Datum21.04.2026 10:55
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Lohnlücke zwischen West- und Ostdeutschland besteht fort: Westdeutsche verdienen im Durchschnitt 17 Prozent mehr als Ostdeutsche, bei Vollzeitbeschäftigten liegt der Medianverdienst im Westen bei 55.435 Euro, im Osten bei 46.013 Euro. Als Hauptursachen gelten die geringere Tarifbindung im Osten und ein Wirtschaftsmodell, das den Osten als Billiglohngebiet betrachtete. Experten fordern eine Erhöhung des Mindestlohns und stärkere Tarifbindung, um die Einheit zu vollenden.
InhaltIm Westen verdienen Menschen immer noch mehr, als im Osten. "Solange der Osten beim Lohn systematisch abgehängt wird, ist die Einheit unvollendet", sagt die Linke. Im Westen verdienen Vollzeitbeschäftigte brutto rund 17 Prozent mehr als im Osten. Dies geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor, die der Linken-Fraktionschef Sören Pellmann abgefragt hat. Der Bruttojahresverdienst mit Sonderzahlungen lag demnach im Westen 2025 im Mittel bei 55.435 Euro. Im Osten waren es 46.013 Euro. Gemeint ist der sogenannte Median, die statistische Mittellinie zwischen den 50 Prozent der oberen und den 50 Prozent der niedrigeren Verdienste. Der Bruttostundenlohn im Westen bei 25,61 Euro und im Osten bei 21,36 Euro. Die Hans-Böckler-Stiftung kam vergangenes Jahr ebenfalls auf eine Lohnlücke von 17 Prozent. Als einen Grund für das Gefälle sehen Experten die niedrige Tarifbindung im Osten. Beschäftigte mit Tarifvertrag werden meist besser bezahlt. Zu beachten sind zugleich die regional oft niedrigeren Lebenshaltungskosten und Mieten in den östlichen Flächenländern. Pellmann sprach wegen der großen Unterschiede beim Lohn von einer Bankrotterklärung und politisches Versagen. Es sei Folge schwacher Tarifbindung, aber auch "von einem Wirtschaftsmodell, das den Osten viel zu lange als Billiglohngebiet behandelt hat", sagte er. "Solange der Osten beim Lohn systematisch abgehängt wird, ist die Einheit unvollendet." "Während Konzerne und Arbeitgeber von der Lohnspreizung profitieren, zahlen Beschäftigte von der Ostsee bis zum Erzgebirge die Zeche", sagte Pellmann. Er forderte einen höheren Mindestlohn und mehr Tarifbindung. Dafür sollten öffentliche Aufträge nur an Unternehmen mit Tarifbindung gehen.