Datum21.04.2026 11:21
Quellewww.spiegel.de
TLDRAntónio Guterres tritt Ende des Jahres als UN-Generalsekretär ab. Die Wahl seines Nachfolgers ist eine Herkulesaufgabe in einer gespaltenen Welt mit geringerer Finanzierung. Vier Kandidaten, zwei Männer und zwei Frauen, stellen sich zur Wahl. Die Entscheidung liegt beim Sicherheitsrat, dessen fünf ständige Mitglieder das letzte Wort haben. Kritiker fordern seit Jahren eine Reform des Auswahlprozesses, um mehr Transparenz zu schaffen.
InhaltAntónio Guterres tritt Ende des Jahres als Uno-Generalsekretär ab. Wer folgt ihm nach? Im Rennen sind zwei Männer und zwei Frauen. Ende des Jahres ist es vorbei für den Portugiesen António Guterres, nach zwei Amtszeiten tritt er als Uno-Generalsekretär ab. Für seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin sind die Herausforderungen riesig und vielleicht kniffliger denn je. Vom nächsten Uno-Generalsekretär – vielleicht der nächsten Uno-Generalsekretärin – wird erwartet, eine immer stärker gespaltene Welt, in der es immer mehr Zweifel und Kritik am Multilateralismus gibt, zusammenzuhalten und wieder enger zusammenzuführen. Kriege, Konflikte und Krisen müssen gelöst werden. Und der Bedarf an humanitärer Hilfe nimmt stetig zu. Gleichzeitig wurden der Uno massiv Gelder gekürzt, vor allem durch die USA. Wer ist dieser großen Aufgabe gewachsen? Wird zum ersten Mal seit Gründung der Uno eine Frau den Posten bekommen? Das Rennen um die Guterres-Nachfolge ist komplex. Der Posten rotiert zwischen den Weltregionen und diesmal wäre Lateinamerika an der Reihe. Das ist allerdings nicht offiziell festgeschrieben und es gab bereits Stimmen, die das offen halten wollen. Vier Kandidierende gibt es. Sie stellen sich am heutigen Dienstag und Mittwoch den Fragen von Vertretern der 193 Uno‑Mitgliedsländer. Wer sind sie und welche Bewerbung gilt als besonders aussichtsreich? Die Befragung in den Vorstellungsrunden entscheidet noch nicht, wer am Ende die Uno anführen darf. Das macht allein der Sicherheitsrat hinter verschlossenen Türen – die Personalie ist also von den fünf Veto-Mächten Russland, USA, Frankreich, China und Großbritannien abhängig. Erst dann kann die Generalversammlung die Person noch offiziell per Abstimmung absegnen. Gegen Herbstbeginn dürfte es ein Ergebnis geben. Kritikerinnen und Kritiker bemängeln den Prozess und drängen seit Jahren auf eine Reform. Trotz aller großen Befragungsrunden – die geheime Beratung des Sicherheitsrates lasse den Großteil der Mitgliedsstaaten außen vor. Der frühere Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon und Guterres-Vorgänger schlug kürzlich etwa vor, dem Uno-Chef künftig nur noch eine, dafür aber eine siebenjährige Amtszeit zu gewähren. Damit sei er unabhängiger von den Veto-Mächten, die auch bei der Entscheidung über eine zweite Amtszeit das Sagen haben. Guterres war seit 2017 im Amt. Er bekommt von vielen Seiten Lob für seine Arbeit und sein großes Engagement. So steuerte er die Vereinten Nationen beispielsweise durch die Coronapandemie und muss die Organisation derzeit durch die wohl größte Budgetkrise ihrer 80-jährigen Geschichte führen. Für sein letztes Jahr hat er angekündigt, das Budget um rund 15 und die Zahl der Mitarbeiter um fast 20 Prozent kürzen zu müssen, vor allem auch wegen der nachlassenden Unterstützung der USA.