Sachsen und Thüringen: 40 Jahre nach Tschernobyl: Wildschweine vereinzelt verseucht

Datum21.04.2026 11:11

Quellewww.zeit.de

TLDRAuch 40 Jahre nach Tschernobyl sind Wildschweine in Sachsen und Thüringen vereinzelt strahlenverseucht. Im vergangenen Jahr überschritten viele Tiere, darunter Frischlinge, die zulässigen Grenzwerte für Radiocäsium. Wildschweine fressen Hirschtrüffel, die hoch belastet sind. Jäger müssen das Fleisch untersuchen lassen, um die Entsorgung von über dem Grenzwert belastetem Wildbret sicherzustellen. Zahlen des Bundesverwaltungsamtes zeigen die Problematik.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Sachsen und Thüringen“. Lesen Sie jetzt „40 Jahre nach Tschernobyl: Wildschweine vereinzelt verseucht“. Auch 40 Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl sind Wildschweine in Sachsen und Thüringen vereinzelt strahlenverseucht. Im vergangenen Jahr wurden in Sachsen bei 109 Wildschweinen Strahlenwerte über der zulässigen Grenze festgestellt, 64 davon waren Frischlinge. Das geht aus Zahlen des Bundesverwaltungsamtes (BVA) hervor, die dpa vorliegen. In Thüringen waren es demnach 18 Wildschweine, davon 6 Frischlinge. Das BVA erstattet Jägerinnen und Jäger für Wild, das wegen zu hoher Strahlenbelastung nicht verkauft werden darf. Zuvor berichtete die "Bild".  Wildschweinfleisch ist laut Angaben des sächsischen Umweltministeriums höher belastet als das Fleisch anderer Tierarten. Der Grund ist demnach, dass Wildschweine gerne die unterirdisch wachsenden Hirschtrüffel fressen, bei denen die Strahlenbelastung um mehr als das Zehnfache über den Werten von Speisepilzen liegt. Die Tiere scheiden das aufgenommene Radiocäsium allerdings nach einiger Zeit auf natürlichem Weg aus. Der Gehalt im Wildfleisch ist deshalb bei älteren Tieren nicht höher, sondern schwankt im Jahresverlauf. Wenn Jäger Wildschweine aus strahlenbelasteten Gebieten abgeben oder verkaufen wollen, müssen sie das Fleisch untersuchen lassen. Ist der Höchstwert von 600 Becquerel Radiocäsium pro Kilogramm überschritten, muss das Wildbret entsorgt werden. Im vergangenen Jagdjahr (April 2024 bis März 2025) war das in Sachsen laut Ministerium bei 1.195 von insgesamt rund 27.700 gejagten Wildschweinen der Fall. Etwa zehn Prozent der Proben waren belastet. In Thüringen wurden im Jagdjahr 2024/2025 rund 35.000 Wildschweine gejagt. Deutschlandweit zahlte das BVA Erstattung für 2.927 Tiere. Der größte Teil davon stammt aus Bayern: 2.308 Tiere oder knapp 80 Prozent. In Baden-Württemberg waren es 491 Wildschweine. Ein weiteres kam aus Rheinland-Pfalz. Anderes Wild war deutschlandweit nicht betroffen. © dpa-infocom, dpa:260421-930-972691/1