Datum21.04.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRDer Kiebitz, ein stark gefährdeter Vogel in Hamburg, kämpft mit Lebensraumverlust. Ein Projekt unterstützt Landwirte, Nester zu schützen und finanzielle Ausgleichszahlungen zu erhalten. Das Kohlekraftwerk Wedel wird 2027 endgültig abgeschaltet, um Platz für erneuerbare Energien zu schaffen. Derweil feiert Hamburg 40 Jahre Musical-Erfolg seit der Premiere von "Cats".
InhaltDie Elbvertiefung am Dienstag – Mit einem neuen Datum zur Abschaltung des Kraftwerks Wedel, Neuigkeiten vom Wal und erbosten Spediteuren der Kiebitz ist seit Langem mein Lieblingsvogel. Wenn er hungrig ist und keine Regenwürmer findet, trippelt er mit den Füßen auf den Boden, um Regen zu simulieren, und das lockt – clever! – die Regenwürmer aus der Erde. Dann kann er seinen Namen rufen: kie-witt, kie-witt. Außerdem ist er wunderschön, seine Augen haben etwas Sanftes und die schwarzen Federn schimmern grün, rot und blau. So gesehen hat Ilka Nüske meinen Traumjob: Sie ist Kiebitzschützerin beim Naturschutzbund (Nabu). Laut der Roten Liste der Brutvögel ist der Kiebitz "stark gefährdet". Dahinter kommen nur noch die Kategorien "vom Erlöschen bedroht" und "erloschen oder verschollen". In Hamburg gab es seit dem Jahr 2000 einen Rückgang der Bestände um 56 Prozent. Der Vogel mag nasse Flächen, Gras und Moore, doch weil es davon immer weniger gibt, hat er Probleme mit der Fortpflanzung. Zum Brüten weicht er auf Ackerflächen aus, vier von fünf Kiebitzen machen das laut dem Arbeitskreis Vogelschutzwarte mittlerweile so. Das ist aber, Stichwort Traktoren, nicht ganz ungefährlich. Ilka Nüske arbeitet im neuen Projekt "Kiebitzschutz in Norddeutschland". Dafür fährt die Biologin jetzt im Frühjahr, wenn die Kiebitze brüten, durch die Vier- und Marschlande und sucht mit ihrem Spektiv nach Gelegen des Vogels. Findet sie eins, fragt sie den Landwirt oder die Landwirtin, ob sie es nicht umzäunen oder eine sogenannte "Kiebitzinsel" anlegen möchten. Da haben die Vögel dann mehr Platz, und die Landwirte bekommen einen finanziellen Ausgleich vom Staat. In den vergangenen Jahren sei die Zahl der teilnehmenden Betriebe in den Vier- und Marschlanden gestiegen, erzählt Nüske. Manche Landwirte kämen mittlerweile sogar direkt auf sie zu, es habe sich eine gute Zusammenarbeit entwickelt. Dadurch werden immer mehr Nester geschützt: 58 waren es im Jahr 2024 und 132 im vergangenen Jahr. "Am besten wäre es", so sagt Nüske, "die Landschaft insgesamt wieder so herzurichten, dass sie den Kiebitzen besser gefällt." Ideal wären weite, offene Flächen mit wenig Bewuchs, dafür Feuchtigkeit im Boden und Flachgewässern zur Nahrungssuche – wie Moore. Doch das ist komplex, und so sei das Projekt "eine Krücke". Aber: "Eine, die Landwirtschaft und Naturschutz in einen guten Dialog bringt." Und eine, die dem Kiebitz hilft. Der wiederum gilt als Schirmart – das ist eine Art, deren Schutz indirekt den Erhalt vieler anderer Arten und Lebensräume sichert. Das ist doch ein guter Anfang. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Yannick Ramsel PS: Auch diesen Monat wollen wir wieder Ihre Stimmen einsammeln: Was nervt Sie dieser Tage in unserer Stadt? Und im Gegenteil: Welche Kleinigkeiten machen Sie gerade froh? Wir freuen uns auf ein bis zwei Sätze (bitte nicht mehr!) bis morgen 12 Uhr an hamburg@zeit.de, Betreff: "Ach, Hamburg!" Die "Abschiebungsbeobachtung am Hamburger Flughafen", ein von der Innenbehörde finanziertes Projekt des Diakonischen Werks, hat im Jahresbericht etliche Mängel aufgezeigt. Dazu gehört der Umgang der Behörden mit gesundheitlichen Problemen und psychischen Belastungen Ausreisepflichtiger, mit Zwangsmitteln sowie dem Trennen von Familien. 