Datum15.10.2025 09:28
Quellewww.spiegel.de
TLDRLaut dem aktuellen "Henley Passport Index" führen Singapur, Südkorea und Japan die Liste der Reisepässe mit der größten Reisefreiheit an. Die USA sind erstmals aus den Top Ten gefallen und belegen nur noch den 12. Platz. Dies ist auf geänderte Einreisebestimmungen und eine verschärfte Haltung gegenüber amerikanischen Reisenden zurückzuführen. Der Rückgang des US-Reisepasses weist auf eine globale Verschiebung in der Mobilität hin, während Länder mit Offenheit und Kooperation an Einfluss gewinnen.
InhaltWer aus Singapur, Südkorea oder Japan kommt, genießt weltweit die größte Reisefreiheit. US-Pässe hingegen haben laut einem aktuellen Ranking massiv an Wirkung verloren. Wer aus einem Land kommt, dessen Pass dauerhaft Stress bei der Einreise in andere Staaten provoziert, weiß, was es bedeutet, auf einem der ersten Plätze des "Henley Passport Index " zu landen: Seit 20 Jahren bewertet der Index das Maß der Reisefreiheit bestimmter Staaten sowie die Mobilität ihrer Bürger. Er wird jährlich von der Anwaltskanzlei Henley & Partner erstellt, die sich auf Daten der International Air Transport Association (IATA) beruft. Die Frage, die dahintersteht, ist: Was macht einen Reisepass "mächtig"? Wer kann nur durch das Vorzeigen seines Passes ohne Visum einreisen – und wer nicht? In diesem Jahr führen drei asiatische Pässe die Rangliste an: mit 189 Reisezielen. Bemerkenswert: Erstmals in der Geschichte des Rankings ist der US-Reisepass komplett aus den Top Ten gefallen. Die Vereinigten Staaten liegen im aktuellen Quartalsranking nur noch auf Platz zwölf, gleichauf mit Malaysia. Die Reisepässe folgender Staaten garantieren 2025 die größte Reisefreiheit: Quelle: Global Passport Ranking der Kanzlei Henley & Partner Bürger beider Länder genießen visumfreien Zugang zu 180 der 227 Länder und Gebiete, die in dem Index erfasst sind. Und da Henley & Partner mehrere Länder mit derselben Punktzahl als einen einzigen Platz in seiner Rangliste zählen, gibt es tatsächlich 36 Länder, die in der Liste vor den USA liegen. Noch im Jahr 2014 hatten die USA den ersten Platz belegt, selbst im Juli dieses Jahres waren sie noch unter den Top Ten, wie der US-Se n der CNN berichtet. Was ist der Grund für den aktuellen Abstieg? Da sind zunächst geänderte Einreisebestimmungen bestimmter Staaten: Im April hat Brasilien aufgrund mangelnder Gegenseitigkeit die Visumfreiheit für Bürger aus den USA, Kanada und Australien aufgehoben. China wiederum lockerte seine Einreisebestimmungen und bietet nun Dutzenden von überwiegend europäischen Ländern, darunter Deutschland und Frankreich, Visumbefreiungen an. Die Gewährung visumfreier Einreise nach Russland, neue Abkommen mit den Golfstaaten, Südamerika und den europäischen Ländern wird in dem Bericht als Teil einer anhaltenden Strategie Pekings gedeutet, sich weiter zu öffnen. Zudem haben Papua-Neuguinea und Myanmar ebenfalls ihre Einreisebestimmungen zugunsten anderer Staaten verbessert, was das Ranking der USA weiter verschlechtert hat. Auch die Einführung eines neuen elektronischen Visasystems durch Somalia und der Ausschluss der USA aus den neuesten visumfreien Ergänzungen Vietnams hätten Wirkung gezeigt. "Der Rückgang der Stärke des US-Passes in den vergangenen zehn Jahren ist mehr als nur eine Umbesetzung in der Rangliste – er signalisiert eine grundlegende Verschiebung in der globalen Mobilität und der Soft-Power-Dynamik", sagte Christian H. Kaelin, Vorsitzender von Henley & Partners laut einer Pressemitteilung . "Nationen, die Offenheit und Zusammenarbeit begrüßen, schreiten voran, während diejenigen, die sich auf vergangene Privilegien verlassen, zurückbleiben." Inwieweit die Ergebnisse des Rankings mit der restriktiven Einwanderungspolitik der Trump-Regierung zusammenhängen, ist unklar. Henley & Partners zitiert Tim Klatte von der gobalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thornton China, der sagt: "Trumps Rückkehr an die Macht hat neue Handelskonflikte mit sich gebracht, die die Mobilität Amerikas schwächen, während Chinas strategische Offenheit seinen globalen Einfluss stärkt. Diese unterschiedlichen Wege werden die Wirtschafts- und Reisedynamik weltweit neu gestalten." Die Vereinigten Arabischen Emirate konnten sich in den vergangenen zehn Jahren um 34 Plätze von Platz 42 auf Platz acht hocharbeiten. Am Ende der Liste sieht es düster aus: Auf Platz 106 rangiert Afghanistan mit visumfreiem Zugang zu lediglich 24 Reisezielen, zwei weniger als zu Beginn dieses Jahres. Syrien liegt auf Platz 105 (mit 26 Reisezielen) und der Irak auf Platz 104 (mit 29 Reisezielen).