Datum21.04.2026 21:26
Quellewww.spiegel.de
TLDREin Jugendlicher in Hamburg wurde wegen mutmaßlichen schweren sexuellen Missbrauchs an sieben Mädchen angeklagt. Er soll Onlinegruppen nach dem Vorbild des internationalen Sadisten-Netzwerks "764" gegründet und seine Opfer manipuliert haben, um sie zu sexuellen Handlungen und Selbstverletzungen vor der Kamera zu zwingen. Unabhängig davon läuft ein Prozess gegen Shahriar J. ("White Tiger"), der ebenfalls dem Netzwerk "764" zugeordnet wird und wegen 37fachem Missbrauch angeklagt ist.
InhaltDie Hamburger Staatsanwaltschaft hat einen Jugendlichen angeklagt, dem in 37 Fällen unter anderem schwerer sexueller Missbrauch vorgeworfen wird. Die mutmaßlichen Taten ähneln denen des pädokriminellen Netzwerks "746". In Hamburg hat ein Jugendlicher mutmaßlich die Taten des internationalen Sadisten-Netzwerks "764" nachgeahmt: Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen einen Jugendlichen erhoben, der sieben Mädchen in sozialen Medien zu sexuellen Handlungen und Selbstverletzungen vor der Kamera genötigt haben soll. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft. Teils soll er Mittäter gehabt haben. Der Angeschuldigte soll Onlinegruppen nach dem Vorbild des Sadisten-Netzwerks "764" gegründet haben, teilte die Behörde der dpa zufolge mit. Verbindungen zum angeklagten Shahriar J., der das Pseudonym "White Tiger" benutzte, bestünden aber nicht, hieß es. Unter diesem Foren-Namen soll der 21 Jahre alte Deutsch-Iraner aus Hamburg zwischen 2021 und 2023 insgesamt 204 Straftaten begangen haben. Seit dem 13. Januar läuft gegen ihn ein nicht öffentlicher Prozess am Landgericht . Shahriar J. soll Kopf des Sadisten-Netzwerks "764" gewesen sein und über Kontinente hinweg per Internet Kinder und Jugendliche missbraucht haben. Meist soll er zunächst ihr Vertrauen gewonnen, sie dann mit pornografischen Bildern und Videos erpresst und vor laufender Kamera zu immer heftigeren Selbstverletzungen gezwungen haben – bis hin zum Suizid . Der jetzt angeklagte Jugendliche habe 12- bis 15-jährige Mädchen emotional manipuliert und zu immer gravierenden Verhaltensweisen gezwungen, teilte die Staatsanwaltschaft laut dpa mit. Eines der Mädchen habe er überredet, sich die Namen des Angeschuldigten und von ihm gegründeter Gruppen in die Haut zu ritzen. In der Anklage geht es um 37 Fälle, die Taten sollen zwischen Mai 2023 und März 2024 verübt worden sein. Vorgeworfen werden ihm schwere sexuelle Missbräuche von Kindern, sexuelle Nötigungen und gefährliche Körperverletzung in mittelbarer Täterschaft. Zwischen Sommer 2024 und Frühjahr 2025 soll der Jugendliche zudem Straftaten gegen Homosexuelle begangen haben. In elf Fällen vereinbarte er der Anklage zufolge über Dating-Portale Treffen mit Männern, um sie dann aus vermutlich homophoben Motiven unvermittelt anzugreifen und zu verletzen. Der Angeschuldigte befindet sich seit dem 23. Dezember vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Sollte es zum Prozess kommen, werde dieser unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Der Name der Onlinegruppe "764" steht für die ersten drei Ziffern der Postleitzahl des 15-jährigen Texaners, der sie Anfang 2021 gegründet hat. Die Gruppe sucht sich gezielt labile Minderjährige, um sie zu schweren Selbstverletzungen zu treiben. Die Mitglieder täuschen Freundschaft vor, dann manipulieren, bedrohen und erpressen sie ihre Opfer, um sie zu immer drastischeren Gewalttaten gegen sich selbst vor der Kamera zu treiben. Ist mein Kind online in Gefahr? Lesen Sie hier , welche Warnzeichen Eltern kennen sollten.