Frankreich: Elon Musk erscheint nicht zu Anhörung in Paris

Datum20.04.2026 20:25

Quellewww.zeit.de

TLDRElon Musk erschien nicht zu einer Anhörung in Paris bezüglich seines Onlinedienstes X. Es wird unter anderem wegen des KI-Chatbots Grok ermittelt, der zur Erstellung von Deepfakes mit sexualisierter Gewalt, Holocaustleugnung und Verstößen gegen das Recht am eigenen Bild genutzt werden soll. Die Untersuchungen kamen nach Beschwerden über den X-Algorithmus, der angeblich rechtsextremen Inhalten mehr Reichweite verschaffte.

InhaltEr sollte in Paris zu Vorwürfen gegen seine Plattform X befragt werden – doch Elon Musk kam nicht. Es geht etwa um sexualisierte Deepfakes durch seinen Chatbot Grok. US-Milliardär Elon Musk ist nicht zu einer freiwilligen Anhörung zu seinem Onlinedienst X in Paris erschienen. Die französische Staatsanwaltschaft teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, sie habe "die Abwesenheit der ersten vorgeladenen Personen zur Kenntnis genommen", ohne Musks Namen zu nennen. Neben Musk war auch die frühere X-Chefin Linda Yaccarino vorgeladen. Musk sollte im Zuge der Ermittlungen gegen seinen Onlinedienst X befragt werden. Dabei geht es unter anderem um den KI-Chatbot Grok, mit dessen Hilfe pornografische Bilder von realen Menschen, sogenannte Deepfakes, erstellt werden können – auch Darstellungen sexualisierter Gewalt an Kindern. X hat die Funktion nach eigenen Angaben mittlerweile eingeschränkt. Die Untersuchungen gehen auf Beschwerden über den X-Algorithmus im Januar 2025 zurück. Er soll demnach verändert worden sein, um rechtsextremen Inhalten mehr Aufmerksamkeit zu bescheren. Später kamen weitere Vorwürfe hinzu – etwa die Verbreitung von Holocaustleugnung und Deepfakes. Ermittelt wird der französischen Staatsanwaltschaft zufolge unter anderem wegen des Vorwurfs der Beihilfe zum Besitz von Darstellungen von sexualisierter Gewalt an Kindern, der Verletzung des Rechts am eigenen Bild, der Leugnung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit und des Datendiebstahls. Mitte März hatte der US-Milliardär französische Richter im Zusammenhang mit den Ermittlungen als "geistig zurückgeblieben" bezeichnet. Kurz zuvor waren Büros des Onlinedienstes in Paris durchsucht worden. Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche wird noch immer häufig mit Pädophilie gleichgesetzt. Dabei ist nur gut die Hälfte aller Menschen, die Kinder sexuell misshandeln, auch pädophil. Pädophilie ist eine Neigung, bei der erwachsene Menschen sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen, die meist noch vor der Pubertät stehen und jünger als elf Jahre sind. Pädophil zu sein, heißt nicht automatisch, diese Neigung auch auszuleben. Kindesmissbrauch kennt viele Täterinnen und Täter, beispielsweise Menschen, die traumatisierende Erfahrungen in ihren Familien erlebt haben, unter Persönlichkeitsstörungen leiden, Probleme haben, Empathie zu empfinden, oder dazu neigen, sich und anderen zu schaden. Manche Täter missbrauchen Kinder auch, weil ihnen etwa die sozialen Fähigkeiten fehlen, um sexuelle Beziehungen zu Erwachsenen einzugehen. Wichtig ist auch zu wissen: Missbrauch findet oft in den Familien statt, in denen Kinder ohnehin leben. Der Täter kommt also nicht zwingend von außen. Mehr zu den Hintergründen gibt es im ZEIT-Sexpodcast mit der Ärztin, Sexual- und Traumatherapeutin Melanie Büttner – zu hören in diesen Folgen: Bei der Prävention spielt Erziehung eine wichtige Rolle. Die Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs formuliert es so: "In der Familie bedeutet präventive Erziehung, den Töchtern und Söhnen mit Liebe und Respekt zu begegnen, ihre Persönlichkeit ernst zu nehmen und ihre Selbstbestimmung zu fördern." Auf der Seite der Beauftragten können sich Eltern und andere Erziehende daher über Themen wie körperliche Selbstbestimmung, Sexualerziehung und den Umgang mit Gefühlen informieren. Das Bundesfamilienministerium hat Informationen rund um das Thema sexueller Missbrauch in der Broschüre Mutig fragen – besonnen handeln zusammengestellt. Dort widmet sich ein ganzes Kapitel der Frage "Wie schütze ich mein Kind vor sexuellem Missbrauch?" (ab Seite 83). Beratungszentren, das Jugendamt, die Polizei, die Kinderschutzambulanz am Krankenhaus – diese Anlaufstellen nennt das Bundesfamilienministerium als direkte Ansprechpartner. Hinzu kommt eine Reihe telefonischer Beratungsangebote und Onlineanlaufstellen (ab Seite 92). Faustregel: Lieber einmal zu viel nachgefragt als einmal zu wenig. Das Bundesjustizministerium hat ebenfalls Leitlinien zu dem Thema zusammengestellt. In einer Handreichung erklärt das Ministerium, wann und wie sich etwa Erzieherinnen, Lehrer oder andere Mitarbeiter von Kinder- und Jugendeinrichtungen bei einem Verdacht auf sexuellen Missbrauch an Polizei und Staatsanwaltschaft wenden sollten. Das Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch des Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs bietet zahlreiche Informationen zum Thema sexuelle Gewalt an Kindern im Überblick. Es lässt sich gezielt nach Beratungsstellen, medizinischer und rechtlicher Hilfe in der eigenen Umgebung durchsuchen. Der Verein N.I.N.A. in Kiel betreibt das bundesweite Hilfetelefon Sexueller Missbrauch. Unter der Nummer 0800 – 22 55 530 gibt es dort kostenlose, anonyme Beratung. Wer seine Fragen lieber schriftlich stellen möchte, erreicht die Onlineberatung von N.I.N.A unter www.hilfe-telefon-missbrauch.online. Das Präventionsnetzwerk Kein Täter werden ist eine Anlaufstelle für Menschen, die sich zu Kindern hingezogen fühlen und darunter leiden. Kein Täter werden bietet ihnen therapeutische Hilfe an, um zu verhindern, dass sie sexuelle Übergriffe begehen. Gestartet wurde das Netzwerk 2005 an der Berliner Charité, und es hat mittlerweile deutschlandweit Standorte. Auch das Onlineselbsthilfeprogramm Troubled Desire will Menschen helfen, die eine pädophile Neigung haben. Speziell an Jugendliche, die sexuelle Fantasien über Kinder haben, richtet sich das Präventionsangebot Du träumst von ihnen.