Datum22.04.2026 05:15
Quellewww.zeit.de
TLDRKarnevalskünstler Jacques Tilly protestiert mit einer satirischen Plastik gegen die Kürzungen bei der Deutschen Welle. Er kritisiert die geplanten Einsparungen als „politische Dummheit“, die Autokraten wie Putin freuen würden. Gewerkschaften und Journalistenverbände rufen zu einer Demonstration auf, da Stellenstreichungen und die Einstellung von Diensten (wie der griechische Dienst) befürchtet werden. Man sieht darin eine Schwächung der deutschen Stimme für Freiheit und Demokratie in einer global angespannten Zeit.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Rundfunk“. Lesen Sie jetzt „"Dummheit": Künstler Tilly rügt Sparkurs bei Deutscher Welle“. Putin, Trump und ein iranischer Ajatollah jubeln Arm in Arm, weil der Etat der Deutschen Welle gekürzt wird – mit einer großen Plastik des Politiker-Trios unterstützt der Karnevalskünstler Jacques Tilly die Proteste gegen Sparmaßnahmen und Stellenstreichungen bei dem Auslandssender. An diesem Mittwoch zieht nachmittags eine Demonstration durchs Berliner Zentrum, auf der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor (15.00 Uhr) wird das Kunstwerk gezeigt. Zu der Demonstration, die am Alexanderplatz startet, haben die Gewerkschaften Verdi und der Deutsche Journalistenverband aufgerufen. Protestiert wird gegen die Kürzung des Bundeszuschusses, die bei der Deutschen Welle 2026 Einsparungen von 21 Millionen Euro erzwingt. "Das nenne ich eine politische Dummheit", sagt der Bildhauer Tilly dazu im Interview der Deutschen Presse-Agentur. "Der Sender ist schließlich in vielen Staaten eine wichtige Stimme der Freiheit und Demokratie." So würden "liberale Fundamente" in die Defensive gedrängt. Tilly zog einen direkten Vergleich zur US-Regierung von Präsident Donald Trump, der Kürzungen beim Auslandssender Voice of America veranlasst hatte. "Deutschland sollte nicht Trumps Fehler wiederholen", warnt er. Tilly hat sehr persönliche Erfahrungen mit dem autoritär regierten Russland: Erst Anfang April hatte ihn ein Moskauer Gericht in Abwesenheit zu acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt – wegen angeblicher Verletzung religiöser Gefühle und der Verbreitung von Falschnachrichten über die russischen Streitkräfte. Hintergrund sind die von ihm gebauten Karnevalswagen, die Kremlchef Wladimir Putin und den von ihm befohlenen Krieg in der Ukraine kritisieren. Von den Sparplänen sind 160 Vollzeitstellen bei dem Sender mit Hauptsitz in Bonn betroffen, der Angebote in 32 Sprachen hat und aus Steuergeldern finanziert wird. "Ein größeres Geschenk kann Deutschland Autokraten wie Wladimir Putin nicht machen", kritisiert DJV-Bundesvorsitzender Mika Beuster, der auch auf der Kundgebung spricht. "Ausgerechnet jetzt, da die Demokratie weltweit unter Druck ist, kürzt die Bundesregierung die Mittel für die Deutsche Welle, statt sie aufzustocken." Auch Verdi befürchtet gravierende Reichweitenverluste, "während Stimmen der Desinformation stärker werden". Kulturstaatsminister Wolfram Weimer müsse nun für eine ausreichende Finanzierung eintreten. Im Februar hatte auch Intendantin Barbara Massing gewarnt, die Einsparungen seien äußerst schmerzhaft und schwächten die Wettbewerbsfähigkeit der Deutschen Welle in einer Zeit, in der eine starke deutsche und europäische Präsenz geopolitisch immer wichtiger werde. Unter anderem wird der Griechisch-Dienst eingestellt, in anderen Sprachen wird das journalistische Portfolio reduziert. Zahlreiche Positionen im ganzen Haus werden gekürzt, die Investitionsmittel deutlich reduziert. © dpa-infocom, dpa:260422-930-976627/1