Russland: Razzia bei größtem Verlag wegen angeblicher »Homo-Propaganda«

Datum21.04.2026 21:25

Quellewww.spiegel.de

TLDRRussische Behörden durchsuchten die Gebäude des größten Buchverlags des Landes und nahmen dessen Generaldirektor und weitere Manager fest. Grund ist der Verdacht der Verbreitung von "Homo-Propaganda" in Büchern, die gleichgeschlechtliche Liebe lebensbejahend darstellen. Dies verstößt gegen russische Gesetze, die seit einer kürzlichen Verschärfung auch die Verfolgung von Aktivisten als Extremisten und die Beschlagnahmung von Büchern ermöglichen.

InhaltWer gegen "traditionelle" Werte verstößt, muss in Russland mit immer härteren Strafen rechnen. So nun auch der größte Verleger des Landes. Der soll Bücher mit LGBTQ-Themen veröffentlicht haben. Der größte russische Buchverlag ist ins Visier der jüngst verschärften Zensurgesetze gerückt. Wegen des Verdachts der Verbreitung von "Homo-Propaganda" unter Jugendlichen haben russische Behörden Medienberichten zufolge die Verlagsgebäude durchsucht. Jewgeni Kapjew, Generaldirektor des Verlags, und weitere Manager seien festgenommen worden, berichtete der russische Fernsehsender Ren-TV. Zudem hätten Sicherheitsbeamte Tausende Bücher beschlagnahmt, die der Verlag inoffiziell vertrieben habe, heißt es weiter. Bei den Büchern handelt es sich angeblich um Romane, die "Homo-Propaganda" betrieben, heißt übersetzt: Die Bücher stellen gleichgeschlechtliche Liebe lebensbejahend dar. Das ist in Russland seit einem vor mehr als zehn Jahren erlassenen Gesetz verboten. Zuletzt hatte Moskau die Gesetze noch einmal verschärft: Verlage mussten daher Titel aus dem Programm nehmen und ganze Auflagen einstampfen, wenn in den Handlungen auch gleichgeschlechtliche Liebe vorkommt. Aktivisten, die für die Rechte Homosexueller eintreten, droht eine Verfolgung als Extremisten und damit im Ernstfall auch Straflager-Haft. Auch in anderen Bereichen schreitet die Zensur weiter fort: So wurde jüngst bekannt, dass mehrere Biografien des bekannten russischen Schriftstellers Michail Bulgakow ("Meister und Margarita") oder des Poeten, Sängers und Schauspielers Wladimir Wyssozki markiert werden müssen, weil sie angeblich Werbung für den Drogenkonsum enthalten.