Datum21.04.2026 05:35
Quellewww.spiegel.de
TLDRJapan lockert nach dem Zweiten Weltkriegs-Pazifismus seine strikten Waffenexportregeln. Künftig dürfen auch "tödliche Waffen" an ausgewählte Partnerländer mit Verteidigungsabkommen verkauft werden, in Ausnahmefällen sogar in Konfliktregionen. Ziel ist die Stärkung der Sicherheitspartnerschaft, der Ausbau der heimischen Rüstungsindustrie sowie die Reaktion auf wachsende Bedrohungen durch China und Nordkorea und die wahrgenommene Unzuverlässigkeit der USA als Verbündetem.
InhaltNach dem Zweiten Weltkrieg hatte Japan einen pazifistischen Kurs eingeschlagen. Davon rückt das Land weiter ab: Künftig ist es erlaubt, auch als "tödliche Waffen" eingestufte Rüstungsgüter in ausgewählte Länder zu verkaufen. Die japanische Regierung hat ihre historischen Beschränkungen für Waffenexporte ins Ausland weitgehend aufgehoben. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete, zielen die vom Kabinett und dem Nationalen Sicherheitsrat gebilligten Änderungen darauf ab, Japans "sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit Partnerländern auszubauen". Damit wendet sich das Land immer stärker von seinem nach dem Zweiten Weltkrieg eingeschlagenen pazifistischen Kurs ab. Behalten Sie den Überblick: Jeden Werktag gegen 18 Uhr beantworten SPIEGEL-Autorinnen und -Autoren die wichtigsten Fragen des Tages im Newsletter "Die Lage am Abend" – hintergründig, kompakt, kostenlos. Hier bestellen Sie Ihr News-Briefing als Mail. Künftig ist es dem Land demnach erlaubt, auch als "tödliche Waffen" eingestufte Rüstungsgüter in Länder zu verkaufen, mit denen Japan bestimmte Verteidigungsabkommen unterhält. In Ausnahmefällen sollen laut Kyodo auch Exporte in Konfliktregionen möglich sein. Damit ist der Weg etwa für den Verkauf von Kriegsschiffen und Raketen ins Ausland frei. Bislang waren Ausfuhren weitgehend auf Ausrüstung für Rettungs-, Transport- und Überwachungseinsätze sowie die Minenräumung beschränkt. Japans Ministerpräsidentin Sanae Takaichi gilt als Vertreterin einer harten Sicherheitspolitik. Die Exportlockerungen werden unter anderem als Versuch gewertet, die heimische Rüstungsindustrie auszubauen. Japanische Firmen waren bislang weitgehend darauf beschränkt, für die landeseigenen Streitkräfte zu produzieren. Insbesondere die militärisch rasant aufrüstenden Nachbarstaaten Nordkorea und China werden in Japan zunehmend als Bedrohung wahrgenommen. Tokios nationale Sicherheit hängt stark vom traditionellen Verbündeten USA ab. Doch seit der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump werden die Vereinigten Staaten als zunehmend unzuverlässiger Partner wahrgenommen (mehr zur Beziehung zwischen Japan und den USA hier). Trump hatte wiederholt US-Sicherheitsgarantien gegenüber seinen Alliierten infrage gestellt.