Bevölkerungsentwicklung: Jede zweite europäische Gemeinde hat seit 1961 Einwohner verloren

Datum21.04.2026 04:06

Quellewww.zeit.de

TLDREine Analyse von Correctiv zeigt, dass seit 1961 jede zweite europäische Gemeinde Einwohner verloren hat, hauptsächlich bedingt durch Landflucht und Abwanderung aus Ostblockstaaten. Während die Gesamtbevölkerung Europas wächst, wird ein Rückgang bis 2100 erwartet. Deutschland verzeichnet besonders in den ostdeutschen Regionen einen starken Bevölkerungsrückgang.

InhaltInsgesamt wächst die Bevölkerung in Europa – aber längst nicht überall. Vor allem im Osten zeigen Zahlen seit 1961 an vielen Orten einen dramatischen Einwohnerschwund. Die Hälfte aller Städte und Gemeinden in Europa hat in den vergangenen Jahrzehnten einen Teil ihrer Bevölkerung verloren. Das zeigt eine Analyse der Rechercheplattform Correctiv auf Basis neuer Daten des Joint Research Center (JRC) der Europäischen Union. Dabei wurden Daten für rund 100.000 Gemeinden aus 32 Staaten untersucht – neben der EU auch aus Großbritannien, Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz. Jede fünfte Gemeinde verlor demnach zwischen 1961 und 2024 mehr als die Hälfte ihrer Einwohnerinnen und Einwohner. Zugleich sei die Gesamtbevölkerung in Europa gewachsen. Die Zahlen zeugen laut Correctiv zum einen von einer Landflucht in den europäischen Ländern. Zugleich zeichneten die Daten die Abwanderung aus den ehemaligen Ostblockstaaten wie Polen, Tschechien oder Bulgarien und der ehemaligen DDR seit den 1990er-Jahren nach. An Deutschland lässt sich das besonders gut nachvollziehen. Aus fast allen ostdeutschen Gemeinden und Städten – 88 Prozent – sind seit 1991 mehr Menschen weggezogen oder gestorben als geboren wurden oder zuwanderten. Dagegen verzeichnete nur gut ein Viertel der westdeutschen Gemeinden einen Bevölkerungsrückgang. Die europäische Bevölkerung wächst seit Jahrzehnten: Im vergangenen Jahr lebten rund 450 Millionen Menschen in den EU-Staaten. Steigen dürfte diese Zahl Experten zufolge aber nicht mehr lange. Kürzlich veröffentlichte Berechnungen von Eurostat, dem Statistischen Amt der Europäischen Union, legen nahe, dass der Höhepunkt schon 2029 erreicht werde. Danach werde die Bevölkerung schrumpfen – zwischen 2025 und 2100 um knapp zwölf Prozent. Auch die deutsche Bevölkerung soll laut Prognosen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) und des Dresdner ifo Instituts für Wirtschaftsforschung früher und stärker schrumpfen als bislang angenommen. Grund dafür sei, dass weniger Menschen als erwartet nach Deutschland eingewandert seien. Der zugrundeliegende Datensatz des JRC beinhaltet die Daten von 1961 bis 2024 in Zehnjahresschritten. Dabei beziehen sich allerdings alle Zahlen auf die Gemeindegrenzen von 2021. Veränderungen in den Gemeindestrukturen, etwa durch Eingemeindungen oder Abspaltungen, werden also mitberücksichtigt. Somit lassen sich die Zahlen aus verschiedenen Jahrzehnten miteinander vergleichen. Die Veränderungen in den einzelnen Gemeinden stellt Correctiv in einer interaktiven Karte dar.