Datum20.04.2026 07:15
Quellewww.spiegel.de
TLDRBei der Hannover Messe kritisierte Brasiliens Präsident Lula die US-Politik unter Trump als "Wahnsinn", insbesondere die Interventionen im Iran und Lateinamerika. Er beklagte globale Ungleichheit angesichts hoher Kriegsausgaben. Lula bemängelte zudem die Ineffektivität des UN-Sicherheitsrats bei der Friedenssicherung. Kurz vor Treffen mit Bundeskanzler Merz ging es um bilaterale Beziehungen und das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen.
InhaltBei der Eröffnung der Hannover Messe verschärft Brasiliens Präsident die Kritik an seinem Amtskollegen in Washington. Aber er teilt auch heftig gegen den Sicherheitsrat der Uno aus, der seiner Aufgabe nicht gerecht werde. Kurz vor seinen Beratungen mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva seine Kritik an US-Präsident Donald Trump bekräftigt. Bei der Eröffnung der Hannover Messe prangerte Lula das Vorgehen der USA gegen Iran sowie gegenüber lateinamerikanischen Ländern wie Venezuela und Kuba an. Den Krieg der USA und Israels gegen Iran bezeichnete er als "Wahnsinn". Es sei im 21. Jahrhundert nicht hinnehmbar, dass Hunger, Analphabetismus und fehlender Zugang zu Elektrizität für Milliarden Menschen ungelöst blieben, während zugleich 2,7 Billionen US-Dollar für Kriege ausgegeben würden, sagte der 80-Jährige. "Wir erleben einen kritischen Moment in der globalen Geopolitik, geprägt von großen Paradoxa: Während Astronauten zum Mond fliegen, werden bei den Bombardements im Nahen Osten wahllos Frauen und Kinder getötet", klagte der linksgerichtete Staatschef. Im Vorfeld seiner Reise nach Deutschland hatte Lula im Gespräch mit dem SPIEGEL das Vorgehen der USA im Nahen Osten und in Südamerika bereits kritisiert. Trump sei nicht zum "Kaiser der Welt" gewählt worden. Lesen Sie hier das gesamte SPIEGEL-Gespräch . Lula kritisierte nicht nur Trump, sondern auch die anderen vier ständigen Mitglieder des Uno-Sicherheitsrats. Das Gremium sei geschaffen worden, um Frieden zu sichern und eine Wiederholung des Zweiten Weltkriegs zu verhindern. Stattdessen erlebe die Welt heute so viele Konflikte wie nie seit 1945, während die Mächtigen tatenlos zuschauten. Man müsse Trump, Wladimir Putin, Xi Jinping, Emmanuel Macron und Keir Starmer fragen, wozu der Sicherheitsrat überhaupt diene, sagte Lula. Brasilien dringt wie Deutschland seit Langem auf eine Reform des Uno-Sicherheitsrats. Beide Länder streben einen ständigen Sitz in dem Gremium an. Am Montag beraten Merz und Lula in Hannover zusammen mit insgesamt 15 Ministern beider Seiten über den Ausbau der bilateralen Beziehungen. Kurz bevor das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den lateinamerikanischen Mercosur-Staaten vorläufig in Kraft tritt, wird es bei dem Treffen vor allem um wirtschaftliche Fragen gehen. Das Abkommen, durch das eine Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Menschen entsteht, kann ab dem 1. Mai angewendet werden. Vor den Regierungskonsultationen wollen Lula und Merz noch gemeinsam den traditionellen Rundgang über die Hannover Messe absolvieren und an einem Wirtschaftsforum teilnehmen. Brasilien ist in diesem Jahr Partnerland der Messe. Deutschland führt Regierungskonsultationen mit besonders engen Partnern wie Frankreich, Polen und Italien oder besonders wichtigen Ländern wie Brasilien oder Indien durch. Merz betonte bereits am Freitag, wie bedeutend das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten für die Wirtschaftsbeziehungen zu Lateinamerika sei. "Wir treffen uns zu einem Zeitpunkt, der auf der einen Seite besser nicht sein könnte, was das europäisch-südamerikanische Verhältnis betrifft", sagte Merz mit Blick auf die Vereinbarung. "Aber wir treffen uns auch zu einer Zeit großer Herausforderungen und Veränderungen."