2025 wurden insgesamt 1.096 Menschen über den Airport abgeschoben. Für Hamburgs rund 10.000 angehende Abiturienten an Stadtteilschulen, Gymnasien und Berufsbildenden Schulen hat die Prüfungsphase begonnen. Laut Schulbehörde werden in 164 Schulen 30 Fächer zentral geprüft. Meistgewählte Fächer sind in diesem Jahr erneut Englisch und Deutsch, gefolgt von PGW (Politik, Gesellschaft, Wirtschaft), Geografie und Mathematik. Rheinmetall hat mit der Serienproduktion von unbemannten Überwasserfahrzeugen begonnen. Zunächst sollen jährlich etwa 200 Drohnenboote auf der Werft Blohm+Voss im Hamburger Hafen gefertigt werden, teilte der Rüstungskonzern mit. Die Produktion könne auf bis zu 1.000 Einheiten jährlich gesteigert werden. Hamburgs Spediteure haben der schwarz-roten Bundesregierung bei der Entlastung von hohen Spritpreisen blinden Aktionismus vorgeworfen. So gehe die Regelung von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), dass Tankstellen nur noch einmal am Tag die Preise erhöhen dürfen, sie aber so oft sie wollen senken können, am Thema vorbei, sagte der Vorsitzende des Vereins Hamburger Spediteure, Axel Plaß. Der in der Ostsee vor Poel gestrandete Buckelwal hat sich gestern früh nach drei Wochen Stillstand von selbst freigeschwommen, setzte sich aber nach ein paar Kilometern erneut fest. Rund zwei Stunden lang hatten sich Menschen zuvor bemüht, das zwölf Meter lange Tier von Booten aus in die richtige Richtung zu treiben. Dann war Schluss, der Wal stoppte und blieb bis zum Abend am Übergang der Kirchsee zur Wismarbucht liegen. Eine fast unendliche Geschichte neigt sich nun doch dem Ende zu: Die Hamburger Energiewerke haben die Stilllegung des uralten und maroden Kohleheizkraftwerks Wedel beantragt. Vom Januar kommenden Jahres an soll es nur noch notfalls Strom und Wärme produzieren und zum 1. Juli 2027 endgültig abgeschaltet werden. Damit bleibt das Werk mindestens sechs Monate länger am Netz als zuletzt geplant. Wärme für das Hamburger Fernwärmenetz kommt künftig aus dem Energiepark Hafen südlich der Elbe, zu dem ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk und eine Großwärmepumpe gehören. Das alte Kraftwerk gehört zu den dreckigsten Kraftwerken Deutschlands. Es produziert seit mehr als sechzig Jahren Strom aus Kohle und seit den 1980er-Jahren auch Fernwärme. Seit gut zwanzig Jahren haben zahlreiche Senate sich um eine Ersatzlösung bemüht. Unter den CDU-Senaten der 2010er-Jahre entstand das große und moderne Kohlekraftwerk Moorburg, das aber nie an das Fernwärmenetz angeschlossen wurde. Ein SPD-Senat plante am Wedeler Standort dann ein "Innovationskraftwerk", das im Wesentlichen auch ein Gaskraftwerk hatte werden sollen. Zu rot-grünen Zeiten setzten sich die Grünen schließlich mit der Idee durch, unterschiedliche Wärmekonzepte in einem Energiepark Hafen zu kombinieren. Der Start verzögerte sich aber immer wieder, weil der Bau dieser Anlagen viel länger dauert als ursprünglich geplant. Frank Drieschner Vor 40 Jahren feierte "Cats" im Operettenhaus Premiere – und machte Hamburg zur Musicalstadt. Dabei glaubte zu Beginn keiner, dass das hier funktioniert. