Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Herr Ober, da schwimmt ein Fisch in meinem Fusel!

Datum20.04.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDREin gestrandeter Riesenhai wird als Nasspräparat in Formalin aufbewahrt. Forscher überprüfen circa 54.000 Sammlungsobjekte, darunter ein Fisch in "billigem Fusel". Hamburgs Staatsoper radikalisiert ihr Programm, mit dem Ziel, Gesprächsstoff zu generieren. Eine Umfrage zeigt Mehrheit für Olympische Spiele in Hamburg. Zahlreiche schwere und tödliche Verkehrsunfälle ereigneten sich. Eine Walrettungsaktion läuft.

InhaltDie Elbvertiefung am Montag – Mit einer Rettungsaktion für den gestrandeten Wal, einer Mehrheit für Olympia und einer Häufung schwerer und tödlicher Verkehrsunfälle in einem weiß gefliesten Keller in Eimsbüttel schwimmt ein Hai. Es ist ein männliches Jungtier, 4,3 Meter lang. Ausgewachsen könnte es auf bis zu zehn Meter Länge kommen, das wäre größer als der weiße Hai im Hollywood-Film. Aber der Riesenhai (Lateinisch: Cetorhinus maximus) wird nicht mehr wachsen. Vor rund 40 Jahren wurde er vor der Küste angeschwemmt, ähnlich wie Timmy, der Wal, über den Sie weiter unten in diesem Newsletter mehr lesen können. Der Hai starb – und kam nach Eimsbüttel, wo er nun in 7.500 Litern Formalin schwimmt. Formalin ist eine chemische Lösung, die für den Menschen giftig ist. Doch sie bewahrt den Körper des Hais davor, zu verrotten. In Hamburgs naturwissenschaftlichen Sammlungen (Z+) befinden sich viele sogenannte Nasspräparate. Üblicherweise werden die Tierkörper dabei in einer Ethanollösung aufbewahrt (Mischverhältnis: 70 % Alkohol, 30 % Leitungswasser). Das sei praktischer in der Handhabung als Formalin, erklärte mir Timo Moritz, der Leiter der Fischsammlung am Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels. "Gefäße mit Alkohol kann man aufmachen, man kann reinfassen, die Präparate rausholen, fotografieren, röntgen, mikroskopieren", sagte Timo Moritz. "Alkohol ist nicht giftig. Zumindest, solange man ihn nicht trinkt." Während wir so plauderten, kam plötzlich ein Mann in den Raum und hielt Moritz eine Flasche unter die Nase. Sie sah aus wie eine italienische Weinkaraffe, doch darin schwamm ein Fisch in einer trüben, braunen Brühe. Moritz schnupperte. "Rum?", tippte er. "Dachten wir auch", sagte eine Frau, die jetzt im Türrahmen stand: "Billiger Fusel!" Es zeigte sich: Forscher haben in den vergangenen hundert, zweihundert Jahren Fische nicht nur in Formalin oder Ethanol eingelegt, sondern in allen möglichen Flüssigkeiten. Und auch in allen möglichen Flaschen. Deshalb prüfen Timo Moritz und seine beiden Mitarbeitenden, Thilo Weddehage und Caroline Röber, jetzt jedes einzelne Gefäß in der Fischsammlung. Sie fragen: Welches Tier ist drin? Was für eine Flüssigkeit? Ist die Flasche korrekt etikettiert? Wird sie den Umzug ins neue Naturkundemuseum im Elbtower überstehen? Insgesamt geht es um rund 54.000 Gläser, in denen sich 300.000 Tiere oder Tierteile befinden. Eine Wahnsinnsarbeit! Einige Sammlungsobjekte, wie der Fisch im Fusel (übrigens eine Chimäre, das ist eine mit den Haien verwandte Art), müssen zudem noch umgebettet werden. Der Riesenhai bleibt aber erst einmal, wo er ist: im Formalin. Wie der Hai in der Giftbrühe eines Tages aus dem Keller in Eimsbüttel in den Elbtower kommt? Timo Moritz zuckt mit den Schultern. Eins nach dem anderen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Oskar Piegsa Zwei Kreuzfahrtschiffe haben die Straße von Hormus erfolgreich passiert. Das teilte Tui Cruises mit. Die iranische Regierung hatte den Schifffahrtsweg am Freitag geöffnet, dann am Samstag wieder geschlossen. Dabei kam es nach Medienberichten zu Schüssen auf Fracht- und Passagierschiffe. Unser Archivfoto zeigt eines der beiden Schiffe, nämlich die Mein Schiff 5, die seit Ende Februar im Hafen von Doha festsaß. Rund 25.000 Menschen besuchten die Lange Nacht der Museen am Samstag. Von 18 Uhr bis 1 Uhr standen ihnen 53 Museen offen. Zu den Publikumsmagneten zählte die Kunsthalle, die mit der Sonderausstellung zu Maria Lassnig und Edvard Munch nach Veranstalterangaben rund 10.000 Gäste anzog. Wirtschaftsbehörde und Schausteller haben ein positives Fazit zum Frühlingsdom gezogen. Demnach kamen im März und April insgesamt rund 1,3 Millionen Menschen zum Volksfest auf dem Heiligengeistfeld. Der