Datum20.04.2026 18:45
Quellewww.spiegel.de
TLDRBei einem Europol-Hackathon wurden 45 mutmaßlich verschleppte ukrainische Kinder aufgespürt. Spezialisten analysierten öffentlich zugängliche Informationen, um die Kinder zu lokalisieren, die vermutlich in besetzte Gebiete, nach Russland oder Belarus gebracht wurden. Die Ergebnisse wurden den ukrainischen Behörden übergeben. Seit Kriegsbeginn 2022 wird die Verschleppung von über 19.500 Kindern geschätzt. Der Internationale Strafgerichtshof ermittelt gegen russische Verantwortliche wegen möglicher Kriegsverbrechen.
InhaltTausende Kinder sollen im Ukrainekrieg von Russland entführt worden sein. Bei einem sogenannten Hackaton in Den Haag suchten nun Experten mit öffentlich zugänglichen Internetquellen nach ihnen. Bei einem von Europol organisierten "Hackaton" sind 45 mutmaßlich entführte ukrainische Kinder aufgespürt worden. Die Kinder seien vermutlich gewaltsam in die besetzten Gebiete der Ukraine, nach Russland oder Belarus verschleppt worden, teilte die EU-Behörde in Den Haag mit. Die Informationen seien den ukrainischen Behörden übergeben worden. Zwei Tage lang hatten sich Sonderermittler aus 18 Ländern an der Suche beteiligt. An der Europol-Aktion war auch der Internationale Strafgerichtshof beteiligt. Die Ergebnisse können nach Informationen von Europol zum Aufenthaltsort der deportierten Kinder führen . Es ist die dritte internationale digitale Suchaktion von Europol zu den verschleppten Kindern der Ukraine. Die Experten lokalisierten die Kinder demnach mithilfe von Open-Source-Intelligenz (OSINT). Diese umfasst das Sammeln, Analysieren und Auswerten von öffentlich zugänglichen Informationen. Als Grundlage nutzten sie etwa von den Eltern bereitgestellte Kinderfotos. Es seien unter anderem auch Transportrouten ermittelt worden sowie Militäreinheiten, die an der Deportation beteiligt waren. Seit Kriegsbeginn im Februar 2022 wurden schätzungsweise mehr als 19.500 Kinder aus besetzten Gebieten in andere besetzte Gebiete, nach Russland oder Belarus verschleppt . Einige wurden laut Europol adoptiert, andere würden in Umerziehungslagern oder psychiatrischen Kliniken festgehalten. Der Internationale Strafgerichtshof leitete deshalb Ermittlungen ein und erließ internationale Haftbefehle gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin sowie die russische Beauftragte für Kinderrechte, Maria Lwowa-Belowa. Die Uno hatte Russland jüngst vorgeworfen, mit der Verschleppung der Kinder Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben. Moskau beharrt dagegen darauf, die Kinder seien zu ihrem eigenen Schutz aus den besetzten Gebieten gebracht worden. Eines der verschleppten Kinder ist Serhij. Er war 16, als russische Soldaten in sein Dorf kamen und ihn gegen den Willen seiner Eltern mitnahmen. Inzwischen ist Serhij zurück in seiner ukrainischen Heimat. Seine Geschichte lesen Sie hier .