Mehrheit will Geld auf vergessenen Konten für soziale Zwecke nutzen

Datum21.04.2026 07:33

Quellewww.spiegel.de

TLDREine Forsa-Umfrage zeigt: 86% der Deutschen wollen, dass Milliarden auf vergessenen Bankkonten nach einer Frist in einen Sozialfonds fließen. Nur 2% sehen das Geld bei den Banken, 8% beim Staat. Deutschland ist der einzige G7-Staat ohne gesetzliche Regelung für solches Vermögen. SOS-Kinderdörfer weltweit und Erbenermittler fordern ein Register zur Erleichterung der Auffindbarkeit für Erben. Viele Deutsche dokumentieren ihre Vermögenswerte zudem unzureichend.

InhaltBei Banken liegen geschätzt Milliarden Euro auf Konten Verstorbener, ohne dass Erben sich melden. Was damit passieren sollte? Die Mehrheit der Deutschen hat eine klare Vorstellung – und die ist nicht im Sinne der Banken. Die allermeisten Deutschen wollen, dass Geld auf vergessenen Konten für soziale Zwecke verwendet wird und nicht den Banken zufließt. 86 Prozent der Befragten befürworten, dass solches Vermögen nach einer angemessenen Frist in einen unabhängigen Sozialfonds fließen sollte. Das geht aus einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der SOS-Kinderdörfer weltweit hervor. Nur zwei Prozent finden, das Geld solle bei den Banken verbleiben. Acht Prozent bevorzugten eine Übertragung an den Staat. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hatte für die repräsentative Erhebung im Februar bundesweit rund 1600 zufällig ausgewählte deutschsprachige Personen ab 18 Jahren befragt. Einem Gutachten des Bundesforschungsministeriums zufolge sollen bis zu 4,2 Milliarden Euro auf sogenannten nachrichtenlosen Konten liegen. Das sind Konten, auf die seit Jahren niemand mehr zugegriffen hat und für die sich keine Berechtigten melden. Der Verband Deutscher Erbenermittler schätzte das Volumen in der Vergangenheit sogar auf bis zu neun Milliarden Euro. Nach rund 30 Jahren löschen Banken meist entsprechende Konten, das Geld verbleibt bei den Instituten. Deutschland sei der einzige G7-Staat, der den Umgang mit vergessenem Vermögen nicht gesetzlich geregelt habe, kritisieren die SOS-Kinderdörfer weltweit. In Großbritannien etwa würden Gelder auf inaktiven Konten seit 2008 in einen Sozialfonds fließen. Für die rechtmäßigen Inhaber bestünde eine lebenslange Rückzahlungsgarantie. Die schwarz-rote Bundesregierung hatte sich in ihrem Koalitionsvertrag eigentlich darauf verständigt, mit dem Geld Fonds für soziale Innovationen einzurichten. Die Vorständin der Hilfsorganisation, Petra Sorge-Booms, fordert ein zentrales Register, das Erben den Zugang zu Vermögensansprüchen erleichtert. Auch der Verband Deutscher Erbenermittler spricht sich für ein Register aus, in dem vergessene Konten erfasst werden. Für Vermögen bei Privatbanken in Deutschland bietet der Bankenverband bereits einen Suchservice für Erben an. Der Umfrage zufolge haben derweil nur 30 Prozent der Befragten ihre eigenen Konten, Depots und Schließfächer vollständig dokumentiert und mit ihren Angehörigen oder Erben darüber gesprochen. 24 Prozent haben gar nichts dokumentiert und weitere 24 Prozent nur einen Teil ihres Vermögens bei Banken. 14 Prozent haben zwar alles aufgeschrieben, aber nie mit ihren Erben darüber gesprochen. "Wer seine Vermögenswerte nicht dokumentiert und mit Angehörigen bespricht, riskiert, dass das eigene Ersparte unauffindbar wird", warnte Sorge-Booms.