Koalitionsverhandlungen: Wie sich die Berliner Koalition auf Rheinland-Pfalz auswirkt

Datum21.04.2026 03:35

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Koalitionsverhandlungen in Rheinland-Pfalz zeichnen sich durch eine deutlich zivilisiertere Kultur aus als die Verhandlungen der Großen Koalition in Berlin. Politikwissenschaftlerin Claudia Ritzi betont, dass die Parteien in Mainz bewusst einen respektvollen Umgang und geringe öffentliche Auseinandersetzungen pflegen. Dies steht im Kontrast zu den transparenten Debatten und Informationslecks in Berlin, was auf ein starkes Selbstverständnis der Partner im Land zurückzuführen ist.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Koalitionsverhandlungen“. Lesen Sie jetzt „Wie sich die Berliner Koalition auf Rheinland-Pfalz auswirkt“. Die künftigen Koalitionäre in Rheinland-Pfalz grenzen sich im Umgang miteinander von ihren Bundesparteien in der großen Koalition in Berlin ab - davon ist die Politikwissenschaftlerin Claudia Ritzi überzeugt. CDU und SPD in Rheinland-Pfalz versuchten nach ihrem Eindruck so zu agieren, wie es schon die Ampel-Parteien gemacht hätten, sagte die Expertin im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Mainz.  "Da gab es ja auch die Parallele zum Bund und man hat sich immer ganz klar davon distanziert." Ministerpräsident Alexander Schweitzer hatte in Abgrenzung seiner Ampel-Landesregierung von der Bundesregierung damals von der "guten Ampel" in Rheinland-Pfalz gesprochen. Dabei ging es vor allem um öffentliche Auseinandersetzungen, die es in Mainz zwischen den drei Partnern nicht gab.  Was in Berlin über die Gespräche der Koalition zu Spritpreisen und der Energiekrise nach außen gedrungen ist, sei schon ein "klarer Kontrast" zu der Art und Weise, wie in Rheinland-Pfalz verhandelt werde, sagte die Professorin von der Universität Trier. Bereits bei den Mainzer Sondierungsgesprächen und auch jetzt bei den Koalitionsverhandlungen dringt fast nichts nach außen. Nach dem Treffen in der Berliner Villa Borsig hingegen sei einiges durchgestochen worden.  Diese Unterschiede zwischen Berlin und Mainz hätten nach ihrer Auffassung viel mit dem Selbstverständnis der künftigen Koalitionäre im Land zu tun, sagte Ritzi. "Das hat ja schon den Wahlkampf geprägt, dass sowohl die SPD als auch die CDU sich immer sehr um einen fairen Umgang miteinander bemüht haben."  Beide hätten sich von zu viel parteipolitischen Querelen distanziert und versucht zu sagen: "Wir haben unterschiedliche Angebote, wir haben unterschiedliche Persönlichkeiten, liebe Wähler, entscheidet euch."  Dieser Versuch des sehr respektvollen Umgangs miteinander, diese Kultur des Miteinander-Arbeitens werde in Rheinland-Pfalz besonders hoch gehalten. "Es ist nicht nur eine Frage von Land und Bund, wir haben ja in Baden-Württemberg gesehen, dass das auch anders laufen kann", sagte Ritzi. © dpa-infocom, dpa:260421-930-971281/1