Sommerdom beginnt am 24. Juli. In der vergangenen Woche gab es eine Häufung von Verkehrsunfällen, bei denen Menschen schwer und tödlich verletzt wurden, darunter auch Kinder. In Wilstorf gedachten am Wochenende 450 Menschen eines Elfjährigen, der am Mittwoch mit seinem Rad unterwegs gewesen war, als er von einem abbiegenden LKW erfasst und getötet wurde. Ebenfalls am Mittwoch war ein Dreizehnjähriger bei einer Kollision mit einem Auto in Stellingen schwer verletzt worden. Am Freitag starb ein 53 Jahre alter Radfahrer nach einem Zusammenprall mit einem LKW in Billbrook. Gestern wurde ein Mann auf einer Baustelle in Marienthal von einem Radlader überrollt und schwer verletzt. Eine neue Umfrage sieht eine Mehrheit für die Durchführung Olympischer Spiele in Hamburg. Das teilte die Handelskammer mit, in deren Auftrag die repräsentative Befragung von 1.000 Menschen durchgeführt worden sei. 60 Prozent hätten für Olympia votiert, 40 Prozent dagegen. Trump als Riesenbaby, Aufführungen im Zirkuszelt: Der Intendant Tobias Kratzer (zweiter von rechts auf dem Foto) verwandelt gerade die Hamburgische Staatsoper radikal. Im Interview mit ZEIT-Redakteur Oskar Piegsa spricht Kratzer über die Oper als das "klügste Spektakel der Welt" – oder handelt es sich eher um deren Ballermannisierung? DIE ZEIT: Herr Kratzer, neulich hörte ich einen Satz, den ich in der Hamburgischen Staatsoper nicht erwartet hatte. Es war in der Pause Ihrer Inszenierung von Monster’s Paradise, als zwischen den Bars im Mittelrangfoyer eine Frau im Cheerleaderkostüm an einer Stange tanzte. Da sagte jemand: "Das is’ ja wie auf Malle hier!" Tobias Kratzer: War das positiv gemeint? Dann freut es mich! ZEIT: Es klang nicht empört, eher amüsiert. Kratzer: Das ist gut, denn: Wozu hat man ein Opernhaus? Um Gesprächsanreize zu schaffen, und zwar idealerweise durch große Kunst. Wenn ein Opernhaus das nicht liefert, oder nur einen Teil davon, dann erfüllt es seine Aufgabe nicht. ZEIT: Sie meinen: Wenn es große Kunst liefert, aber keinen Gesprächsanreiz? Kratzer: Na ja, schlimmer wäre, wenn es nur Gesprächsanreize böte und keine Kunst. Aber seien wir ehrlich: Es gibt Aufführungen, die sind künstlerisch durchaus hochwertig, bleiben aber in der Nische. ZEIT: Ein Vorurteil gegenüber dem Hamburger Publikum lautet, dass man die Nase rümpft, wenn ein Stück zu burlesk wird. Erleben Sie das anders? Kratzer: Es ist wichtig, dass das Burleske niemals Selbstzweck ist, sondern eine Verführung zum Hinschauen und Innehalten. Wir sind schließlich kein Musicaltheater. Ich finde einige Musicals richtig toll, aber als öffentlich finanziertes Opernhaus muss es unser Anspruch sein, dass die Werke nicht der puren Unterhaltung oder Zerstreuung dienen, sondern zur Reflexion anregen. Für mich als Zuschauer gelingt das am besten, wenn man mir nicht mit dem Zeigefinger kommt – "Das ist Kunst!" –, sondern wenn ich auf überraschende Weise in ein Stück hineingesogen werde. Wie Kratzer auf seiner Bühne Donald Trump verspottete und wieso er den Opernbetrieb demnächst in ein Zirkuszelt verlegen will, das lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Interview (Z+) Die Walrettung in der Ostsee liegt inzwischen in den Händen einer privaten Initiative, finanziert von einem MediaMarkt-Gründer und einer Frau aus dem Pferderennsport. ZEIT-Autor Tom Kroll hat das Wochenende auf der Insel Poel verbracht und beschreibt hier, wie die Aktion läuft.→ Zum Artikel (Z+) Das Württembergische Kammerorchester Heilbronn, dirigiert von Risto Joost und mit Herbert Schuch am Klavier, widmet sich Illusion und Passion – zwei Grundvoraussetzungen für die Entstehung musikhistorischer Meilensteine. Mozarts Klavierkonzert mit dem Beinamen Jeunehomme steht dabei im Mittelpunkt ihres Programms. Wir verlosen dreimal zwei Karten für das Konzert am Dienstag, dem 28. April ab 19.30 Uhr im Kleinen Saal der Elbphilharmonie. Schreiben Sie uns bis morgen, 12 Uhr, eine E-Mail mit dem Betreff "Jeunehomme" an hamburg@zeit.de. Die Gewinner werden von uns direkt benachrichtigt. Viel Glück! Durchsage des Busfahrers der Linie 30: "So liebe Fahrgäste, nächste Station ist Bahnhof Altona. Da können Sie umsteigen in die Fernbahnen, aber das brauchen Sie wirklich nicht, das Wetter hier ist auch schön." Gehört von Nuria Neubauer Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.