Lohnlücke zwischen Ost und West: Westdeutsche verdienen im Durchschnitt mehr als Ostdeutsche

Datum21.04.2026 11:33

Quellewww.zeit.de

TLDRIn Westdeutschland verdienen Vollzeitbeschäftigte im Durchschnitt 17 Prozent mehr als Ostdeutsche. Dies zeigt eine Lohnlücke von über 9.000 Euro brutto jährlich. Experten sehen niedrige Tarifbindung und ein Wirtschaftsmodell, das den Osten als Billiglohngebiet behandelt, als Ursachen. Die Linke kritisiert dies als unvollendete Einheit und fordert höhere Mindestlöhne sowie mehr Tarifbindung, auch gekoppelt an öffentliche Aufträge.

InhaltIn Westdeutschland sind die Löhne noch immer höher als in der früheren DDR. Die Linke sieht das als Zeichen dafür, dass die Wiedervereinigung noch nicht vollendet sei. Im Westen verdienen Vollzeitbeschäftigte brutto rund 17 Prozent mehr als im Osten. Dies geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor, die der Linkenfraktionschef Sören Pellmann abgefragt hat. Der Bruttojahresverdienst mit Sonderzahlungen lag demnach im Westen 2025 im Mittel bei 55.435 Euro. Im Osten waren es 46.013 Euro. Gemeint ist der sogenannte Median, die statistische Mittellinie zwischen den 50 Prozent der oberen und den 50 Prozent der niedrigeren Verdienste. Der Bruttostundenlohn lag im Westen bei 25,61 Euro und im Osten bei 21,36 Euro. Die Hans-Böckler-Stiftung kam vergangenes Jahr ebenfalls auf eine Lohnlücke von 17 Prozent. Als einen Grund für das Gefälle sehen Experten die niedrige Tarifbindung im Osten. Beschäftigte mit Tarifvertrag werden meist besser bezahlt. Zu beachten sind zugleich die regional oft niedrigeren Lebenshaltungskosten und Mieten in den östlichen Flächenländern. Pellmann sprach wegen der großen Unterschiede beim Lohn von einer Bankrotterklärung und politischem Versagen. Sie seien Folge schwacher Tarifbindung, aber auch "von einem Wirtschaftsmodell, das den Osten viel zu lange als Billiglohngebiet behandelt hat", sagte er. "Solange der Osten beim Lohn systematisch abgehängt wird, ist die Einheit unvollendet." "Während Konzerne und Arbeitgeber von der Lohnspreizung profitieren, zahlen Beschäftigte von der Ostsee bis zum Erzgebirge die Zeche", sagte Pellmann. Er forderte einen höheren Mindestlohn und mehr Tarifbindung. Dafür sollten öffentliche Aufträge nur an Unternehmen mit Tarifbindung gehen.