Datum20.04.2026 04:00
Quellewww.zeit.de
TLDRRheinland-pfälzische Kommunen erstellen Konzepte für flächendeckende Stromausfälle. Zentrale "Notfallmeldestellen" (Leuchttürme) sollen Notrufe und Informationsbereitstellung sicherstellen, auch wenn Netze ausfallen. Mainz plant 39 Stellen, Kaiserslautern 33, Koblenz 11 "Leuchtpunkte" und 2 "Leuchttürme", Ludwigshafen zentrale Gebäude. Die Gemeinden appellieren an Eigenvorsorge und Nachbarschaftshilfe für mindestens 14 Tage. Schulungen und Übungen sind Teil der Vorbereitung, da Krisen zunehmen.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Vorsorge für den Ernstfall“. Lesen Sie jetzt „Wie Kommunen sich für einen Blackout wappnen“. Wenn auf einmal nichts mehr geht: Rheinland-pfälzische Kommunen bereiten sich mit speziellen Konzepten auf Krisenfälle wie einen flächendeckenden Stromausfall vor. Eine zentrale Rolle spielen sogenannte Notfallmeldestellen, auch Leuchttürme genannt - Orte, an denen trotz aller Einschränkungen im Fall des Falles noch Notrufe abgesetzt und Informationen für die Bevölkerung bereitgestellt werden können. Die Landeshauptstadt Mainz plant für den Ausfall kritischer Infrastruktur mit 39 mobilen und stationären Notfallmeldestellen. Die sollen gewährleisten, dass alle Einwohnerinnen und Einwohner in einem Umkreis von maximal einem Kilometer einen Anlaufpunkt für Notrufe finden, auch wenn Telefon- und Mobilfunknetze darnieder liegen. Die Standorte seien so gewählt, dass sie leicht zu finden seien, teilt die Stadt mit. Darunter seien Gerätehäuser der Feuerwehr, Rettungswachen, Polizeidienststellen und andere bekannte Orte wie Apotheken oder Supermärkte. "Unser Ziel ist es, die Erreichbarkeit von Hilfe auch unter schwierigen Bedingungen sicherzustellen", erklärt der Mainzer Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos). Der zuständige Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Stefan Behrendt ergänzt, Notfallmeldestellen seien keine Versorgungsstellen. "Sie dienen nicht dazu, die Bevölkerung mit Strom oder anderen Ressourcen zu versorgen, sondern ausschließlich der Sicherstellung der Notrufabgabe." Auch weiter südwestlich in Kaiserslautern wurden öffentliche Plätze oder Gebäude als Anlaufstellen für die Bevölkerung ausgewählt - 33 sollen es bei einem länger dauernden Stromausfall in der pfälzischen Stadt sein. Bereits dafür vorgesehen seien die Feuerwehrgerätehäuser in den Ortsteilen, teilt die Stadt mit. Für die seien Notstromaggregate gekauft worden. Weitere sogenannte "Leuchtpunkte" sollen aufgebaut werden. Bis wann das umgesetzt ist, sei nicht final geklärt. Im Norden des Landes in Koblenz ist von Leuchtpunkten und Leuchttürmen die Rede. Von ersteren solle es nach Angaben der Stadt elf in Feuerwehrgerätehäusern geben. Hier sollen Menschen im Ernstfall Informationen bekommen und Notrufe absetzen können. Zwei Leichttürme im Bürgeramt sowie im Bauberatungszentrum ergänzen den Angaben nach das System. Dort sollen zusätzlich Leistungen der Verwaltung aufrechterhalten werden. Eine Stadtverwaltung alleine könne im Krisenfall jedoch nicht alles abfedern, wird in Koblenz betont. Daher werde an die Bürgerinnen und Bürger appelliert, an die Eigenvorsorge zu denken sowie Nachbarschaftshilfe zu leisten. In einem Faltblatt der Kommune wird unter anderem geraten, für 14 Tage Getränke sowie möglichst ohne Kühlung haltbare Lebensmittel zu bevorraten - sowie Medikamente, Hygieneartikel, Kerzen, Streichhölzer, Feuerzeuge, einen Kocher, Taschenlampen, Reservebatterien, Kurbel- oder Solarradios und mehr. Es gehe darum, Vorräte und Dokumente greifbar zu haben und sich im Fall des Falles richtig zu verhalten, betont die Stadt Ludwigshafen auf Anfrage. Neben den mit einer Notstromversorgung ausgestatteten Wachen der Berufsfeuerwehr sind dort als Anlaufstellen für die Bevölkerung zentrale Gebäude geplant. "Die Umsetzung zum technischen, organisatorischen und personellen Betrieb soll noch in diesem Jahr erfolgen", teilt die Stadt mit. Im Kreis Bernkastel-Wittlich bauen die Verbandsgemeinden ebenfalls Leuchttürme auf, wie Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Jörg Teusch erklärt. Dort könnten im Ernstfall nicht nur Notrufe abgesetzt werden, es würden auch kleinere Dienstleistungen für die Menschen angeboten. Das könne beim Erwärmen eines Fläschchens mit Babynahrung anfangen, sagt Teusch. Bei einem Stromausfall, der länger als 30 Minuten dauere, würden die Gerätehäuser der Feuerwehren im Kreis oder in dem jeweils betroffenen Gebiet besetzt. Sie sind mit Notstromaggregaten bestückt. Bei Bedarf könnten auf Kreisebene drei größere Hallen in Wittlich, Piesport und Morbach aufgemacht werden - als Anlaufstellen für vulnerable Gruppen. In diesen Hallen stünden dann unter anderem Stromerzeuger und Feldbetten bereit, hier könnten Bedienstete von Pflegediensten kranke Menschen betreuen und Arztpraxen könnten dort Patientinnen und Patienten behandeln. Erprobt wird der Aufbau und Betrieb dieser Hallen am 26. September beim landesweiten Übungstag. Das Szenario in ganz Rheinland-Pfalz ist Teusch zufolge dieses Mal eine großflächige Unwetterlage. Im Kreis Bernkastel-Wittlich werde man dies in Kombination mit einem Stromausfall durchspielen. Fertig sei man mit Konzepten für den Bevölkerungsschutz nie, betont er. Pläne müssten fortlaufend optimiert oder an neue Begebenheiten angepasst werden. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz betont in einer Broschüre, Deutschland sei zwar eines der sichersten Länder der Welt: "Dennoch erleben wir, dass auch in Deutschland Krisen unsere gewohnten alltäglichen Abläufe stören." Extreme Wetterereignisse nähmen zu. Durch Cyberattacken, Desinformation oder Sabotage fänden Angriffe auf Infrastruktur, Meinungsbildung und Zusammenhalt statt. "Selbst ein Krieg scheint nicht mehr so ausgeschlossen zu sein wie noch vor einigen Jahren." Insofern sei es besser, vorbereitet zu sein. © dpa-infocom, dpa:260420-930-967072/1