärte am Mittwoch, die Äußerungen aus den Seychellen und aus Madagaskar zeugten von "Unterwürfigkeit gegenüber China". "Die Republik China ist ein souveräner Staat mit dem Recht, mit der Welt in Kontakt zu treten – ein Recht, das nicht verweigert werden kann und das kein Land zu behindern befugt ist", teilte das Ministerium mit. Eine Stellungnahme des US-Außenministeriums lag zunächst nicht vor. "Das ist keine Diplomatie; das ist wirtschaftlicher Druck mit dem Ziel, einen demokratischen Partner zu isolieren", schrieb jedoch der China-Sonderausschuss des US-Repräsentantenhauses auf X. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Der Vorgang folgte gut eine Woche, nachdem China neue Anreize für Taiwan angekündigt hatte – darunter Erleichterungen bei Lebensmittelimporten. Zuvor hatte Cheng Li-wun, Vorsitzende der größten taiwanischen Oppositionspartei Kuomintang (KMT), Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in Peking getroffen . Die KMT liegt häufig mit Lais Regierung über Kreuz, dennoch kritisierte KMT-Abgeordneter Lai Shyh-bao Pekings Schritt gegen den taiwanischen Präsidenten: Chinas Druck sei "nicht klug – besonders nach dem Cheng-Xi-Treffen", sagte er.