Datum20.04.2026 12:17
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie US-Geheimdienst NSA nutzt angeblich Anthropic's Hacking-KI "Claude Mythos Preview", trotz eines Verbots von Präsident Trump. Anthropic beschränkt den Zugang zu dieser potenziell gefährlichen KI, die Tausende Sicherheitslücken gefunden hat, auf wenige Partner. Die Regierung und Anthropic versuchen, eine Zusammenarbeit zu vereinbaren, um die Risiken dieser fortschrittlichen KI zu managen.
InhaltSeit Monaten streiten die US-Regierung und Anthropic über den Einsatz von der KI des Unternehmens beim Militär. Einem Medienbericht zufolge wird das gefährliche Hacking-Werkzeug dennoch von der NSA genutzt. Dass sich um Claude Mythos Preview Mythen ranken, könnte geniales Marketing sein. Als Softwarehersteller Anthropic seine neue künstliche Intelligenz (KI) der Öffentlichkeit ankündigte, zeigte es ziemlich wenig. Die Fähigkeiten des KI-Models seien so überragend – und so gefährlich – dass man es nur wenigen Partnern zur Verfügung stellen werde, schrieb das Unternehmen Anfang April . Nun berichtet das Onlinemagazin "Axios", dass ausgerechnet der US-Auslandsgeheimdienst NSA (National Security Agency) zu diesen Partnern gehören soll . Das Magazin bezieht sich dabei auf zwei nicht namentlich genannte Quellen. Bislang haben sich weder Anthropic noch die NSA oder das US-Verteidigungsministerium, zu dem die NSA gehört, zu dem Bericht geäußert. Sollte sich die Meldung als zutreffend erweisen, wäre das ein erstaunlicher Vorgang. Nicht nur, weil der NSA damit ein potenziell ungeheuer gefährliches Hacking-Werkzeug zur Verfügung stünde, sondern weil der Geheimdienst mit der Nutzung von Claude Mythos eine Anordnung von US-Präsident Donald Trump missachten würde. Der nämlich hatte im Februar im Streit über den militärischen Einsatz von KI alle Bundesbehörden angewiesen, die Nutzung von Anthropic-Produkten sofort einzustellen. Der Hintergrund: Anthropic besteht darauf, dass seine KI nicht für Massenüberwachung in den USA und nicht in vollständig autonomen Waffen eingesetzt wird. Das Pentagon hingegen will sich den üblichen Einschränkungen der Hersteller nicht beugen und deren KI-Modelle auch zu allen Zwecken nutzen, die die US-Regierung als legal erachtet. Als Anthropic sich weigerte, dem nachzugeben, bezeichnete Trump es als "linksradikales, wokes Unternehmen". Das US-Verteidigungsministerium beschränkte sich nicht darauf, die eigenen Verträge mit Anthropic zu beenden, sondern stufte den Dienst zudem als Lieferkettenrisiko ein. Damit hätten auch alle Zulieferer des Pentagons die Zusammenarbeit mit der Firma einzustellen müssen. Da viele Unternehmen auf Staatsaufträge angewiesen sind, wäre dies ein herber Schlag für das Unternehmen gewesen. Anthropic reagierte umgehend mit einer Klage gegen die Einstufung und hatte Erfolg: Ende März stoppte eine Richterin die Sperre . Das KI-Tool, um das es aktuell geht, Claude Mythos Preview, soll laut Anthropic bereits "Tausende Sicherheitslücken mit hohem Schweregrad entdeckt" haben, und zwar "in allen gängigen Betriebssystemen und Webbrowsern". Das wäre für sich genommen noch eine gute Nachricht. Potenziell problematisch wird die KI aber, weil sie potenziell auch sofort passende Schadsoftware schreiben könnte, gegen die es noch keine Verteidigung gibt. Experten diskutieren daher, ob diese KI zur Gefahr für das Internet wird . Wohl deshalb hat Anthropic den Nutzerkreis zunächst eingeschränkt. Insgesamt nennt die Firma zwölf Unternehmen als Partner, die im Rahmen eines Projekt "Glasswing" bereits auf die Claude Mythos Preview zugreifen dürfen. Darunter sind etwa Apple und Google, aber auch JPMorganChase, Nvidia, Microsoft und die Linux Foundation. Sie alle sollen die KI nutzen, um ihre Dienste abzusichern. Zudem sollen weitere 40 Unternehmen, die am "Aufbau oder der Wartung kritischer Softwareinfrastruktur" beteiligt sind, Mythos nutzen können. Namen nennt Anthropic nicht, aber wenn "Axios" recht hat, gehört das US-Verteidigungsministerium dazu. Dass die US-Regierung und Anthropic sich bemühen, die Wogen zu glätten, war bereits länger abzusehen. In der vergangenen Woche berichtete etwa "Bloomberg" über Vorbereitungen der Regierung, Mythos bei US-Behörden einzuführen . Am vergangenen Freitag schließlich traf sich Anthropic-Chef Dario Amodei mit Regierungsvertretern, um eine mögliche Zusammenarbeit sowie gemeinsame Ansätze zur Bewältigung der Herausforderungen der KI-Modelle von Anthropic zu besprechen. Viel mehr, als dass das Treffen "produktiv" verlaufen sei, ist allerdings nicht publik geworden.