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT-Autorin Helene Altgelt. Als die ersten Töne erklingen, lässt sich selbst der skeptische Klaus von Dohnanyi erwärmen. Es ist der 18. April 1986, der Tag der Premiere von Cats, und Hamburgs Erster Bürgermeister hat einen Ehrenplatz im Operettenhaus an der Reeperbahn. Die Stimme der Katze Grizabella erhebt sich zum Hit des Abends: "Mondschein, dreh dich um, schau zum Mondschein", singt sie mit struppigem grauem Fell und silbernen Stiefeln vor der Kulisse einer riesigen Müllhalde. Klaus von Dohnanyi summt mit, beobachtet damals die Bild und schreibt: So herzlich habe man den Hamburger noch nie erlebt. Hamburg ist nach New York und London die drittgrößte Musicalstadt der Welt, heißt es bei Stage Entertainment, dem Unternehmen, das den Hamburger Markt dominiert. Mit einem halben Dutzend Theatern gibt es hier zwar nicht annähernd so viele Bühnen wie am Broadway mit mehr als 40 Häusern. Doch die Hamburger Musicaltheater bieten auch mehr als 10.000 Besucherinnen und Besuchern Platz – mit Vorführungen an fast jedem Abend. Pro Jahr kommen Hamburgs Musicals heute auf zwei Millionen Gäste. Der Klassiker ist König der Löwen, der seit einem Vierteljahrhundert die Menschen lockt, aktuell laufen auch Tarzan, das Michael-Jackson-Musical MJ, seit März Zurück in die Zukunft, ab Herbst Moulin Rouge und ab Dezember Der Teufel trägt Prada. Angefangen hat all das vor 40 Jahren im Operettenhaus, mit Cats. Doch Liebe auf den ersten Blick war es nicht, eher eine Vernunftehe. Erster Akt: Können Katzen, was Freddy Quinn nicht kann? "Das Operettenhaus galt als Pleitehaus", erzählt Helga Schuchardt, die damalige Kultursenatorin, auf ihrem Sofa zu Hause. Seit mehr als hundert Jahren gab es das Theater am Spielbudenplatz, Anfang der Achtzigerjahre war es für mehr als 20 Millionen Mark renoviert worden. Doch es schien ein Fluch auf dem Haus zu liegen. Selbst Freddy Quinn hielt hier mit dem Stück Große Freiheit Nr. 7 nur wenige Monate durch – und darin ging es immerhin um St. Pauli, und gesungen wurden große Hits, von La Paloma bis Auf der Reeperbahn nachts um halb eins. Wie man im dritten Akt mit "Cats" Mäuse fängt, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) In seiner Kolumne "Die Groschenoper" beschäftigt sich der ZEIT-Redakteur Johannes Gernert dieses Mal mit der Steuererklärung und einer Frage, die gerade viele umtreibt: Was muss ich tun, damit das Ding fix fertig ist und glatt durchgeht – und wie hilft KI?→ Zum Artikel (Z+) Anlässlich des Jahrestags des Völkermords an den Armenierinnen und Armeniern findet am kommenden Samstag im MalerSaal die szenische Lesung des Romans Auf der Straße heißen wir anders von Laura Cwiertnia statt. Sie schreibt über die Geschichte einer weitverzweigten armenischen Familie, deren Erfahrungen noch Generationen später nachhallen. Im Anschluss unterhält sich die Journalistin Nora Gantenbrink mit der Autorin auf der Bühne. "Auf der Straße heißen wir anders", 25. April, 20 Uhr, MalerSaal/Schauspielhaus; Kirchenallee 36; Tickets gibt es hier Ein Gespräch zwischen Mutter und Tochter in unserem Hausflur. Die Mutter deutet auf die verdreckten Sneaker der Tochter: "Wie sehen denn deine Turnschuhe aus?" Daraufhin die Tochter: "Ja, Mama, das ist so, wenn man jung ist und am Leben." Gehört von Andreas Zimmer Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.