Datum20.04.2026 11:04
Quellewww.spiegel.de
TLDRBayer steht vor dem Ende des Glyphosat-Skandals, dessen Kosten sich voraussichtlich auf 24,2 Milliarden Euro belaufen werden. Ein Vergleichsangebot von 6,7 Milliarden Euro wurde unterbreitet, um die meisten der 67.000 Klagen beizulegen, insbesondere da ein US-Gerichtsurteil zukünftige Klagen erschweren könnte. Diese Kosten sind eine Folge der Monsanto-Übernahme und belasten Bayer seit 2018, ähnlich dem VW-Dieselskandal.
InhaltBis Ende Juni können die Kläger entscheiden, ob sie den Vergleichsvorschlag von Bayer in Sachen Glyphosat akzeptieren. So oder so – für den Chemiekonzern summieren sich die Kosten auf einen Milliardenbetrag. Auf der Hauptversammlung am 24. April will Bayer-Vorstandschef Bill Anderson die erste Version einer Schlussbilanz für das Glyphosat-Abenteuer vorstellen, das den Konzern in den vergangenen sieben Jahren schwer belastet hat. Zwar ist noch nicht ganz klar, wie viele der 67.000 verbliebenen Kläger das im Februar vorgelegte Vergleichsangebot annehmen. Die Chancen, dass die Zahl derer gering ist, die ein Urteil abwarten, sind nach Einschätzung der Konzernstrategen groß. Denn Ende Juni wird das oberste Gericht der USA ein Grundsatzurteil fällen, das Schadenersatzklagen wegen Glyphosat in Zukunft den rechtlichen Boden entziehen könnte. Der Konzern stellt für den Vergleich umgerechnet weitere 6,7 Milliarden Euro bereit. Sollten am Ende noch ein paar Streitfälle übrig bleiben, fiele das ohnehin nicht mehr sehr ins Gewicht. Denn der Streit um die schädlichen Nebenwirkungen des Unkrautvernichters Glyphosat hat die Leverkusener bereits eine ungeheure Summe gekostet. Alles in allem dürfte sich die Rechnung am Ende nach Kalkulation des "Handelsblatts" auf rund 24,2 Milliarden Euro belaufen. Darin seien die eingeplanten Kosten für künftige Vergleiche eingeschlossen, schreibt die Zeitung weiter. Damit sei der Rechtsstreit um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat der zweitteuerste in der Geschichte deutscher Konzerne nach dem Dieselskandal von VW, der rund 33 Milliarden gekostet habe. Einbrockt hatte sich der Konzern diese mit der Übernahme des US-Konzerns Monsanto. Neben der Glyphosat-Klagewelle musste Bayer rechtlich auch für den Streit um die Folgen der früheren Monsanto-Chemikalie PCB und für den Unkrautvernichter Dicamba einstehen. Das rechtliche Erbe Monsantos hat die Bayer-Bilanzen seit dem Kauf 2018 in jedem Jahr belastet. 2021 war der bisherige Höhepunkt, als der Konzern für den ersten großen außergerichtlichen Vergleich mit Glyphosat-Klägern 10,8 Milliarden Euro und für andere Rechtslasten weitere 900 Millionen Euro aufwenden musste. Neben Glyphosat kamen auch noch Klagen wegen des Unkrautvernichters Dicamba und wegen der Chemikalie PCB hinzu. Das von Monsanto verkaufte PCB wurde bis Ende der 1970er-Jahre in Baustoffen verwendet, dann aber wegen der Gesundheitsrisiken verboten. Wegen möglicher gesundheitlicher Schäden durch PCB klagten US-Kommunen und Schulen zuletzt gegen Monsanto und Bayer.