Ursula von der Leyen: Ursula von der Leyen fordert von Europa, sich völlig neu aufzustellen

Datum19.04.2026 21:05

Quellewww.zeit.de

TLDREU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen fordert eine Neuausrichtung Europas für mehr Unabhängigkeit. Sie plädiert für eine Aufhebung des Einstimmigkeitsprinzips im Rat der Außenminister und eine EU-Erweiterung zur Stärkung gegen russischen, türkischen und chinesischen Einfluss. Von der Leyen betont die Notwendigkeit einer eigenen Energie- und Verteidigungspolitik und spricht sich für Nuklearenergie als Ergänzung zu Erneuerbaren aus. Zudem fordert sie besseren Schutz für Kinder in der digitalen Welt.

InhaltUrsula von der Leyen forderte bei einer Veranstaltung der ZEIT mehr Unabhängigkeit Europas. Die EU‑Kommissionspräsidentin setzt dabei auch auf Nuklearenergie. "Die Stimme Europas muss zu hören sein. Zu oft hat Europa zuletzt nicht gesprochen." Das sagte die EU‑Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei der Jubiläumsveranstaltung zum 80‑jährigen Bestehen der ZEIT im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Von der Leyen machte deutlich, dass sie es an der Zeit hält, an dem Einstimmigkeitsprinzip in der EU etwas zu ändern. Also daran, dass immer alle EU Mitgliedstaaten einer Entscheidung zustimmen müssen, damit sie beschlossen werden kann. "Nicht im Europäischen Rat, aber im Rat der Außenminister sollten wir zur Mehrheitsabstimmung übergehen", sagte sie. Im Gespräch mit ZEIT‑Chefredakteur Giovanni di Lorenzo beantwortete von der Leyen Fragen, die von Lesern und Leserinnen an die ZEIT gesandt worden waren. Von der Leyen plädierte dabei auch dafür, die EU zu erweitern. "Es muss uns gelingen, den europäischen Kontinent zu vervollständigen, damit er nicht russisch, türkisch oder chinesisch beeinflusst wird. Wir müssen größer und geopolitisch denken." Vor allem sei eine unabhängigere Union wichtig. "Wenn man sich mal das Geschäftsmodell der EU anschaut, dann basierte unsere Wettbewerbsfähigkeit bisher auf billiger Energie aus Russland, billiger Arbeit aus China, billiger Verteidigung durch Amerika. Das ist vorbei. Wir müssen uns völlig neu aufstellen. Wir müssen selbst für die Sicherheit unseres Kontinents einstehen. Wir müssen unabhängiger werden." Von der Leyen verteidigte den Green Deal. Er sei ein hervorragendes Projekt und im Grundsatz gut. "2050 wollen wir der erste klimaneutrale Kontinent sein. Aber wir müssen flexibel bleiben, anpassungs- und lernfähig und technologieoffen." Zentral sei dabei die Transformation in der Energieproduktion. "Es sind die schmutzigen und teuren Energien, die importiert werden, also Gas und Kohle." Die sauberen seien Wind, Sonne, Erdwärme, Biomasse, Wasser und modulare Nuklearreaktoren. "Wir brauchen Nuklearenergie, die wir einsetzen können, wenn uns die Erneuerbaren fehlen. Der Ausstieg aus der Nuklearenergie war ein Fehler. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht abgekoppelt werden von Innovationen." Vor allem brauche es Forschung, um mehr Energie speichern zu können. Auf die Frage einer Leserin, wie mit Atommüll umgegangen werden solle, sagte von der Leyen, dass es auch Forschung brauche, den vorhandenen Atommüll gefahrlos zu entsorgen. Über die Energiefrage würde in der nächsten Woche auch der Europäische Rat sprechen, wenn er in Zypern tagt. Aber auch über andere große Themen werde gesprochen. Zu diesen gehöre auch die Frage, "wie schützen wir Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt besser, insbesondere bei Social Media?"  Kürzlich hatte die EU-Kommissionspräsidentin die Mitgliedsstaaten zur Nutzung einer europäischen App zur Altersverifikation aufgerufen. Die App sei "technisch fertig, es brauche einen einheitlichen europäischen Ansatz, um Kinder in der "Onlinewelt" zu schützen. Auf der Bühne des Schauspielhauses wiederholte sie ihre Forderung: "Wir haben eine Verantwortung unsere Kinder in der digitalen Welt zu schützen. Eltern und nicht Algorithmen sollen die Kinder erziehen." Auf die Frage nach dem Amt der Bundeskanzlerin oder Bundespräsidentin, sagte von der Leyen, dass ihr Herz für Europa schlage. "Ich habe in Brüssel noch vier Jahre vor mir."