Datum20.04.2026 18:15
Quellewww.spiegel.de
TLDRBundeskanzler Friedrich Merz spricht sich gegen eine mögliche US-Militärintervention in Kuba aus. Er sieht dafür keine Grundlage, da von Kuba keine Gefahr für Drittstaaten ausgehe. Merz betont die Wichtigkeit diplomatischer und friedlicher Lösungswege bei Konflikten und lehnt militärische Interventionen ab, die nicht der Verteidigung dienen. Auch der brasilianische Präsident Lula da Silva teilt diese Haltung und kritisiert die Einmischung in innere Angelegenheiten anderer Staaten. Diese Aussagen erfolgen vor dem Hintergrund von Drohungen des US-Präsidenten Trump, Kuba zu "übernehmen".
InhaltDie USA haben ihren Druck auf Kuba zuletzt massiv verstärkt. Friedrich Merz distanziert sich nun von einer möglichen Militäraktion. Dafür gebe es "keine Grundlage", sagte der Kanzler. Bundeskanzler Friedrich Merz sieht keine Rechtfertigung für eine militärische Einmischung der Vereinigten Staaten in Kuba. "Es gibt keinerlei erkennbare Grundlage für eine Intervention auf Kuba", sagte Merz am Montag bei einer Pressekonferenz mit dem brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva: "Von Kuba geht trotz aller Probleme, die dieses Land mit dem kommunistischen Regime innenpolitisch hat, keinerlei erkennbare Gefährdung für Drittstaaten außerhalb Kubas aus." "Ich kann nur den dringenden Rat geben, wenn es denn Konflikte gibt, wenn es denn Bemühungen um Veränderungen gibt auch im Hinblick auf Freizügigkeit, offene Grenzen und Menschenrechte, diesen Weg mit diplomatischen Mitteln und friedlich zu suchen und nicht hier einen neuen Konflikt auf der Welt ohne Not zu beginnen, der ebenfalls nur zusätzliche Probleme schaffen würde", fuhr der Bundeskanzler fort. Er gehöre zu denen, die für eine "starke eigene Verteidigungsfähigkeit" einstünden, sagte Merz weiter. "Aber Verteidigungsfähigkeit heißt nicht, das Recht zu haben, in anderen Staaten militärisch zu intervenieren, wenn dort politische Systeme nicht dem entsprechen, was andere sich vorstellen." Er denke, dass es "im Augenblick" für die USA "keine Veranlassung" gebe, "eine solche Aktion zu beginnen". Auch Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva stellte sich gegen eine Invasion Kubas. "Ich bin gegen die Missachtung der territorialen Integrität von Nationen. Ich bin dagegen, dass sich irgendein Land der Welt in die politischen Angelegenheiten eines anderen Landes einmischt und vorschreibt, wie sich dessen Gesellschaft zu organisieren hat oder nicht", sagte der Staatschef. "Wo bleibt die Selbstbestimmung der Völker? Wo bleibt die Achtung der Menschenrechte? Wo bleibt die Achtung der Uno-Charta?" US-Präsident Donald Trump hatte Mitte April mit Blick auf den Krieg in Iran gesagt: "Vielleicht werden wir in Kuba vorbeischauen, wenn wir hiermit fertig sind." Kuba sei ein gescheiterter Staat. Schon zuvor hatte Trump mehrfach mit einem schärferen Vorgehen gegenüber Kuba gedroht und offen von einer möglichen "Übernahme" gesprochen. "Wenn wir Glück haben, bringt ein Freund vom Feld ein Hühnchen": Kuba steckt in einer existenziellen Krise, der US-Präsident will sich die Karibikinsel "nehmen". Lesen Sie hier , wie es den Menschen in dem Staat geht.