Slowakei: Robert Fico darf auf Weg nach Moskau nicht über Baltikum fliegen

Datum20.04.2026 13:13

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer slowakische Premierminister Robert Fico darf für die Gedenkveranstaltung zum Weltkriegsende in Moskau nicht über das Baltikum fliegen. Estland, Lettland und Litauen verweigern ihm die Überfluggenehmigung, da sie die russische Aggression in der Ukraine verurteilen. Diese Haltung teilen die baltischen Staaten, die die sowjetische Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg kritisch sehen und die Ukraine unterstützen. Fico kritisiert die westliche Nichtteilnahme und fordert die Trennung von Gedenken und aktuellen Konflikten.

InhaltRobert Fico fliegt erneut zum Weltkriegsgedenken nach Moskau – jedoch nicht über das Baltikum. Von Estland, Lettland und Litauen bekommt der Regierungschef wie im Vorjahr keine Genehmigung zum Überflug. Viele Unterstützer hat Russlands Machthaber in Europa nicht. Der slowakische Regierungschef Robert Fico hält allerdings eine gewissen Nähe zu Wladimir Putin aufrecht – und fliegt dieses Jahr erneut zum Weltkriegsgedenken nach Moskau. Auf dem Weg nach Russland wird er jedoch nicht über die baltischen EU- und Nato-Staaten Estland, Lettland und Litauen fliegen. "Fico wird erneut keine Genehmigung erhalten, den estnischen Luftraum für einen Flug nach Moskau zur Teilnahme an der Parade am 9. Mai zu nutzen", teilte Estlands Außenminister Margus Tsahkna in Tallinn mit. Zuvor hatte Fico in einem Video selbst mitgeteilt, dass ihm Lettland und Litauen den Überflug verweigern. Offizielle Bestätigungen aus Riga und Vilnius lagen zunächst nicht vor. Russland begeht jedes Jahr am 9. Mai den "Tag des Sieges" – den Feiertag zum Gedenken an den sowjetischen Sieg über Hitlerdeutschland. Bereits im Vorjahr hatten die an Russland grenzenden Baltenstaaten ihren Luftraum für Staats- und Regierungschefs gesperrt, die zu den Feierlichkeiten nach Moskau reisen wollten. Darunter war auch Fico – als einziger Gast aus Europa neben dem serbischen Staatschef Aleksandar Vučić. Auch für dieses Jahr hat Fico seine Reise zur Gedenkveranstaltung in Moskau geplant. In einem Facebook-Video hatte er vor zwei Wochen angekündigt, er wolle neben der Kranzniederlegung am Gefallenendenkmal in Bratislava-Slavin an drei internationalen Veranstaltungen teilnehmen. Die erste Station sei das ehemalige Konzentrationslager in Dachau, für das er noch keinen konkreten Termin nannte. Am 9. Mai solle Moskau folgen und im Juni die Normandie, wo jener Soldaten gedacht werde, die mit ihrer Landung eine zweite Front eröffnet hätten. Er wolle "seine Ehrerbietung allen erweisen, die gegen den Faschismus kämpften, und jenen, die seine Opfer wurden und unglaubliches Leid ertragen mussten", sagte Fico in dem Video. Er kritisierte wiederholt, dass westliche Staaten am Gedenken in Moskau nicht teilnehmen, und forderte, aktuelle Konflikte und gemeinsames Gedenken auseinanderzuhalten. Tsahkna betonte, Estlands Position sei eindeutig: Kein Land dürfe den estnischen Luftraum nutzen, um die Beziehungen zu Russland zu stärken, solange Moskau internationale Normen missachte und seine Aggressionen gegen die Ukraine und die Sicherheit Europas fortsetze. Estland und die beiden anderen Baltenstaaten sind enge Partner und Unterstützer der Ukraine, die sich seit mehr als vier Jahren gegen eine russische Invasion wehrt. Estland, Lettland und Litauen waren im Zweiten Weltkrieg abwechselnd von der Sowjetunion und Deutschland besetzt. Nach Kriegsende blieben sie bis 1991 Teil der Sowjetunion. Die meisten Esten, Letten und Litauer sehen den 9. Mai daher nicht als Tag des Sieges über Hitlerdeutschland, sondern als Beginn der erneuten Besatzung ihrer Heimatländer durch die Sowjetunion.