Datum20.04.2026 13:14
Quellewww.zeit.de
TLDRWirtschaftsministerin Reiche dementiert drohenden Kerosinmangel und widerspricht damit Kanzler Merz. Sie betont die gesicherte Versorgung und lehnt eine Übergewinnsteuer auf Raffinerien ab, da diese deren Kapazitäten gefährden würde. Die IEA warnt hingegen vor Engpässen in Europa. Der Luftverkehrsverband fordert die Öffnung der nationalen Kerosinreserve.
InhaltDie Versorgung sei gesichert, sagt Katherina Reiche vor einem Branchentreffen. Eine Übergewinnsteuer lehnt sie weiterhin ab, diese würde deutsche Raffinerien überfordern. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat die Gefahr eines drohenden Mangels an Flugbenzin abgestritten. Damit widersprach sie Bundeskanzler Friedrich Merz, der am Sonntag angekündigt hatte, den Nationalen Sicherheitsrat wegen des Kerosinmangels einzuberufen. Im Interview mit dem Deutschlandfunk sagte Reiche, die Versorgungssicherheit in Deutschland sei gewährleistet. Die vom Koalitionspartner SPD geforderte Übergewinnsteuer auf Mineralölkonzerne, die mit den kriegsbedingt hohen Benzinpreisen große Profite erzielten, hält Reiche nicht für sinnvoll. "Wenn ich Beteiligte in Berlin immer wieder über eine Übergewinnsteuer sprechen höre, treffen wir damit jene elf Raffinerien, die dafür sorgen, dass in Deutschland Kerosin, Benzin und Diesel vorhanden ist", sagte Reiche vor einem Branchentreffen von Bundeswirtschaftsministerium und Bundesverkehrsministerium mit Versorgern, Flughäfen, Airlines und Verbänden am Montag. Es sei wichtig, die Raffineriekapazitäten hochzuhalten. Reiche hatte vorvergangene Woche die SPD-Vorschläge als "teuer, wirkungsschwach und verfassungsrechtlich fragwürdig" bezeichnet. Bundeskanzler Merz zeigte sich "befremdet" und rief Reiche öffentlich zur Zurückhaltung auf. Auf die Frage, ob Reiche noch gut mit ihren Kabinettskollegen zusammenarbeite, sagte sie im Deutschlandfunk: "Wir arbeiten vertrauensvoll zusammen, mit dem Bundeskanzler sowieso, aber auch mit dem Bundesfinanzminister." Der Koalitionspartner drängt dennoch auf weitere Maßnahmen. Die sieben SPD-geführten Bundesländer forderten in einem unter anderem der Nachrichtenagentur dpa vorliegenden Brief an Bundeskanzler Merz, eine Sonderministerpräsidentenkonferenz einzurichten, um Fragen der Energiesicherheit zu besprechen. Zuvor hatte Table.Briefings berichtet. Auch internationalen Stimmen zufolge droht ein Kerosinmangel. Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, hatte kürzlich gewarnt, in Europa könnte bereits im Mai das Flugbenzin knapp werden. Die Staaten der Europäischen Union beziehen 50 Prozent des Flugbenzins aus dem Nahen Osten, während der Reisezeit im Sommer sogar 75 Prozent. Der Luftverkehrsverband hatte deshalb zuletzt gefordert, die nationale Kerosinreserve zu öffnen.